Innerdeutsche Flüge: Verband fordert Subventionen für Regionalstrecken
Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 11:35 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDer Bundesverband der Deutschen Fluggesellschaften (BDF) schlägt vor, dass Länder und Regionen einzelne innerdeutsche Flugverbindungen subventionieren, um die Anbindung an internationale Drehkreuze zu sichern.
Verbindungen in mehreren Regionen unter Druck
Teures Kerosin und hohe staatliche Gebühren hätten viele Passagierflüge zu kleinen und mittleren Flughäfen unwirtschaftlich gemacht, erklärte der Verband. Konkrete Strecken nannte der BDF nicht.
Als Beispiel verwies der Verband auf Bremen, wo die Lufthansa die Verbindung nach Frankfurt zwischenzeitlich eingestellt hatte. Auch in Dresden und Münster/Osnabrück stehe die Anbindung an internationale Drehkreuze unter Druck. In Paderborn sei der Versuch gescheitert, die Verbindung nach München wiederzubeleben.
165 geförderte Strecken in der EU
Nach Angaben des BDF gibt es in der Europäischen Union derzeit 165 geförderte Strecken im Rahmen sogenannter Public Service Obligations (PSO). Vor allem Frankreich, Spanien, Italien und Griechenland unterstützten Flüge in abgelegene Regionen und zu Inseln.
In Deutschland wurde die letzte geförderte Strecke zwischen Erfurt und München im Dezember 2011 eingestellt. Eine Verbindung von Linz nach Frankfurt wird den Angaben zufolge von österreichischen Steuerzahlern mitfinanziert.
Weniger Sitze auf innerdeutschen Strecken
Innerdeutsche Flüge stehen wegen ihrer Umweltfolgen besonders in der Kritik. Nach Angaben des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft ist die Zahl der angebotenen Sitzplätze auf innerdeutschen Verbindungen im Vergleich zur Zeit vor der Corona-Pandemie um rund die Hälfte zurückgegangen.
Die Luftfahrtbranche macht vor allem stark gestiegene staatliche Gebühren für die langsame Erholung des Luftverkehrs in Deutschland verantwortlich. Die Bundesregierung hatte zuletzt die letzte Erhöhung der Luftverkehrsteuer größtenteils wieder zurückgenommen.
Regionale Anbindung als Standortfrage
Der Vorschlag zielt auf Flughäfen, deren Linienangebot für die lokale Wirtschaft wichtig sein kann, sich bei geringer Nachfrage aber nicht allein aus Ticketerlösen trägt. Eine öffentliche Förderung würde diese Verbindungen als Infrastrukturaufgabe behandeln. In der Europäischen Union ist dafür mit den Public Service Obligations bereits ein rechtlicher und organisatorischer Rahmen etabliert.
Die Debatte steht zugleich im Spannungsfeld zwischen Erreichbarkeit und Klimaschutz. Innerdeutsche Flüge verursachen auf vielen Relationen erhebliche Emissionen, während Bahnverbindungen eine Alternative sein können. Für abgelegene Regionen, Inseln oder zeitkritische Geschäftsreisen ist der Ersatz durch die Schiene jedoch nicht überall gleichwertig.
Höhere Kosten, weniger Angebot
Die wirtschaftliche Ausgangslage hat sich seit der Corona-Pandemie verschärft. Steigende Kerosin-, Personal- und Betriebskosten sowie staatliche Abgaben verteuern den Flugbetrieb; zugleich bleibt die Nachfrage auf manchen Regionalstrecken zu gering für einen rentablen Betrieb. Nach aktuellen Branchenangaben haben sich die durchschnittlichen Ticketpreise ab Deutschland zwischen 2010 und 2024 ungefähr verdoppelt, während sich Drehkreuz- und Umsteigestrukturen zulasten deutscher Flughäfen verschoben haben.
Für Länder und Regionen stellte sich damit nicht nur die Frage nach einzelnen Flugstrecken, sondern auch nach der Priorität öffentlicher Mittel. Eine Förderung könnte internationale Anschlüsse sichern, müsste aber gegen Kosten, Klimaeffekte und den Ausbau alternativer Bahnverbindungen abgewogen werden.
