Drittes Kriegsjahr in der Ukraine beginnt - Die Nacht im Ăberblick
25.02.2024 - 14:00:37 | dpa.deKriegstag seit dem Beginn der russischen Invasion. Auch in der Nacht zum Sonntag gab es wieder vielerorts Luftalarm. Die ukrainische Luftwaffe warnte zunĂ€chst vor allem im SĂŒden und Osten des Landes vor russischen Angriffen mit Raketen und Shahed-Drohnen, am frĂŒhen Sonntagmorgen dann auch im Zentrum des Landes und in der Region Kiew.
Russland will unterdessen eigenen Angaben zufolge in der Nacht erneut mehrere ukrainische Drohnenangriffe abgewehrt haben. Die Luftabwehr habe zwei Drohnen ĂŒber dem grenznahen russischen Gebiet Belgorod sowie vier weitere ĂŒber dem Schwarzen Meer abgefangen und zerstört, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau am Sonntagmorgen auf seinem Telegram-Kanal mit. Die Angaben lieĂen sich nicht unabhĂ€ngig prĂŒfen. Ăber mögliche SchĂ€den oder Opfer machte Moskau zunĂ€chst keine Angaben.
Tags zuvor hatten Politiker aus aller Welt bei Veranstaltungen in Kiew zum zweiten Jahrestag des Kriegsausbruchs ihre SolidaritĂ€t mit der Ukraine bekundet und Russland zur sofortigen Beendigung des Angriffskriegs aufgerufen. Auf russischer Seite verpuffte dieser Appell kommentarlos, die staatlich kontrollierten Medien ĂŒbergingen das Datum. An den Fronten herrschte weiterhin unverĂ€nderter Kriegsalltag.
In Kiew waren am Samstag zahlreiche westliche Politiker zu Besuch. Darunter war neben EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen auch die italienische MinisterprĂ€sidentin Giorgia Meloni als Vorsitzende der G7, der Gruppe der sieben fĂŒhrenden demokratischen Wirtschaftsnationen. Meloni hatte eine Videokonferenz der G7 mit dem ukrainischen PrĂ€sidenten Wolodymyr Selenskyj organisiert.
G7 bekrĂ€ftigen UnterstĂŒtzung der Ukraine
In ihrem Abschlussdokument bekrĂ€ftigten die G7-Nationen ihre weitere UnterstĂŒtzung fĂŒr die Ukraine in ihrem Abwehrkampf gegen die russischen Invasoren. Gleichzeitig wurde Moskau in der AbschlusserklĂ€rung aufgefordert, alle Truppen aus den besetzten Gebieten der Ukraine umgehend "vollstĂ€ndig und bedingungslos" abzuziehen. Der G7 gehören neben Deutschland und den USA auch Italien, Frankreich, Kanada, Japan und GroĂbritannien an.
Die G7 bekrĂ€ftigten ihr Bekenntnis zur dauerhaften Sicherheit der Ukraine. "Um der Ukraine zu helfen, stocken wir unsere sicherheitspolitische UnterstĂŒtzung fĂŒr das Land auf und bauen unsere Produktions- und LieferkapazitĂ€ten aus." Bei Fortdauer des Angriffskriegs gegen die Ukraine wollten die G7 den Druck auf Russland erhöhen. "Wir sind unverĂ€ndert entschlossen, unsere Sanktionen gegen Russland vollstĂ€ndig um- und durchzusetzen und bei Bedarf neue MaĂnahmen zu beschlieĂen", betonten die G7. Zudem warnten sie auch Russlands UnterstĂŒtzer: "Wir werden weiterhin gegen Akteure aus Drittstaaten vorgehen, die Russlands Krieg materiell unterstĂŒtzen."
AuĂenministerin Annalena Baerbock sagte der Ukraine anhaltende UnterstĂŒtzung mit Waffen und auf dem Weg in die EuropĂ€ische Union zu. Solange der russische PrĂ€sident Wladimir Putin nicht bereit sei, den Krieg zu stoppen, "unterstĂŒtzen wir euch jeden weiteren Tag" auch mit Waffenlieferungen, "die nicht nur zurĂŒckerobern, sondern die jeden Tag Menschenleben retten", sagte die GrĂŒnen-Politikerin am Samstag bei einem gemeinsamen Auftritt mit dem ukrainischen AuĂenminister Dmytro Kuleba in der sĂŒdukrainischen Hafenstadt Odessa. Die vergangenen zwei Jahre hĂ€tten gezeigt: "Keine Rakete, keine 731 Tage Bombenterror können den Freiheitswillen der Ukraine brechen.", sagte Baerbock. Wegen eines Raketenalarms mussten Baerbock und ihre Delegation am Samstagabend einen Schutzraum aufsuchen.
Kuleba: Westen hat wegen Zögern Mitschuld am Krieg
Kuleba warf Deutschland und dem Westen eine Mitschuld am Krieg durch zögerliches Verhalten vor. "Wenn Deutschland und der Westen nicht vom Beginn der ukrainischen UnabhĂ€ngigkeit auf die Ukraine ĂŒber das Prisma Russlands geschaut und uns in die EU und die Nato aufgenommen hĂ€tten, dann hĂ€tte es diesen Krieg nie gegeben." Ebenso seien Chancen vor dem Krieg vertan worden, Russland einzudĂ€mmen.
Kiew: Frontlage in der Ukraine "weiterhin schwierig"
Die Lage an den Fronten der Ukraine bleibt nach Ansicht des Generalstabs in Kiew "weiterhin schwierig". Im Laufe des Tages seien von den Frontlinien insgesamt 69 Kampfhandlungen gemeldet worden, hieà es am Samstagabend im tÀglichen Lagebericht, den das MilitÀr auf Facebook veröffentlichte. Zudem seien 54 Luftangriffe sowie 77 Angriffe aus Mehrfachraketenwerfern auf ukrainische Stellungen und Siedlungen registriert worden.
Die heftigsten KĂ€mpfe wurden demnach rund um die Ortschaft Awdijiwka im Osten ausgetragen, die ukrainische Truppen vor wenigen Tagen unter starkem russischem Druck aufgegeben hatten. Nach offiziell unbestĂ€tigten ukrainischen Medienberichten vom Samstagabend besetzten russische Truppen das Nachbardorf Lastotschkine. In der Region Saporischschja seien mehrere russische Angriffe abgewehrt worden, teilte der Generalstab in Kiew weiter mit. In der sĂŒdlichen Region Cherson seien mehrere russische Angriffe gegen ukrainische BrĂŒckenköpfe am Dnipro abgeschlagen worden. Die Angaben konnten zunĂ€chst nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒft werden.
Das wird am Sonntag wichtig
An den Fronten der Ukraine sind neue heftige KĂ€mpfe zu erwarten. Ein klarer Schwerpunkt war in den vergangenen Tagen nicht erkennbar.
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