ISO 20022: Zahlungsstandard wird ab November 2026 verpflichtend
26.06.2026 - 06:48:59 | boerse-global.de
Ab 2029 wird das Peppol-Netzwerk zum zentralen Standard für die elektronische Rechnungsstellung.
Die britische Steuerbehörde HMRC gab am 23. Juni bekannt, dass Peppol als fundamentales Interoperabilitätsnetzwerk für die kommende E-Rechnungspflicht ausgewählt wurde. Unternehmen müssen ihre Rechnungslegungsprozesse bis 2029 schrittweise anpassen.
Flexibilität für bestehende Systeme
Trotz der Festlegung auf Peppol gewährt die Regierung eine gewisse Flexibilität. Bestehende Verbindungen für den elektronischen Datenaustausch (EDI) können weiter genutzt werden. Voraussetzung: Die Interoperabilität gemäß der europäischen Norm EN 16931 muss gewährleistet bleiben.
Peppol wird bereits in Ländern wie Singapur, Australien, Japan und Belgien genutzt. Marktbeobachter werten den Schritt als Signal für internationale Harmonisierung.
Ab April 2028 müssen kleine Unternehmen zudem ihre Gewinn- und Verlustrechnungen im iXBRL-Format einreichen. Grundlage ist der Economic Crime and Corporate Transparency Act (ECCTA).
Europäische Nachbarn ziehen nach
Auch andere europäische Länder forcieren digitale Standards. In Dänemark schloss die Konsultation zum Übergang auf den Peppol-basierten Standard NemHandel BIS 4 ab. Die vollständige Migration ist bis Mitte 2029 geplant. Dänische Wirtschaftsvertreter äußerten Bedenken hinsichtlich potenzieller Funktionsverluste und Umstellungskosten.
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Kroatien zeigt bereits die praktische Umsetzung: Das System „Fiscalization 2.0“ ist seit Jahresbeginn 2026 in Betrieb. In den ersten 13 Tagen wurden 1,6 Millionen E-Rechnungen verarbeitet. Ab 2027 wird die Pflicht auf Unternehmen ohne Mehrwertsteuerpflicht ausgeweitet.
Globale Expansion und technische Fristen
Auf der Peppol-Konferenz in Brüssel schlossen das Dubai-Unternehmen Casim und die schwedische Xero-Tochter Tickstar eine exklusive Partnerschaft. Ziel ist die Expansion in den Markt der Vereinigten Arabischen Emirate. Casim agiert dort als vorab genehmigter Anbieter für das E-Invoicing-System.
Der Finanzsektor steht vor weiteren Umstellungen. Ab November 2026 wird der Standard ISO 20022 für grenzüberschreitende Zahlungen verpflichtend. Nicht konforme Transaktionen werden dann abgelehnt. Branchenexperten warnen, dass viele Unternehmen noch unzureichend vorbereitet sind.
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Deutschland setzt auf Verwaltungsmodernisierung
Während international die E-Rechnung im Fokus steht, konzentriert sich die deutsche Politik auf die Modernisierung der Verwaltungskommunikation. Am 25. Juni verabschiedeten Bund und Länder die „Föderale Modernisierungsagenda“. Sie sieht vor, die Schriftform bei Behördengängen durch einfache elektronische Dokumente per E-Mail zu ersetzen.
Der IT-Planungsrat einigte sich zudem auf Kernkomponenten eines „Deutschland-Stacks“. Dazu gehören die EUDI-Wallet und das System FIT-Connect. Eine digitale Brieftasche für Bürger soll ab 2027 zur Verfügung stehen.
Der Bund hat laut Bitkom-Erhebungen bereits einen Großteil seiner Modernisierungsprojekte angeschoben. Die Kommunen weisen jedoch auf Herausforderungen durch hohe Kosten und Abhängigkeiten von Softwareherstellern hin.
