ROUNDUP, Wahlschlappe

Wahlschlappe fĂŒr Japans Regierungskoalition

20.07.2025 - 16:19:59

In Japan hat die Regierungskoalition von MinisterprĂ€sident Shigeru Ishiba bei der Oberhauswahl einen folgenschweren RĂŒckschlag erlitten.

Wie japanische Medien auf Basis von WĂ€hlerbefragungen nach Schließung der Wahllokale berichteten, verloren Ishibas Liberaldemokratische Partei (LDP) und ihr Juniorpartner Komeito deutlich an Sitzen.

Ishibas Koalition drohte der Verlust der Mehrheit, nachdem sie bereits bei der Wahl zum mÀchtigeren Unterhaus ihre Mehrheit verloren hatte und seither eine Minderheitsregierung stellt. Ishiba könnte als Partei- und Regierungschef in seiner LDP nun unter Druck geraten.

Der mit Deutschland zur G7-Gruppe gehörenden Wirtschaftsnation droht politische InstabilitĂ€t. Hintergrund der Wahlniederlage fĂŒr die Koalition ist laut Umfragen die Unzufriedenheit im Wahlvolk ĂŒber die steigenden Preise und die Einwanderungspolitik. Davon profitieren rechtspopulistische Kleinparteien wie die offen auslĂ€nderfeindliche Partei Sanseito. Sie konnte den Berichten zufolge bei der Oberhauswahl deutlich zulegen. Die grĂ¶ĂŸte Oppositionspartei, die Konstitutionelle Demokratische Partei Japans des frĂŒheren MinisterprĂ€sidenten Yoshihiko Noda, konnte demnach ebenfalls Mandate hinzugewinnen.

Experte hĂ€lt kĂŒnftigen Regierungswechsel fĂŒr möglich

Ishiba deutete in der Wahlnacht an, dass er im Amt bleiben will, auch wenn wichtige OppositionskrĂ€fte die Möglichkeit einer Koalition mit dem Regierungslager ausschlossen. "Ich möchte mir meiner eigenen Verantwortung bewusst sein, die Probleme richtig anzugehen". LDP-GeneralsekretĂ€r Hiroshi Moriyama sagte laut Medien, ein politisches Vakuum mĂŒsse vermieden werden.

"Auch wenn sich die Regierungskoalition jetzt noch an die Macht klammern kann, deutet viel darauf hin, dass sie bei der nĂ€chsten Unterhauswahl abgelöst werden wird", erklĂ€rte Axel Klein, Professor fĂŒr Politikwissenschaft an der UniversitĂ€t Duisburg-Essen, der Deutschen Presse-Agentur in Tokio. "Die WĂ€hlerschaft glaubt jetzt daran, dass die Opposition realistische Chancen auf eine RegierungsĂŒbernahme hat, und wird deshalb sehr viel eher bereit sein, bei der nĂ€chsten Wahl fĂŒr eine der Oppositionsparteien zu stimmen", sagte Klein.

AuslÀnder erstmals Wahlkampfthema

Die Sanseito ist dabei die erste Partei in Japan, die erfolgreich das Thema AuslĂ€nder in politische WĂ€hrung ummĂŒnzte. "Wie in anderen Demokratien auch gibt sich die xenophobe Partei nationalistisch, revisionistisch und populistisch und verspricht eine RĂŒckkehr zur guten alten Zeit", erlĂ€utert Experte Klein.

In Japan, das stolz auf seine homogene Gesellschaft ist, sind lediglich drei Prozent der 124 Millionen Einwohner AuslĂ€nder. Angesichts von ArbeitskrĂ€ftemangel infolge der Überalterung der Gesellschaft nimmt ihre Zahl jedoch stark zu. Im vergangenen Jahr stieg sie um 10,5 Prozent auf den Rekord von rund 3,8 Millionen. Die japanische Gesellschaft ist jedoch viel weniger auf den Zuzug vorbereitet als europĂ€ische Gesellschaften.

Japans Medien berichten vermehrt ĂŒber negative Seiten der Zuwanderung wie Missbrauch der nationalen Krankenversicherung und mehr VerkehrsunfĂ€lle. Hinzu kommt der Boom an auslĂ€ndischen Touristen. In Medien ist oft von rĂŒpelhaftem Verhalten die Rede. Immer mehr Japaner fĂŒhlen sich unwohl.

@ dpa.de