Verdi-Streik an elf FlughÀfen - 1100 FlugausfÀlle erwartet
31.01.2024 - 15:31:18Verdi macht am Donnerstag die FlughĂ€fen erneut zum Schauplatz eines Warnstreiks. Die Gewerkschaft hat an elf gröĂeren FlughĂ€fen die Mitarbeiter der Luftsicherheitskontrollen ganztĂ€gig zur Arbeitsniederlegung aufgerufen. In der Folge fallen nach SchĂ€tzung des Flughafenverbands ADV rund 1100 FlĂŒge aus oder können nur verspĂ€tet starten. Betroffen seien rund 200 000 Passagiere.
Wo wird gestreikt?Â
Die Aktionen sollen laut Verdi in Frankfurt, Hamburg, Bremen, Berlin, Leipzig, DĂŒsseldorf, Köln, Hannover, Stuttgart, Erfurt und Dresden stattfinden. Hier wird nach EinschĂ€tzung der Lufthansa kein Zugang zu den Flugzeugen möglich sein. Die FlughĂ€fen MĂŒnchen und NĂŒrnberg sind nicht von dem Verdi-Streik betroffen, so dass davon auszugehen sei, dass der dortige Betrieb im vollen Umfang stattfinden könne. Hier arbeiten die LuftsicherheitskrĂ€fte im öffentlichen Dienst, fĂŒr den ein anderer Tarifvertrag gilt. Mehrere FlughĂ€fen wie Berlin, Hamburg oder Stuttgart haben sĂ€mtliche Starts abgesagt, wĂ€hrend DĂŒsseldorf und Köln einen Teil aufrechterhalten wollten.Â
Lufthansa fliegt GroĂteil des ProgrammsÂ
Das gilt auch fĂŒr den gröĂten deutschen Flughafen Frankfurt, wo zunĂ€chst 1050 Flugbewegungen geplant waren. Die Lufthansa will am Donnerstag ihr Programm weitgehend fliegen. Die LangstreckenflĂŒge wĂŒrden gröĂtenteils stattfinden, teilte die Fluggesellschaft mit. Auch Zu- und AbbringerflĂŒge fĂŒr Umsteiger sollen angeboten werden. Allerdings könne es im Transitbereich zu lĂ€ngeren Wartezeiten kommen. Das Unternehmen bietet kostenlose Umbuchungen bis zum 8. Februar an. Passagiere fĂŒr innerdeutsche FlĂŒge könnten ihr Ticket kostenlos in eine Bahn-Fahrkarte umtauschen, unabhĂ€ngig davon, ob ihr Flug stattfindet oder nicht.Â
Die LuftsicherheitskrĂ€fte sind etwa an den Kontrollen fĂŒr Passagiere, GepĂ€ck und Personal tĂ€tig. Ohne sie ist ein normaler Betrieb nicht möglich. Der Flugverkehr dĂŒrfte daher in weiten Teilen Deutschlands lahmgelegt werden. Verdi fordert fĂŒr die bundesweit rund 25 000 BeschĂ€ftigten unter anderem höhere GehĂ€lter.Â
FlughÀfen und Airlines nicht beteiligt
ADV-HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Ralph Beisel kritisierte das Vorgehen der Gewerkschaft scharf: «Die FlughĂ€fen sind in dieser Auseinandersetzung keine Tarifpartei, werden aber erneut zum Austragungsort fĂŒr den Interessenkonflikt. Der Flughafenverband ADV forderte die Gewerkschaft Verdi auf, eine Lösung am Verhandlungstisch zu suchen.» Die FluggĂ€ste brĂ€uchten VerlĂ€sslichkeit. «Fast tĂ€glich erleben wir in Deutschland mit StreikankĂŒndigungen zulasten der MobilitĂ€t und der Wirtschaft. Dem muss Einhalt geboten werden.»
AusstĂ€nde beginnen zu unterschiedlichen ZeitpunktenÂ
Die Arbeitsniederlegungen sollten in Köln/Bonn bereits am Mittwochabend um 21.00 Uhr beginnen, weil dort es dort kein Nachtflugverbot gibt. Verdi-Vertreter Ăzay Tarim sagte der Deutschen Presse-Agentur, man wolle ein deutliches Zeichen setzen. Die Arbeitgeber hĂ€tten sich in den Verhandlungen bisher «inakzeptabel» verhalten. «Wir werden jetzt mit BeschĂ€ftigten Druck ausĂŒben auf die Arbeitgeber, damit wir am Verhandlungstisch endlich weiterkommen.»
2,80 Euro pro Stunde mehr
In dem Tarifkonflikt fordert Verdi 2,80 Euro mehr Lohn pro Stunde, höhere Funktionszulagen und MehrarbeitszuschlĂ€ge ab der ersten Ăberstunde. Der neue Tarifvertrag soll eine Laufzeit von einem Jahr haben. Derzeit verdienen die Luftsicherheitsassistenten in der untersten Entgeltgruppe 20,60 Euro in der Stunde, was sich bei 160 Monatsarbeitsstunden auf ein Bruttogehalt von knapp 3300 Euro addiert. Dazu kommen ZuschlĂ€ge fĂŒr Nachtarbeit, Sonn- und Feiertage sowie Mehrarbeit. Die Forderung berĂŒcksichtige den Kaufkraftverlust durch die Inflation und beinhaltet einen Lohnzuwachs, erklĂ€rte Verdi.
Die Arbeitgeber vom Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen (BDLS) haben nach eigenen Angaben fĂŒr dieses Jahr 4 Prozent und fĂŒr das kommende Jahr 3 Prozent mehr Geld angeboten. Zudem sollen MehrarbeitszuschlĂ€ge zu einem frĂŒheren Zeitpunkt gezahlt werden als bislang. Die Forderungen von Verdi summierten sich auf 250 Millionen Euro zusĂ€tzliche Kosten allein in diesem Jahr, sagte eine BDLS-Sprecherin. Anders als von der Gewerkschaft behauptet sei aber nicht jede Lohnerhöhung ĂŒber die LuftsicherheitsgebĂŒhren refinanzierbar. Die Tarifverhandlungen sollen am 6. und 7. Februar in Berlin fortgesetzt werden. Eine weitere Runde noch im Februar ist ebenfalls bereits verabredet.
Immer wieder Streiks in der Infrastruktur
Die Menschen in Deutschland waren zuletzt immer wieder von AusstĂ€nden im Verkehrsbereich betroffen: In der vergangenen Woche hatten ein Bahnstreik und AusstĂ€nde bei der Lufthansa-Tochter Discover fĂŒr EinschrĂ€nkungen gesorgt. FĂŒr diesen Freitag ruft Verdi bundesweit zu Warnstreiks im öffentlichen Personennahverkehr auf. In der Luftsicherheit war es zuletzt im FrĂŒhjahr 2023 zu Warnstreiks gekommen - mit erheblichen Auswirkungen auf den Betrieb. Damals ging es um die Arbeitsbedingungen.
Arbeitgeber wollen Schlichtungsvereinbarung
Der BDLS beklagte die Streikkultur der Gewerkschaft. Offensichtlich wolle man sich an die Bahn- und Nahverkehrsstreiks anhĂ€ngen, um auf Kosten der Reisenden und Unternehmen utopische Forderungen durchzusetzen, erklĂ€rte VerhandlungsfĂŒhrer Frank Haindl laut Mitteilung. Die erneute Eskalation bestĂ€tige die Notwendigkeit einer Schlichtungsvereinbarung. Â


