Ministerium, FörderplÀne

Ministerium prĂ€sentiert FörderplĂ€ne fĂŒr neue Kraftwerke

11.09.2024 - 17:18:00

In Deutschland soll kĂŒnftig immer mehr Strom aus Wind und Sonne entstehen. Doch hier schwankt es nun mal. Und hier kommen nach dem Willen der Bundesregierung Gaskraftwerke ins Spiel.

  • Ziel ist es auch, die Stromversorgung fĂŒr Zeiten von wenig Wind und Sonne zusĂ€tzlich abzusichern. (Archivbild) - Foto: Christian Charisius/dpa

    Christian Charisius/dpa

  • Die Kraftwerke sollen kĂŒnftig einspringen, wenn der Strombedarf durch erneuerbare Energien nicht zu decken ist. (Archivbild) - Foto: Oliver Berg/dpa

    Oliver Berg/dpa

  • Das Stromsystem soll laut Wirtschaftsminister Robert Habeck fit gemacht werden fĂŒr hohe Anteile erneuerbarer Energien. (Archivbild) - Foto: Patrick Pleul/dpa

    Patrick Pleul/dpa

Ziel ist es auch, die Stromversorgung fĂŒr Zeiten von wenig Wind und Sonne zusĂ€tzlich abzusichern. (Archivbild) - Foto: Christian Charisius/dpaDie Kraftwerke sollen kĂŒnftig einspringen, wenn der Strombedarf durch erneuerbare Energien nicht zu decken ist. (Archivbild) - Foto: Oliver Berg/dpaDas Stromsystem soll laut Wirtschaftsminister Robert Habeck fit gemacht werden fĂŒr hohe Anteile erneuerbarer Energien. (Archivbild) - Foto: Patrick Pleul/dpa

Das Bundeswirtschaftsministerium treibt PlĂ€ne zur staatlichen Förderung neuer Gaskraftwerke und zur Modernisierung bestehender Anlagen voran. Die Kraftwerke sollen kĂŒnftig einspringen, wenn der Strombedarf durch erneuerbare Energien nicht zu decken ist. Außerdem soll die Umstellung auf klimafreundlicheren Wasserstoff gefördert werden. 

Stromsystem soll auf mehr Erneuerbare ausgerichtet werden

«So machen wir das Stromsystem fit fĂŒr hohe Anteile erneuerbarer Energien und sichern uns auch fĂŒr Zeiten von wenig Wind und Sonne zusĂ€tzlich ab», sagte Wirtschaftsminister Robert Habeck (GrĂŒne). Zu den Eckpunkten fĂŒr das neue Kraftwerkssicherheitsgesetz können Fachleute, VerbĂ€nde oder Unternehmen nun binnen sechs Wochen Stellung nehmen. 

So sollen zunĂ€chst KraftwerkskapazitĂ€ten im Umfang von 12,5 Gigawatt (GW) zur Förderung ausgeschrieben werden sowie 500 Megawatt (MW) an Langzeitspeichern. Die Gaskraftwerke sollen fĂŒr eine spĂ€tere Umstellung auf klimafreundlicheren Wasserstoff ausgestattet sein, zum Teil sollen auch reine Wasserstoffkraftwerke gefördert werden. 

Nach den Worten von FDP-Fraktionsvize Lukas Köhler wird mit der Kraftwerksstrategie die Grundlage geschaffen, «um auch in Zukunft jedes Unternehmen und jeden Haushalt in Deutschland jederzeit und bei jedem Wetter mit gĂŒnstiger Energie zu versorgen».

Was gefördert werden soll

Im Detail ist geplant, dass 5 GW an neuen wasserstofffĂ€higen Gaskraftwerken gefördert werden und 2 GW an wasserstofffĂ€higen Modernisierungen. SpĂ€testens ab dem achten Jahr nach Inbetriebnahme oder Modernisierung sollen diese mit «grĂŒnem» oder «blauem» Wasserstoff betrieben werden. «GrĂŒner» Wasserstoff wird mit Hilfe erneuerbarer Energien erzeugt, bei der Produktion «blauen» Wasserstoffs wird klimaschĂ€dliches CO2 eingefangen und unterirdisch gelagert.

Hinzu kommen 500 MW an reinen Wasserstoffkraftwerken, die sofort mit Wasserstoff laufen und 500 MW an Langzeitspeichern. Ferner geht es um eine FördersĂ€ule fĂŒr weitere 5 GW an neuen Gaskraftwerken - das Ministerium geht davon aus, dass auch diese wasserstofffĂ€hig gebaut werden. 

Gedacht ist das Ganze auch als Vorgriff auf den fĂŒr 2028 geplanten sogenannten KapazitĂ€tsmechanismus. Der soll kĂŒnftig die Stromversorgung wĂ€hrend Dunkelflauten absichern. Das sind ZeitrĂ€ume, in denen die Sonne nicht scheint und wenig Wind weht - und damit auch kaum Energie aus diesen Quellen erzeugt wird. Kraftwerksbetreiber wĂŒrden dann dafĂŒr honoriert, dass sie KapazitĂ€ten fĂŒr den Bedarfsfall bereithalten - selbst, wenn diese nur selten abgerufen werden. 

 «Neue Kraftwerke, die als Teil des zukĂŒnftigen KapazitĂ€tsmechanismus entstehen, dĂŒrften erst in der ersten HĂ€lfte der 2030er Jahre in Betrieb gehen», sagte StaatssekretĂ€r Philipp Nimmermann der Deutschen Presse-Agentur. «Neubauten und Modernisierungen nach dem Kraftwerkssicherheitsgesetz erwarten wir hingegen schon ab etwa 2030 im Markt.»

Wo vor allem neue Kraftwerke entstehen sollen

Neue Kraftwerke sollen vorrangig im «netztechnischen SĂŒden» gefördert werden. Damit meint das Ministerium die LĂ€nder Baden-WĂŒrttemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und das Saarland, die weiter entfernt sind von den großen Windparks Norddeutschlands. Das soll die StabilitĂ€t im Stromnetz erhöhen und Kosten senken, die entstehen, wenn Kraftwerke ihre Leistung anpassen mĂŒssen, um EngpĂ€sse im Stromnetz zu vermeiden (Redispatch). 

Der Sprecher der GeschĂ€ftsfĂŒhrung des ostdeutschen Übertragungsnetzbetreibers 50Hertz, Stefan Kapferer, mahnte: «Entscheidend ist, dass die Kraftwerke dort entstehen, wo sie das Stromnetz unterstĂŒtzen, also auch in Ostdeutschland. Allerdings ist jetzt schon klar: Die Mengen, die jetzt ausgeschrieben werden sollen, werden nicht reichen.»

Der energiepolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Michael Kruse, verlangte Tempo beim geplanten KapazitĂ€tsmarkt. «Anderenfalls laufen die Strompreise in Deutschland endgĂŒltig aus dem Ruder.» Hier macht auch der Verband der Chemischen Industrie (VCI) Druck. «Es ist offen, wie das Bereitstellen von Kraftwerksleistung vergĂŒtet werden soll – unabhĂ€ngig davon, ob sie am Ende gebraucht wird.» Solange nicht ausreichend neue Kraftwerke verfĂŒgbar seien, dĂŒrfe auch keine weitere gesicherte Leistung – etwa aus Kohlekraftwerken – mehr abgeschaltet werden. 

 

@ dpa.de