Vereinte, Nationen

Vereinte Nationen: Von Israel eingesetzte Bomben verletzen Kriegsrecht

19.06.2024 - 09:50:25

Israel hat im Gaza-Krieg nach EinschĂ€tzung des UN-MenschenrechtsbĂŒros beim Einsatz von prĂ€zisionsgelenkten Bomben nicht genĂŒgend auf die Schonung von Zivilisten geachtet.

"Das Gebot, Mittel und Methoden der KriegsfĂŒhrung so zu wĂ€hlen, dass zivile SchĂ€den vermieden oder zumindest so gering wie möglich gehalten werden, wurde bei der israelischen Bombenkampagne offenbar konsequent verletzt", teilte der UN-Hochkommissar fĂŒr Menschenrechte, Volker TĂŒrk, am Mittwoch in Genf mit.

Das BĂŒro hat sechs israelische Angriffe zwischen dem 9. Oktober und dem 2. Dezember 2023 im Gazastreifen untersucht. Es geht davon aus, dass dabei Bomben der Typen GBU-31, GBU-32 und GBU-39 zum Einsatz kamen, die durch Beton dringen und mehrere Etagen eines GebĂ€udes zerstören können. Damit seien WohnhĂ€user, eine Schule, ein FlĂŒchtlingslager und ein Markt angegriffen worden. Dabei seien mindestens 218 Menschen getötet worden. Bei einem Angriff mit vermutlich neun GBU-31-Bomben am 2. Dezember habe die Zerstörung einen Kreis mit 130 Metern Durchmesser betroffen. Darin seien 15 WohnhĂ€user zerstört und 14 weitere beschĂ€digt worden.

Nach dem Kriegsrecht, einem Teil des humanitĂ€ren Völkerrechts, mĂŒssen zivile Einrichtungen bei Angriffen möglichst verschont werden. Wenn dort KĂ€mpfer vermutet werden, muss abgewogen werden, ob die SchĂ€den der eingesetzten Mittel nicht grĂ¶ĂŸer sind als die erhofften Ziele. Die Tatsache, dass sich einer oder mehrere Terroristen oder Beteiligte an den Massakern in Israel am 7. und 8. Oktober in einem GebĂ€ude aufhalten, mache nicht eine ganze Nachbarschaft zum legitimen Ziel eines Angriffs, heißt es in dem Bericht.

"Israels Methoden und Mittel, die es seit dem 7. Oktober im Gazastreifen einsetzt, einschließlich des umfangreichen Einsatzes von Explosivwaffen mit großflĂ€chiger Wirkung in dicht besiedelten Gebieten, haben nicht gewĂ€hrleistet, dass sie wirksam zwischen Zivilisten und KĂ€mpfern unterscheiden", heißt es in dem Bericht. Es könne sich auch um Verbrechen gegen die Menschlichkeit handeln.

Der Bericht kritisiert auch bewaffnete palĂ€stinensische Gruppen, die Projektile auf Israel abfeuern, die Zivilisten treffen können. Das UN-BĂŒro fĂŒr Menschenrechte erinnert daran, dass militĂ€risches Material oder Personen nicht in dicht bevölkerten Gebieten stationiert werden sollen.

Israel kritisiert das UN-MenschenrechtsbĂŒro und TĂŒrk regelmĂ€ĂŸig, weil es nach Ansicht der Regierung die Hamas-Verbrechen nicht in gleicher Weise verurteilt.

@ dpa.de