Deutschland, Niedersachsen

Strenger Winter, Gasspeicher leeren sich - Grund zur Sorge?

09.01.2026 - 05:30:06

In den vergangenen Jahren wurde oft besorgt auf die FĂŒllstĂ€nde der Gasspeicher geschaut. Sie sind ein wichtiger Puffer. Wie ist aktuell die Lage?

  • Die Gasspeicher waren vor dem Winter unterdurchschnittlich gefĂŒllt. - Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

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  • HĂ€ufig wird mit Gas geheizt. - Foto: Bernd Weißbrod/dpa

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  • In Deutschland herrschen frostige Temperaturen.  - Foto: Sina Schuldt/dpa

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  • LNG-Terminals spielen eine wichtige Rolle. - Foto: Stefan Sauer/dpa

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Die Gasspeicher waren vor dem Winter unterdurchschnittlich gefĂŒllt. - Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpaHĂ€ufig wird mit Gas geheizt. - Foto: Bernd Weißbrod/dpaIn Deutschland herrschen frostige Temperaturen.  - Foto: Sina Schuldt/dpaLNG-Terminals spielen eine wichtige Rolle. - Foto: Stefan Sauer/dpa

Es herrscht ein strenger Winter in Deutschland, die Gasspeicher leeren sich – die FĂŒllstĂ€nde liegen deutlich niedriger als in Jahren zuvor. Besteht Anlass zur Sorge? Die Bundesnetzagentur geht zurzeit von einer gesicherten Gasversorgung aus. Ähnlich Ă€ußert sich das Bundeswirtschaftsministerium. Das ist die Lage. 

FĂŒllstĂ€nde der Speicher gering 

«Die aktuellen FĂŒllstĂ€nde der Gasspeicher liegen deutlich unter dem langjĂ€hrigen Durchschnitt», sagt Timm Kehler, Vorstand des Verbands Gas- und Wasserstoffwirtschaft. «Mit einem FĂŒllstand von aktuell unter 52 Prozent verlaufen die GasspeicherfĂŒllstĂ€nde auf einem historischen Tief», sagt Sebastian Heinermann, GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Initiative Energien Speichern. Mitte November hatte die Initiative mitgeteilt, Deutschland gehe mit einem unerwartet niedrigen SpeicherfĂŒllstand von nur 75 Prozent in die Heizperiode. Bei extrem niedrigen Temperaturen drohten bereits ab Mitte Januar «Unterdeckungen». 

Nun sagt Heinermann, die Ausgangslage fĂŒr die Gasversorgung im Januar habe sich aufgrund der moderaten Temperaturen im Dezember verbessert – weil den Speichern bis Ende des Jahres lediglich im normalen Umfang Gas entnommen worden sei. «Im Vergleich zum Dezember ist der Januar von deutlich kĂ€lteren Temperaturen geprĂ€gt, weshalb derzeit in großem Umfang ausgespeichert wird.» Die Großhandelspreise fĂŒr Gas seien noch stabil, das könnte auf den dĂ€mpfenden Effekt der umfangreichen Entleerung der Speicher zurĂŒckzufĂŒhren sein. 

Kritik aus Branche: Anreiz zum Gasspeichern fehlt 

Eine Sprecherin des Energiekonzerns Uniper sagte: «Die Versorgungssicherheit mit Erdgas ist aktuell gewĂ€hrleistet, aber nicht garantiert.» Bei einem langen, kalten Winter oder geopolitischen Störungen könnten bei niedrigen SpeicherfĂŒllstĂ€nden EngpĂ€sse entstehen. 

Mit etwas Sorge blickt der Vorstandsvorsitzende des Oldenburger Energieversorgers EWE, Stefan Dohler, auf die aktuellen FĂŒllstĂ€nde. «Ich möchte keinen Alarm schlagen, aber trotzdem darauf hinweisen, dass die FĂŒllstandssituation heute so schlecht ist, wie sie es Anfang 2022 war», sagt Dohler. «Es ist ein Zeichen, dass die Mechanismen, die die Politik geschaffen hat, so nicht funktionieren. Es gab im vergangenen Sommer keine Preissignale im Markt, die Gasspeicher zu befĂŒllen.» 

Die FĂŒllstĂ€nde der deutschen Gasspeicher seien deutlich niedriger als Anfang 2025 – damals seien es statt knapp 50 rund 77 Prozent gewesen. WĂŒrden sich die Gasspeicher in den nĂ€chsten drei Monaten mit dem gleichen Tempo wie vor einem Jahr leeren, wĂ€ren die Speicher Ende MĂ€rz noch zu 5 Prozent gefĂŒllt, rechnet Dohler vor. «Das wĂ€re ziemlich wenig.» Ein solches Szenario sei aktuell aber wenig realistisch, da die Preise auf dem Gasmarkt gerade entspannt seien und HĂ€ndler dort Gas kaufen könnten. 

Die Uniper-Sprecherin sagt, die FĂŒllstĂ€nde der deutschen Gasspeicher seien niedriger als in den Vorjahren, da die wirtschaftlichen Anreize zur Einspeicherung fehlten. Daher seien viele Speicher nur teilweise gebucht. «Bei einem langen, kalten Winter oder geopolitischen Störungen könnten bei niedrigen SpeicherfĂŒllstĂ€nden EngpĂ€sse entstehen.» 

Bedeutung der LNG-Terminals 

Gasspeicher sind ein Puffer fĂŒr EngpĂ€sse bei der Gasversorgung. Eine große Bedeutung haben aber inzwischen Terminals an Nord- und Ostsee, an denen FlĂŒssigerdgas (LNG) ankommt. «Die inzwischen gut ausgebaute LNG-Infrastruktur in Deutschland und Europa ermöglicht neben der bestehenden und sicheren Hauptversorgung durch norwegisches Pipelinegas die notwendigen Importe nach Deutschland», sagte eine Sprecherin von Bundeswirtschafts- und Energieministerin Katherina Reiche (CDU). 

Mit den vorhandenen deutschen Importterminals fĂŒr FlĂŒssigerdgas (LNG) könnte man in den kalten Monaten November bis MĂ€rz etwa 16 Prozent der Nachfrage decken. Das entspreche 32 Prozent der KapazitĂ€t der deutschen Erdgasspeicher. 

Die Terminals gewĂ€hrleisteten das ganze Jahr eine sehr flexible Möglichkeit, Gas zu importieren. «Das fĂŒhrt dazu, dass Gasspeicher relativ gesehen an AttraktivitĂ€t verloren haben zur Sicherstellung der Gasversorgungssicherheit.» Das Ministerium habe bei der FĂŒllung der Erdgasspeicher klar auf den Markt gesetzt. Eine Verordnung schreibt bestimmte FĂŒllstĂ€nde vor. 

GasspeicherfĂŒllstand nicht alleine relevant 

Der sogenannte Marktgebietsverantwortliche Trading Hub Europe habe anders als wĂ€hrend der Energiepreiskrise 2022 – nach Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine – nicht eingreifen und die Speicher befĂŒllen mĂŒssen. Dies hĂ€tte zusĂ€tzliche Kosten fĂŒr Gaskunden beziehungsweise die deutschen Steuerzahler bedeutet. Zu Beginn des Ukraine-Kriegs war Deutschland noch stark abhĂ€ngig von russischem Gas.

Von der Bundesnetzagentur hieß es, der GasspeicherfĂŒllstand sei ein wichtiger Indikator fĂŒr zusĂ€tzlich verfĂŒgbare Versorgungsabsicherungen - jedoch sei er nicht alleinig relevant. «Deutschland verfĂŒgt ĂŒber ausreichende Import- und Speichermöglichkeiten.» Die Gaspreise bewegten sich in einem stabilen, wenn auch leicht ansteigenden Korridor, was fĂŒr die Jahreszeit und Witterung aber nicht ungewöhnlich sei. «Diese StabilitĂ€t ist darauf zurĂŒckzufĂŒhren, dass es am Weltmarkt ausreichend Gas gibt, das unter anderem ĂŒber die LNG-Terminals importiert werden kann. Insofern gehen wir aktuell von einer gesicherten Gasversorgung aus.»

Forderung nach Gasreserve

EWE-Chef Dohler mahnt zu mehr Vorsorge. «Es wĂ€re gut, jetzt darĂŒber zu sprechen, welche Instrumente es gibt, die einerseits den Markt halten, andererseits aber auch ausreichende Sicherheit schaffen fĂŒr besondere Ereignisse. Das sollte jetzt in diesem Jahr passieren.» Der Manager schlĂ€gt etwa die Schaffung einer nationalen, strategischen Gasreserve vor – Ă€hnlich wie es sie fĂŒr Erdöl gibt. 

Dohler verweist etwa auf Österreich, das so eine Gasreserve hat. «Dort wird bewusst Gas als Puffer eingespeichert, was nicht angetastet wird, und nur fĂŒr NotfĂ€lle zur VerfĂŒgung stehen sollte.» Eine staatliche Stelle regele dort ĂŒber Ausschreibungen die BefĂŒllung von Speichern in einem bestimmten Volumen.

AntrÀge auf Stilllegungen

Gas-GroßhĂ€ndler nutzen Speicher, um gĂŒnstig eingekauftes Erdgas zu einem anderen Zeitpunkt gewinnbringend zu verkaufen – vor allem im Winter, wenn der Bedarf groß ist. In der Regel sinkt der Gaspreis im Sommer deutlich, sodass viele Versorger Erdgas einkaufen und es in den Anlagen zwischenspeichern. Je höher aber der Gaspreis im Sommer, desto weniger lohnt sich das BefĂŒllen der Speicher. 

Das ist auch der Hintergrund fĂŒr AntrĂ€ge bei der Bundesnetzagentur auf Stilllegungen von zwei Speichern in Bayern, darunter einer von Uniper – aber erst zum FrĂŒhjahr 2027. Unter den aktuellen Voraussetzungen sei ein wirtschaftlich tragfĂ€higer Speicherbetrieb langfristig nicht darstellbar, so Uniper. Voraussetzung fĂŒr eine Genehmigung: es darf keine nachteiligen Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit geben.

@ dpa.de

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