Ifo, Auftragsmangel

Ifo: Auftragsmangel im Wohnungsbau erreicht Rekordwert

06.02.2025 - 09:27:50 | dpa.de

In Deutschlands StÀdten steigen die Mieten trotz gesunkener Immobilienpreise, es fehlt an Wohnungen. Den Wohnungsbaufirmen jedoch fehlt es an AuftrÀgen.

  • Fast der HĂ€lfte der deutschen Wohnungsbaufirmen fehlen AuftrĂ€ge. - Foto: Carsten Hoefer/dpa
    Fast der HÀlfte der deutschen Wohnungsbaufirmen fehlen AuftrÀge. - Foto: Carsten Hoefer/dpa
  • Kanzler Scholz macht beim Baustoffhersteller Sto eine Farbenprobe. - Foto: Philipp von Ditfurth/dpa
    Kanzler Scholz macht beim Baustoffhersteller Sto eine Farbenprobe. - Foto: Philipp von Ditfurth/dpa
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Ein Ende der seit bald drei Jahren anhaltenden Krise des deutschen Wohnungsbaus ist nicht in Sicht. In der monatlichen Konjunkturerhebung des Ifo-Instituts klagten 57 Prozent der Wohnungsbaufirmen ĂŒber fehlende AuftrĂ€ge, so viele wie noch nie zuvor. Auch die Erwartungen der Unternehmen fĂŒr die nĂ€chsten Monate sind weiterhin mehrheitlich pessimistisch. «Die Krise im Wohnungsbau scheint inzwischen zum Normalzustand geworden zu sein», sagte Klaus Wohlrabe, der Leiter der Ifo-Umfragen. Die Zinssenkungen der EuropĂ€ischen Zentralbank hĂ€tten bisher zu keiner Entspannung der Situation gefĂŒhrt. 

Erwartungen fĂŒr die nĂ€chsten Monate wieder pessimistischer

Die Talfahrt der Wohnungsbaubranche hatte im FrĂŒhjahr 2022 begonnen, vor einem knappen Jahr ihren Tiefpunkt erreicht und sich seither trotz leichter Auf und Abs nicht mehr wesentlich verbessert. Der Ifo-Indikator fĂŒr das GeschĂ€ftsklima im Wohnungsbau lag im Januar im tiefroten Bereich bei minus 43,2 Punkten, wieder etwas schlechter als im Vormonat (-41,8). Zwar beurteilten die Unternehmen ihre aktuelle Lage im Saldo demnach etwas weniger pessimistisch als im Dezember, doch dafĂŒr sackten die GeschĂ€ftserwartungen fĂŒr die kommenden Monate wieder ab. 

Bundeskanzler Olaf Scholz zeigte sich bei einem Besuch des DĂ€mmstoff- und Farbenherstellers Sto im baden-wĂŒrttembergischen StĂŒhlingen zuversichtlich, dass die Rahmenbedingungen fĂŒr das Bauen bald vereinfacht werden. «Die Gesetze sind alle fertig», sagte der SPD-Politiker. «Und ich bin sicher, dass sie spĂ€testens nach der Bundestagswahl in einem relativ großen Konsens auch beschlossen werden, weil sie nicht umstritten sind.» 

Bedarf an neuen Wohnungen unverÀndert hoch

Zu der in etlichen Wohnungsbauunternehmen vorherrschenden Depression trĂ€gt maßgeblich bei, dass die mittlerweile schon chronisch schlechte Lage nicht auf mangelnden Bedarf an neuen Wohnungen zurĂŒckzufĂŒhren ist, sondern die Rahmenbedingungen, insbesondere die hohen Baukosten. «Es ist eine ziemliche Herausforderung, optimistisch zu bleiben», kommentierte Tim-Oliver MĂŒller, HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie. «Wir haben nicht ĂŒberall in Deutschland Wohnungsnot, wir haben Wohnungsnot in den großen StĂ€dten.» So seien im Jahr 2022 mehr als 75.000 Menschen nach Berlin gezogen, aber nur 15.000 Wohnungen gebaut worden. 

BefĂŒrchtung: Es geht weiter abwĂ€rts

«Die Diskrepanz zwischen einer sehr starken Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum und dem geringen Angebot birgt sozialen Sprengstoff», sagte MĂŒller. Nie erreichtes Ziel der gescheiterten Berliner Ampel-Koalition waren 400.000 neue Wohnungen im Jahr. 2023 wurden knapp 300.000 neue Wohnungen fertiggestellt. Einer Prognose des Ifo-Instituts und des europĂ€ischen Bauforschungsnetzwerks Euroconstruct vom August 2024 zufolge könnte diese Zahl bis 2026 auf unter 200.000 neu fertiggestellte Wohnungen abstĂŒrzen.

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