Indonesien: Weniger als 5 Prozent der Palmöl-Betriebe zertifiziert
22.06.2026 - 16:49:23 | boerse-global.de
Eine neue Studie der ETH Zürich belegt einen massiven Anstieg des Artensterbens, während in Indonesien nur ein Bruchteil der Betriebe nachhaltig zertifiziert ist.
Biodiversitätsverlust um 80 Prozent gestiegen
Forscher der ETH Zürich haben in der Fachzeitschrift Nature Food die Auswirkungen von Ölpflanzen auf die Artenvielfalt untersucht. Ihr Ergebnis: Ölpalme, Soja und Kokos sind für rund 1,5 Prozent des weltweiten Biodiversitätsverlusts verantwortlich. Seit Mitte der 1990er Jahre ist dieser Wert um 80 Prozent gestiegen.
Als Haupttreiber identifizieren die Wissenschaftler den steigenden Pro-Kopf-Konsum. Das Bevölkerungswachstum spiele dagegen eine untergeordnete Rolle. Besonders deutlich wird die Verantwortung der Industrienationen: Die EU, China und die USA verursachen mehr als 80 Prozent der ökologischen Schäden – verlagert in die Anbauregionen.
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Indonesien: Zertifizierungsquote unter fünf Prozent
In Indonesien, dem weltweit größten Palmölproduzenten, klafft eine enorme Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Laut der nationalen Normungsbehörde BSN sind weniger als fünf Prozent der Palmöl-Akteure nach dem nationalen ISPO-Standard zertifiziert. Das betrifft eine Anbaufläche von rund 16 Millionen Hektar – fast die Hälfte davon wird von Kleinbauern bewirtschaftet.
Der Druck steigt: Die EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) verschärft die Anforderungen an Rückverfolgbarkeit und Nachhaltigkeitsnachweise. Zwar melden indonesische Behörden Fortschritte – 883 Unternehmen und 52 Kooperativen seien zertifiziert, zudem fließen Milliarden Rupiah in die Plantagenerneuerung. Doch die geringe Gesamtabdeckung bleibt ein massives Hindernis für den Zugang zum europäischen Markt.
Lebensmitteleinzelhandel lässt Potenzial liegen
Auch in Europa hapert es mit der Nachhaltigkeit. Eine Studie des German Institute of Development and Sustainability (IDOS) zeigt: Der Lebensmitteleinzelhandel nutzt seine Schlüsselposition als Nachhaltigkeitstreiber nicht aus.
Discounter wie Lidl und Aldi Süd gehen bei Umweltthemen voran. Vollsortimenter wie Edeka und Rewe punkten eher bei regionaler Beschaffung. Besonders viel Potenzial sehen die Forscher bei Eigenmarken – sie sind oft strenger zertifiziert als Markenprodukte. Dennoch bleibt ein erheblicher Teil des Einflusses auf globale Lieferketten ungenutzt.
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Nachfrage bleibt stabil – Herausforderung Kleinbauern
Trotz aller Bedenken: Die Nachfrage nach Palmöl reißt nicht ab. Die Organisation RSPO (Roundtable on Sustainable Palm Oil) betont, Europa sei seit fast zwei Jahrzehnten die treibende Kraft hinter nachhaltigen Lieferketten. Der globale Konsum steigt weiter.
Indonesien setzt derweil auf Wertschöpfung im eigenen Land: Biodiesel-Mischungen wie B35 werden gefördert, Tests für B40 laufen. Die größte Hürde bleibt die Integration von Millionen Kleinbauern in zertifizierte Systeme. Ohne sie dürfte der europäische Markt für viele indonesische Produzenten auf absehbare Zeit verschlossen bleiben.
