ROUNDUPStopp, US-Auslandshilfen

Wer ist betroffen?

05.02.2025 - 10:12:20

In der Entwicklungszusammenarbeit sind die USA in vielen LĂ€ndern des Globalen SĂŒdens der grĂ¶ĂŸte Geldgeber - bisher.

Die abrupte Aussetzung der Hilfsgelder durch die Regierung von PrÀsident Donald Trump hat massive Auswirkungen in Krisen- und Konfliktregionen. Einige Beispiele:

Millionen TodesfĂ€lle in Afrika befĂŒrchtet

"Zwei bis vier Millionen zusĂ€tzlichen TodesfĂ€lle durch vermeidbare und behandelbare Krankheiten" - das könnte die Folge der US-Entscheidung sein, wie eine Berechnung der afrikanischen Gesundheitsbehörde CDC Africa ergeben hat. Finanzielle EngpĂ€sse könnten die Errungenschaften der vergangenen Jahre im Gesundheitsbereich zunichtemachen, schreibt CDC-Direktor Jean Kaseya in einem offenen Brief an die Afrikanische Union. FĂŒr die betroffenen Familien sei dies wiederum mit schweren wirtschaftlichen Konsequenzen verbunden. "GeschĂ€tzt 39 Millionen Menschen mehr wĂŒrden in Armut gestĂŒrzt und den Kontinent jĂ€hrlich Milliarden kosten - das ist nicht nur eine afrikanische Krise, es ist eine globale Krise im Entstehen", warnt Kaseya.

HIV-Programme in SĂŒdafrika in Gefahr

Mit einer der höchsten HIV-Infektionsraten weltweit gehört SĂŒdafrika seit mehr als zwei Jahrzehnten zu den grĂ¶ĂŸten EmpfĂ€ngern von Mitteln aus dem US-Aidshilfe-Programm Pepfar. Bislang wurden damit knapp 20 Prozent des sĂŒdafrikanischen HIV-Budgets und damit die medikamentöse Behandlung von 5,5 Millionen Menschen finanziert. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums sind rund 8,5 Millionen SĂŒdafrikaner - etwa 14 Prozent der Bevölkerung - mit dem Virus infiziert. Zudem seien nun die Stellen von rund 15.000 BeschĂ€ftigten im Gesundheitswesen bedroht, sagte Gesundheitsminister Aaron Motsoaledi.

Projekte in Konfliktregionen in Gefahr

Ob Syrien oder Gaza, Ukraine, Sudan oder Demokratische Republik Kongo: Das UN-NothilfebĂŒro OCHA sieht jetzt seine Projekte in diversen Krisen- und Konfliktregionen in Gefahr. In Gaza etwa hĂ€nge der Erfolg der Feuerpause auch vom Gelingen humanitĂ€rer Hilfslieferungen ab. In Syrien und dem Sudan seien durch die andauernden Konflikte Millionen FlĂŒchtlinge von UnterstĂŒtzung abhĂ€ngig, ebenso in der Ukraine. Könne die dringend notwendige Hilfe nicht mehr geleistet werden, drohe die Ausbreitung von Hunger und Krankheiten.

Ukraine stark betroffen - Gelder fĂŒr Wiederaufbau fallen weg

Die Ukraine ist von der Einstellung der USAID-Zahlungen mit am stĂ€rksten betroffen. Umgerechnet mehr als 2,5 Milliarden Euro an humanitĂ€rer Hilfe hat die US-Entwicklungsbehörde seit dem russischen Einmarsch nach ZĂ€hlung des Zentrums fĂŒr Oststudien in Warschau geleistet. Dazu kamen noch gut 4,8 Milliarden Euro an Entwicklungshilfe und mehr als 29 Milliarden Euro an US-Haushaltshilfen. Mehrere USAID-geförderte Entwicklungsprojekte beim Wiederaufbau von kritischer Infrastruktur unter anderem fĂŒr die Stromversorgung, aber auch beim Ausbau von GrenzĂŒbergĂ€ngen in die EU, sind demnach betroffen.

USA grĂ¶ĂŸtes Geberland fĂŒr Afghanistan

Seit der MachtĂŒbernahme der Taliban 2021 hat USAID gemeinsam mit anderen US-Behörden umgerechnet mehr als 3,57 Milliarden Euro an humanitĂ€rer Hilfe und EntwicklungsunterstĂŒtzung bereitgestellt. Das geht aus dem Ende Januar veröffentlichten Quartalsbericht des US-Generalinspekteurs fĂŒr den Wiederaufbau in Afghanistan (Sigar) hervor. Damit sind die USA das wichtigste Geberland fĂŒr Afghanistan. Rund 64 Prozent der Mittel stammen den Angaben nach von USAID und dem US-Außenministerium.

Ein Stopp der Hilfe wird gravierende Folgen fĂŒr die humanitĂ€re Lage, das Gesundheitssystem und die Wirtschaft des Landes haben. WĂ€hrend internationale Hilfe in den vergangenen Jahren weiter gekĂŒrzt wurde, sind laut UN-NothilfebĂŒro Ocha rund 22,9 Millionen Menschen - fast die HĂ€lfte der Bevölkerung - auf humanitĂ€re UnterstĂŒtzung angewiesen.

Projekte der MinenrÀumung in Kambodscha ausgesetzt

Das sĂŒdostasiatische Kambodscha gehört zu den am stĂ€rksten betroffenen LĂ€ndern mit nicht explodierten Kampfmitteln. 93 aktive Projekte bei der MinenrĂ€umung mĂŒssten nun pausieren, sagte der VizeprĂ€sident der dortigen Behörde fĂŒr MinenrĂ€umung, Ly Thuch, der "Khmer Times". Die USA hĂ€tten die RĂ€umung jĂ€hrlich mit etwa 10 Millionen Dollar unterstĂŒtzt. Betroffen seien auch mehr als 1000 Mitarbeiter, denen die Arbeitslosigkeit drohe. Die USA sind nach eigenen Angaben der weltweit grĂ¶ĂŸte UnterstĂŒtzer von Projekten zur RĂ€umung von Landminen und nicht explodierten SprengsĂ€tzen.

UN: Hilfe im Sudan grĂ¶ĂŸtenteils aus den USA

Der blutige Machtkampf im Sudan hat zu einer der grĂ¶ĂŸten humanitĂ€ren Krisen weltweit und zu Flucht und Vertreibung von mehr als zwölf Millionen Menschen gefĂŒhrt. Gut 25 Millionen Menschen haben nicht genug zu essen. "Ein Großteil der Hilfsgelder, auf die wir angewiesen sind, kommt aus den USA", zitierte die Aktivistenplattform Avaaz einen hohen UN-Beamten. Sollte die Finanzierung nicht wieder aufgenommen werden, drohe ein Zusammenbruch der UN-Arbeit in dem Krisenstaat. "Es wĂ€re einfach nicht machbar, weiterhin ernsthafte Hilfe im Sudan zu leisten."

Gravierende Folgen fĂŒr FlĂŒchtlinge in Myanmar

In Myanmar ist die Aussetzung der Hilfen schon zu spĂŒren: Im Grenzgebiet zu Thailand mussten seither mindestens acht KrankenhĂ€user schließen, die sich seit Jahrzehnten um Opfer der bewaffneten Konflikte in dem Vielvölkerstaat gekĂŒmmert hatten. Viele Patienten mĂŒssen wegen schwerer Verletzungen nach Artilleriebeschuss oder Luftangriffen behandelt werden. "Es ist grausam, die Hilfen ohne Vorwarnung einzustellen", so Ärztin Linn Nway Oo. Laut der US-Botschaft in dem sĂŒdostasiatischen Land leisteten die USA im Haushaltsjahr 2024 humanitĂ€re Hilfe in Höhe von umgerechnet 136 Millionen Euro.

Stromprojekt im Senegal in der Schwebe

Im westafrikanischen Senegal ist laut Premierminister Ousmane Sonko ein Projekt zur Verbesserung der Stromversorgung fĂŒr die 18 Millionen Einwohner betroffen. Mit den umgerechnet mehr als 480 Millionen Euro sollten unter anderem grĂŒne Energieversorgung ausgebaut und damit die Wirtschaft nachhaltig angekurbelt werden. Unklar war zunĂ€chst, wie viel des 2021 abgeschlossenen FĂŒnf-Jahres-Programms bereits ausgezahlt wurde.

Sonko betonte erneut, wie wichtig es fĂŒr afrikanische Staaten sei, sich von internationaler Finanzierung unabhĂ€ngig zu machen. "Wir können nicht weiterhin auf Hilfe von außen hoffen. Unsere Entwicklung muss in erster Linie von innen kommen."

@ dpa.de