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Israel beschließt Ausweitung der Angriffe in Gaza

05.05.2025 - 06:00:02

Israel will seine Offensive im Gazastreifen gegen die islamistische Hamas noch weiter verschÀrfen.

Dies sei bei einer Sitzung des Sicherheitskabinetts um MinisterprÀsident Benjamin Netanjahu einstimmig beschlossen worden, berichteten verschiedene israelische Medien in der Nacht unter Berufung auf hochrangige Beamte. Ziel ist es, den Druck auf die Hamas zu erhöhen, um die Freilassung weiterer Geiseln zu erzwingen.

Es werde erwartet, dass dieser Plan erst nach dem Besuch von US-PrĂ€sident Donald Trump in der Region in der nĂ€chsten Woche umgesetzt werde, berichtete die "Times of Israel". Bis dahin wĂŒrden Anstrengungen unternommen, um eine Vereinbarung mit der Hamas ĂŒber eine Waffenruhe und ein Geiselabkommen zu erreichen.

Zudem habe das Sicherheitskabinett einen Plan zur Wiederaufnahme von Hilfslieferungen in den Gazastreifen gebilligt, hieß es weiter. Zugleich sei der Mechanismus ĂŒberarbeitet worden, um die Abzweigung von GĂŒtern durch die Hamas zu minimieren.

Laut israelischen Medienberichten hatte Netanjahu bereits zuvor grĂŒnes Licht fĂŒr die Vorbereitungen einer verstĂ€rkten MilitĂ€roffensive gegeben. Der israelische Generalstabschef Ejal Zamir bestĂ€tigte die bereits beschlossene massive Mobilisierung von Reservisten fĂŒr eine Ausweitung der Angriffe im Gaza-Krieg. "Diese Woche versenden wir Zehntausende Einberufungsbefehle an unsere Reservisten, um unsere Operation im Gazastreifen zu verstĂ€rken und auszuweiten", sagte der MilitĂ€rchef bei einem Besuch in einer Marinebasis sĂŒdlich von Haifa.

Reservisten sollen regulÀre Truppen ablösen

Nach Angaben des Nachrichtenportals "ynet" sollen einige Reservisten regulĂ€re Truppen ablösen, die aktuell an der Nordgrenze oder im Westjordanland stationiert sind. Diese Einheiten sollen dann in den Gazastreifen verlegt werden. FĂŒr manche Reservisten ist es bereits der siebte Einsatz seit Beginn des Krieges.

Nach einer fast zweimonatigen Waffenruhe hatte die israelische Armee ihre Angriffe im Gazastreifen am 18. MÀrz wieder aufgenommen. Gleichzeitig lÀsst das MilitÀr seit rund zwei Monaten keine humanitÀren Hilfslieferungen mehr in das abgeriegelte Gebiet zu, in dem etwa zwei Millionen Menschen leben.

Die indirekten Verhandlungen ĂŒber eine erneute Waffenruhe - vermittelt von den USA, Ägypten und Katar - blieben bisher ohne Durchbruch.

HumanitÀre Lage verschlechtert sich weiter

Eine Ausweitung der Angriffe dĂŒrfte die ohnehin prekĂ€re humanitĂ€re Lage im Gazastreifen weiter verschĂ€rfen. Hilfsorganisationen sprechen von katastrophalen ZustĂ€nden. Die Armee wirft der Hamas vor, die HilfsgĂŒter gewinnbringend weiterzuverkaufen, um ihre KĂ€mpfer und Waffen zu finanzieren.

Das Nachrichtenportal "Axios" berichtete zuletzt, die USA und Israel planten, mit Hilfe einer privaten US-Firma HilfsgĂŒter an der Hamas vorbei in den Gazastreifen zu bringen.

Zahl der noch lebenden Geiseln in Gaza unklar

Nach israelischen Angaben befinden sich weiterhin 24 Geiseln und die Leichen von 35 Verschleppten in der Gewalt der Hamas. Ehemalige Geiseln berichten von unmenschlichen Bedingungen. US-PrĂ€sident Donald Trump erklĂ€rte kĂŒrzlich, die Zahl der Überlebenden sei womöglich geringer als bisher angenommen. Am Samstagabend demonstrierten Angehörige der Geiseln in Tel Aviv erneut fĂŒr eine Waffenruhe.

Der Gaza-Krieg begann nach dem beispiellosen Überfall der Hamas und anderer extremistischer Gruppen am 7. Oktober 2023. Damals wurden rund 1.200 Menschen in Israel getötet und mehr als 250 als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums wurden seither mehr als 52.500 Menschen im Gazastreifen getötet - mehr als 2.400 davon allein seit Wiederaufnahme der Angriffe am 18. MĂ€rz.

@ dpa.de