Gebrauchtwagenpreise sinken - vor allem bei Stromern
20.05.2024 - 04:17:56Die Preise fĂŒr Gebrauchtwagen sinken wieder. Vor allem bei Elektroautos ist der Absturz drastisch, wie eine aktuelle Auswertung des Marktbeobachters DAT fĂŒr die dpa zeigt. Doch auch bei Verbrennern haben die sogenannten Restwerte deutlich nachgegeben, die anzeigen, wie viel vom ursprĂŒnglichen Listenneupreis noch ĂŒbrig ist.Â
Vergleicht man die aktuellen HĂ€ndlerverkaufswerte fĂŒr typische dreijĂ€hrige Elektroautos aus dem April mit denen des Vorjahreszeitraums, ergibt sich bei den Stromern ein Absturz um 18 Prozent. Auch Benziner und Diesel gaben deutlich nach, mit 7 und 5 Prozent aber weniger extrem. Insgesamt gebe es eine KaufzurĂŒckhaltung, stellt die DAT fest. Daher stehen die Autos wieder lĂ€nger auf den Höfen der HĂ€ndler, die deswegen die Preise senken. Die Fallgeschwindigkeit lasse inzwischen aber nach. «Wir gehen davon aus, dass der erste starke Abschwung vorbei ist und die Kurve jetzt eher abflacht», sagte ein Sprecher.Â
Dass der RĂŒckgang beim Diesel weniger stark ausgeprĂ€gt ist, fĂŒhrt er auf ein geringeres Angebot und eine höhere Nachfrage zurĂŒck. Dies fĂŒhrt dazu, dass der prozentuale Restwert beim Diesel im April den der Benziner ĂŒberholt - laut DAT zum ersten Mal seit 2015, dem Jahr des Dieselskandals.Â
Auch Verbrenner keine SchnÀppchen
SchnĂ€ppchen sind die gebrauchten Verbrenner dadurch aber noch lange nicht. In Folge von Corona- und Chipkrise waren ihre Preise zwischenzeitlich enorm angestiegen. Auch nach dem aktuellen RĂŒckgang liegen sie mit prozentualen Restwerten von 64,5 bei Benzinern und 64,6 bei Dieseln noch weit ĂŒber den Werten der Vor-Corona-Zeit, die sich typischerweise im Bereich um 55 Prozent plus minus einige Punkte bewegt hatten.
«Insgesamt haben wir im Gebrauchtwagenmarkt nach der Zeit des Mangels wieder normalere VerhĂ€ltnisse», sagt der VizeprĂ€sident des Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe, Thomas Peckruhn. «Das Angebot ist gröĂer und der Kunde muss nicht mehr jedes Auto kaufen.»Â
Bei Elektroautos kann man dagegen nicht von einer Normalisierung sprechen: Ihre prozentualen Restwerte liegen nach dem aktuellen Einbruch mit 50,7 deutlich unter dem Vor-Corona-Niveau, das Àhnlich wie bei den Verbrennern war.
Markt noch in den Kinderschuhen
Einen Boom bei gebrauchten Elektroautos werden die niedrigeren Restwerte eher nicht auslösen. Denn einerseits bezieht sich der Restwert immer auf den Listenneupreis vor Abzug von PrĂ€mien und Rabatten - und der ist bei den Stromern oft deutlich höher als bei vergleichbaren Verbrennern.Â
Zudem steckt der Markt noch in den Kinderschuhen: In den ersten vier Monaten des Jahres zĂ€hlte das Kraftfahrt-Bundesamt gut 44.000 Besitzumschreibungen von reinen Stromern - ein Anteil von zwei Prozent. Hintergrund ist, dass der Anteil von Elektroautos am deutschen Fahrzeugbestand mit knapp 3 Prozent noch relativ gering ist. Der GroĂteil ist zudem noch relativ jung und viele Autos sind in privater Hand. Beides fĂŒhrt dazu, dass der Markt fĂŒr gebrauchte Stromer wohl noch einige Zeit brauchen wird, um anzulaufen.Â
Und die Schere zwischen Stromern und Verbrennern könnte noch weiter aufgehen: «Aktuell sind die Restwerte im Verbrennerbereich wieder relativ stabil â insbesondere bei attraktiven Fahrzeugen», sagt Peckruhn. «Im Elektrobereich gibt es dagegen noch immer Druck.»


