Aktivisten melden neuen Luftangriff Israels in Syrien
03.01.2025 - 06:35:03Kampfflugzeuge hĂ€tten in der Nacht militĂ€rische "Verteidigungsfabriken" der gestĂŒrzten syrischen Regierung sĂŒdlich von Aleppo angegriffen, teilte die Syrische Beobachtungsstelle fĂŒr Menschenrechte mit. Angaben zu möglichen Opfern gab es zunĂ€chst nicht. Das israelische MilitĂ€r schwieg sich zunĂ€chst aus. Laut der in GroĂbritannien ansĂ€ssigen Beobachtungsstelle waren gewaltige Explosionen zu hören.
Nach dem Sturz des syrischen Machthabers Baschar al-Assad am 8. Dezember hatte Israel seine Angriffe in dem Nachbarland massiv ausgeweitet. Seither habe die israelische Luftwaffe rund 500 Angriffe in dem Land geflogen, teilten die Menschenrechtsaktivisten mit. Israels Armee hatte erklÀrte, bis zu 80 Prozent der militÀrischen KapazitÀten in Syrien zerstört zu haben.
Israel: Iranische Raketenfabrik in Syrien zerstört
Israel hatte schon in der Vergangenheit mehrfach Infrastruktur in Syrien angegriffen. So zerstörte die Armee nach eigenen Angaben vor vier Monaten eine unterirdische, vom Iran finanzierte Raketenfabrik in Masjaf im Westen Syriens. Darin sollten jĂ€hrlich Hunderte PrĂ€zisionsraketen fĂŒr die Hisbollah im Libanon sowie andere proiranische Milizen hergestellt werden, wie ein MilitĂ€rsprecher mitteilte. An dem Einsatz rund 500 Kilometer nördlich der Grenze zu Israel seien mehr als 100 mit Hubschraubern eingeflogene SpezialkrĂ€fte beteiligt gewesen.
Nach Angaben des Sprechers war die Fabrik kurz vor dem Angriff am 8. September in Betrieb genommen worden. Er nannte sie eine "strategische Bedrohung fĂŒr den Staat Israel" und ein "Vorzeigeprojekt des Iran". Syriens gestĂŒrzter Machthaber Assad war mit Israels Erzfeind Iran verbĂŒndet gewesen.
Israels MilitĂ€r bombardierte nun eigenen Angaben zufolge auch Raketenwerfer der Hisbollah-Miliz im SĂŒden des Libanons - trotz der seit Ende November geltenden Waffenruhe. Im Einklang mit den Vereinbarungen ĂŒber die Waffenruhe sei die libanesische Armee zunĂ€chst aufgefordert worden, gegen die Raketenanlagen der Hisbollah vorzugehen. Erst als dies nicht erfolgt sei, seien die Anlagen angegriffen worden, erklĂ€rte die Armee. Dies lieĂ sich zunĂ€chst nicht unabhĂ€ngig prĂŒfen. Ăber mögliche Opfer wurde nichts bekannt.
Neuer Anlauf fĂŒr Waffenruhe in Gaza
Unterdessen genehmigte Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu nach Angaben seines BĂŒros die heutige Reise einer Delegation nach Katar, um die Verhandlungen ĂŒber eine Waffenruhe im Gazastreifen und die Freilassung israelischer Geiseln fortzusetzen. Katar vermittelt zusammen mit Ăgypten und den USA zwischen Israel und der Hamas, die direkte Verhandlungen miteinander ablehnen.
Auch die Hamas wollte UnterhĂ€ndler entsenden. Ein ranghoher Vertreter der Islamistenorganisation sagte der katarischen Zeitung "Al-Arabi Al-Dschadid": "Die Chancen stehen gut, dass die Verhandlungen dieses Mal erfolgreich sein werden." Worauf sich sein Optimismus stĂŒtzte, sagte Mussa Abu Marsuk nicht.
Kurz zuvor hatte es Berichte darĂŒber gegeben, dass die Verhandlungen feststeckten. Die "Times of Israel" zitierte am Mittwoch einen israelischen Beamten, laut dessen Aussagen nicht geplant sei, eine Delegation nach Katar oder Ăgypten zu schicken. Es sei unklar, was sich geĂ€ndert habe, dass nun doch eine Delegation nach Katar reist, hieĂ es am Tag darauf.
Hoffnungen auf einen Durchbruch in den zĂ€hen Verhandlungen gab es schon oft, und sie wurden jedes Mal enttĂ€uscht. Ein Kompromiss ist Ă€uĂerst schwierig, weil Israel und die Hamas sich gegenseitig vernichten wollen.
Kriegsparteien beharren auf Forderungen
Israel fordert eine Liste mit Namen der im Gazastreifen festgehaltenen Geiseln, die noch am Leben sind. Die Hamas erklĂ€rte Medienberichten zufolge, sie brauche eine Kampfpause, um den Aufenthaltsort und Gesundheitszustand der Geiseln in Erfahrung zu bringen. Israel hĂ€lt das fĂŒr eine vorgeschobene Behauptung. Es werden noch rund 100 Geiseln in Gaza vermutet, von denen wohl viele nicht mehr am Leben sein dĂŒrften. Die Hamas fordert Berichten zufolge, dass Israel sich zu einem Ende des Krieges verpflichtet, was Netanjahus Regierung jedoch ablehnt.
Auslöser des Gaza-Krieges war das beispiellose Hamas-Massaker in Israel am 7. Oktober 2023 mit 1.200 Toten. Seit Beginn des Krieges sind nach palĂ€stinensischen Angaben im Gazastreifen mehr als 45.500 Menschen getötet worden. Die unabhĂ€ngig nicht ĂŒberprĂŒfbare Zahl unterscheidet nicht zwischen Zivilisten und KĂ€mpfern.
Bei erneuten israelischen Angriffen wurden palĂ€stinensischen Angaben zufolge mindestens 46 Menschen getötet. Die israelische Armee teilte mit, sie habe in Chan Junis im SĂŒden des abgeriegelten KĂŒstenstreifens eine Kommandozentrale der Hamas angegriffen. Auch diese Angaben lieĂen sich nicht ĂŒberprĂŒfen.
Die Angriffe in Gaza gehen weiter
Die Hamas-Zentrale soll sich in einem Gebiet befinden, das als humanitĂ€re Zone ausgewiesen ist. Vor dem Angriff seien MaĂnahmen ergriffen worden, um Zivilisten zu schonen, teilte die Armee mit. Sechs PalĂ€stinenser seien bei dem Bombardement in Chan Junis getötet worden, sagten Mitarbeiter einer Klinik in der Stadt. Weitere 40 Menschen wurden nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Zivilschutzes im Norden in der Stadt Gaza und deren Umgebung getötet. Israels Armee Ă€uĂerte sich zu den dortigen Angriffen auf Anfrage nicht. Die Angaben beider Seiten lieĂen sich zunĂ€chst nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen.

