Industriekrise: BDI senkt Wachstumsprognose auf 0,4 Prozent
23.06.2026 - 17:27:18 | boerse-global.de
Produktionszahlen sinken, die Kosten steigen – und die Unternehmen fordern radikale Reformen.
Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hat seine Wachstumsprognose für 2026 kräftig nach unten korrigiert: Statt 1,0 Prozent erwarten die Verbände nur noch ein Mini-Plus von 0,4 Prozent. Auch für den Euroraum sieht es mit 0,7 Prozent mau aus.
BDI-Präsident Peter Leibinger spricht Klartext: Die Industrieproduktion brach im ersten Quartal im Vergleich zum Vorquartal um 1,0 Prozent ein, zum Vorjahreszeitraum sogar um 2,8 Prozent. Seine Forderung: ein umfassendes Reformpaket mit Steuerentlastungen, schnelleren Genehmigungen und weniger Bürokratie. Die SPD hat bereits Reformen in Aussicht gestellt.
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Brandbrief aus der Chemiebranche
Rund 30 Schwergewichte der Industrie – darunter BASF, Covestro, Lanxess, Evonik und Wacker – haben einen Brandbrief nach Brüssel geschickt. Adressaten: EU-Ratspräsident Costa und Ratsvorsitzender Christodoulides.
Ihr Vorwurf: Die geplanten Verschärfungen im EU-Emissionshandel (ETS) treiben die Energiepreise weiter in die Höhe. Das gefährde die Existenz vieler Betriebe.
Parallel dazu kritisierte die Kunststoffindustrie auf dem Branchendialog des Verbands Pro-K in Frankfurt die geplante Verpackungsverordnung (PPWR) als überbürokratisiert. Vertreter von Plastics Europe, dem GKV und dem WWF diskutierten über die Transformation zur Kreislaufwirtschaft. Ihr zentraler Punkt: Die Industrie müsse frühzeitig in Gesetzgebungsprozesse eingebunden werden.
Elektrifizierung als Rettungsanker?
Trotz der düsteren Aussichten setzen viele Konzerne auf die Zukunft. Über 100 Unternehmen – darunter Siemens, IKEA und Coca-Cola – haben sich für eine Beschleunigung der Elektrifizierung ausgesprochen. Ihr Ziel: Bis 2035 soll Strom rund 35 Prozent des Endenergieverbrauchs decken.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche forderte auf dem Tag der Industrie in Berlin einen konsequenten Einsatz von Künstlicher Intelligenz für Industrieprozesse. Nur so könne Deutschland verlorene Wettbewerbsfähigkeit zurückgewinnen. Sie verlangte zudem einen schnelleren Ausbau der Stromnetze und Rechenzentren sowie günstigere Energiepreise.
Nordrhein-Westfalen drängt beim Wasserstoff aufs Tempo. Ministerpräsident Hendrik Wüst übergab der EU-Kommission Handlungsempfehlungen für ein europäisches Wasserstoffnetz, Kostensenkungen und klare Importstrategien.
Lichtblicke in einzelnen Branchen
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Die Elektroindustrie zeigt erste Erholungstendenzen. Der Fachverband ZVEI prognostiziert für 2026 ein Wachstum von 2,0 Prozent.
In der Stahlproduktion fordern der bvse und die CMA eine Reform des EU-Green-Steel-Labels. Statt einer Bewertung nach Produktionsrouten plädieren sie für eine Einstufung nach dem tatsächlichen CO2-Fußabdruck. Nur so würden Recyclingverfahren nicht benachteiligt.
Trotz des schwierigen Umfelds gab es auch Grund zur Freude: In Rheinland-Pfalz erhielt die Vision Electric Super Conductors GmbH den Innovationspreis des Landes für ihre Arbeit an supraleitenden Systemen. Zehn Absolventen der Kunststofftechnik wurden mit dem Günter-Schwank-Preis ausgezeichnet.
