ROUNDUP, Israel

Israel ĂŒbt Vergeltung gegen den Iran - Wie reagiert Teheran?

26.10.2024 - 07:05:12

Israel hat kurz vor der US-PrÀsidentenwahl zum Vergeltungsschlag auf den Iran ausgeholt.

Man fĂŒhre "als Reaktion auf die seit Monaten andauernden Angriffe des iranischen Regimes" auf Israel prĂ€zise Angriffe auf militĂ€rische Ziele im Iran durch, teilte das MilitĂ€r in der Nacht mit. Nach etwa fĂŒnf Stunden mehrerer Angriffswellen erklĂ€rte die israelische Armee den Schlag am Morgen fĂŒr beendet. Die "Mission" sei erfĂŒllt. Irans MilitĂ€r ist bereit, zurĂŒckzuschlagen. "Es besteht kein Zweifel daran, dass Israel auf jede Aktion eine angemessene Antwort erhalten wird", zitierte die Nachrichtenagentur Tasnim eine anonyme Quelle aus der Staatsmacht. Tasnim gilt als Sprachrohr der Revolutionsgarden, Irans Elitestreitmacht. Israels Luftangriff erfolgte ĂŒber eine Distanz von etwa 1500 Kilometern.

Es ist der erste bekannte groß angelegte Angriff einer fremden Macht im Iran seit dem ersten Golfkrieg zwischen der Islamischen Republik und dem Irak in den 1980er Jahren. Laut dem israelischen MilitĂ€r griffen Kampfflugzeuge Anlagen zur Herstellung von Raketen an. Auch Boden-Luft-Raketenstellungen sowie weitere iranische Luftabwehrsysteme seien attackiert worden. "Hunderte Kampfflugzeuge und Flugkörper" seien beteiligt gewesen, berichtete die israelische Nachrichtenseite "Ynet". Iranische Medien berichteten von Explosionen im Raum der Hauptstadt Teheran, in der 15 bis 20 Millionen Menschen leben. Am frĂŒhen Morgen waren auch Explosionen im Stadtzentrum zu hören und Feuer der Luftabwehr zu sehen.

Unklar war, welche Ziele getroffen wurden. Iranische Medien meldeten am Morgen zunĂ€chst "begrenzte SchĂ€den" an MilitĂ€rstĂŒtzpunkten. Es gibt bislang keine Berichte ĂŒber Opfer. Der Luftraum wurde laut Irans Staatsmedien gesperrt. Alle FlĂŒge seien gestrichen, meldete die Nachrichtenagentur Irna unter Berufung auf einen Sprecher der zivilen Luftfahrtbehörde. Israels Gegenschlag erfolgte in Reaktion auf die jĂŒngste iranische Raketenattacke.

Israel macht Drohung wahr

Am 1. Oktober hatten die Revolutionsgarden, Irans Elitestreitmacht, rund 200 ballistische Raketen auf Israel abgefeuert. Der Angriff erfolgte nach einer Reihe von gezielten Tötungen durch Israel, die sich gegen zentrale Akteure in Irans Netzwerk nichtstaatlicher VerbĂŒndeter wie der libanesischen Hisbollah-Miliz und der islamistischen Hamas richteten. Israel hatte daraufhin Vergeltung angekĂŒndigt. Generalstabschef Herzi Halevi leite den Angriff von der unterirdischen Kommandozentrale der Luftwaffe aus dem MilitĂ€rhauptquartier in Tel Aviv zusammen mit dem Kommandeur der israelischen Luftwaffe, Tomer Bar, teilte die Armee mit.

Der Angriff begann wĂ€hrend des jĂŒdischen Ruhetags Sabbat. Die hohen jĂŒdischen Feiertage waren am Donnerstagabend zu Ende gegangen. Welche Ziele getroffen wurden, war zunĂ€chst unklar. Ein israelischer Beamter erklĂ€rte dem US-Sender NBC News, Israel greife keine Atomanlagen oder Ölfelder im Iran an. "Wir zielen auf Dinge, die uns in der Vergangenheit bedroht haben oder in der Zukunft bedrohen könnten", sagte er. Laut dem israelischen MilitĂ€r handelt es sich um "prĂ€zise Angriffe auf militĂ€rische Ziele im Iran". Laut US-Medien sind die amerikanischen StreitkrĂ€fte in der Region nicht an dem Angriff beteiligt.

SchlĂ€gt der Iran zurĂŒck?

ZunÀchst hatten die iranischen Staatsmedien den israelischen Angriff als harmlos dargestellt. Der staatliche Rundfunk berichtete, GerÀusche von Explosionen im Westen der Hauptstadt Teheran seien durch Luftabwehr ausgelöst worden. Irans Revolutionsgarden hatten in den vergangenen Tagen immer wieder betont, entschieden auf einen Angriff reagieren zu wollen. Israels Armeesprecher Daniel Hagari warnte den Iran nach Ende des Schlags vor weiterer Eskalation. "Sollte das Regime im Iran den Fehler begehen, eine neue Eskalationsrunde einzuleiten, sind wir verpflichtet, darauf zu reagieren", sagte Hagari am Morgen.

Irans MilitĂ€r arbeitete laut einem Medienbericht an mehreren Angriffsszenarien. Sollten Israel massiv angreifen und beispielsweise auch die Öl- und Nuklearanlagen des Landes ins Visier nehmen, werde die Reaktion heftig ausfallen, berichtete die "The New York Times" unter Berufung auf vier iranische Beamte, darunter zwei Mitglieder der Revolutionsgarden.

Der Iran könnte bis zu 1.000 ballistische Raketen auf den erklĂ€rten Erzfeind abfeuern, die Angriffe verbĂŒndeter Milizen in der Region noch ausweiten und den Schiffsverkehr im Persischen Golf und der Straße von Hormus stören. Die USA stationierten vor diesem Hintergrund eine Batterie des Raketenabwehrsystems THAAD in Israel. Bereits im vergangenen Jahr hatten die USA eine Batterie des THAAD-Systems in die Region verlegt.

Berichte: USA nicht an Angriff beteiligt

Israel habe seinen wichtigsten VerbĂŒndeten USA vorab informiert, meldeten derweil US-Medien. US-PrĂ€sident Joe Biden wurde von seinem Sicherheitsberater-Team ĂŒber die Angriffe Israels auf den Iran unterrichtet. Biden verfolge die Situation weiter, berichteten mit Biden mitreisende Journalisten. Der israelische Generalstabschef Herzi Halevi leite den Angriff von der unterirdischen Kommandozentrale der israelischen Luftwaffe aus dem MilitĂ€rhauptquartier in Tel Aviv zusammen mit dem Kommandeur der israelischen Luftwaffe, Tomer Bar, erklĂ€rte die Armee.

Israels Kabinett hatte den Vergeltungsschlag örtlichen Medienberichten zufolge kurz vor dem Angriff autorisiert. Eine entsprechende Telefonkonferenz mit Regierungschef Benjamin Netanjahu und Verteidigungminister Joav Galant habe am Freitagabend stattgefunden, berichtete die Zeitung "Haaretz". Die Minister seien in den vergangenen Tagen ĂŒber den Rahmen des offensichtlichen Angriffsplans informiert worden, hieß es. Nach Beginn des Angriffs hielt Netanjahu nach Angaben seines BĂŒros eine Lageberatung im MilitĂ€rhauptquartier in Tel Aviv ab. An dem Treffen im unterirdischen Kommandozentrum der israelischen Luftwaffe seien auch Generalstabschef Halevi, Verteidigungsminister Galant sowie die Chefs der Geheimdienste Mossad und Schin Bet beteiligt gewesen.

Israel: Haben das Recht zu reagieren

"Wie jedes andere souverĂ€ne Land der Welt hat der Staat Israel das Recht und die Pflicht zu reagieren", erklĂ€rte das israelische MilitĂ€r am Samstagmorgen. Israel werde es dem Iran nicht erlauben, "sich weiter hinter seinen Stellvertretern zu verstecken", schrieb Israels UN-Botschafter Danny Danon auf der Plattform X. Israel habe der internationalen Gemeinschaft gegenĂŒber immer wieder deutlich gemacht, "dass wir alle uns zur VerfĂŒgung stehenden Mittel einsetzen werden, um die BĂŒrger Israels zu schĂŒtzen", schrieb Danon weiter.

Seit Beginn des Gaza-Kriegs vor mehr als einem Jahr kommt es immer wieder zu Angriffen der sogenannten "Widerstandsachse" von VerbĂŒndeten des Irans auf Israel. Dazu gehören neben der Hisbollah im Libanon und der Hamas im Gazastreifen auch Milizen im Irak sowie die Huthi-Rebellen im Jemen. Nach Beginn des Vergeltungsschlags gegen den Iran erklĂ€rte das israelische MilitĂ€r am Morgen, die defensiven und offensiven FĂ€higkeiten seien voll mobilisiert. "Wir werden alles Notwendige tun, um den Staat Israel und das israelische Volk zu verteidigen." Es gebe aber derzeit keine besonderen Anweisungen des Zivilschutzes.

Unterdessen gab es nach Beginn des israelischen Vergeltungsschlags im Norden Israels erneut Raketenalarm. Die israelische Armee teilte mit, in der KĂŒstenstadt Naharija und umliegenden Gebieten heulten die Warnsirenen. Es gab zunĂ€chst keine Berichte ĂŒber mögliche Opfer. Die mit dem Iran verbĂŒndete Hisbollah beschießt Israel seit Beginn des Gaza-Krieges vor einem Jahr. Israel antwortete mit massiven Luftangriffen und inzwischen auch einer Bodenoffensive. Derweil geht Israel im Libanon weiter gegen die Hisbollah vor.

@ dpa.de