ROUNDUP, Israel

Israel meldet Geiselrettung bei Rafah-Angriffen - Nacht im Überblick

12.02.2024 - 06:00:02

Israels MilitĂ€r hat im Zuge massiver nĂ€chtlicher Angriffe im Raum Rafah im SĂŒden des Gazastreifens nach eigenen Angaben zwei Geiseln gerettet.

Die beiden 60 und 70 Jahre alten EntfĂŒhrten seien wĂ€hrend eines gemeinsamen Einsatzes des MilitĂ€rs, des Sicherheitsdienstes und der israelischen Polizei in der Nacht in Rafah gerettet worden und bei gutem Gesundheitszustand, teilte das israelische MilitĂ€r am frĂŒhen Montagmorgen mit. Kurz zuvor hatte die Armee eine Serie von Angriffen in der Gegend von Schabura bei Rafah bekannt gegeben, wo derzeit Hunderttausende palĂ€stinensische BinnenflĂŒchtlinge Schutz suchen. Bei den nĂ€chtlichen Angriffen wurden nach palĂ€stinensischen Angaben mehr als 100 Menschen getötet, darunter Kinder und Frauen. Die Angaben beider Seiten konnten zunĂ€chst nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒft werden. Israel plant eine MilitĂ€roffensive auf Rafah, was international fĂŒr deutliche Kritik sorgt. Die Planungen dauern einem Medienbericht zufolge noch an.

PalÀstinenser berichten von Hunderten von Verletzten

Die nĂ€chtliche Angriffsserie sei beendet worden, hieß es in der kurzen Mitteilung des israelischen MilitĂ€rs auf Telegram. Einzelheiten wurden dazu nicht genannt. Wie die palĂ€stinensische Nachrichtenagentur Wafa am frĂŒhen Montagmorgen unter Berufung auf medizinisches Personal in Rafah meldete, seien bei den intensiven Angriffen in verschiedenen Teilen der Stadt Rafah Hunderte weitere Menschen verletzt worden. Bei der Angriffsserie sollen laut dem arabischen Fernsehsender Al-Dschasira mehrere HĂ€user und Moscheen im Visier des israelischen MilitĂ€rs gestanden haben. Nach Angaben von Augenzeugen hatte das israelische MilitĂ€r bereits zuvor schon mehrfach Ziele in der Stadt aus der Luft angegriffen. Israels Bodentruppen waren dort bislang aber nicht im Einsatz.

Israels Regierungschef rechtfertigt Vorgehen der Armee

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hatte der Armee des Landes am Freitag den Befehl erteilt, eine Offensive auf Rafah vorzubereiten. "Es ist unmöglich, das Kriegsziel der Eliminierung der Hamas zu erreichen, wenn vier Hamas-Bataillone in Rafah verbleiben", ließ er mitteilen. Die Armee soll deshalb die Evakuierung der Zivilisten in Rafah vorbereiten. Aus seiner Sicht rechtfertigt die Zahl der im Gazastreifen verbleibenden Geiseln Israels massives militĂ€risches Vorgehen. Auf die Frage, wie viele Geiseln nach seinem Kenntnisstand noch am Leben sind, antwortete Netanjahu am Sonntag in einem Interview mit dem US-Sender ABC News: "Ich denke genug, um unsere Anstrengungen zu rechtfertigen, die wir unternehmen."

Terroristen der Hamas und anderer extremistischer Gruppen hatten bei ihrem Überfall auf Israel am 7. Oktober 1200 Menschen getötet und weitere 250 verschleppt. Israels MilitĂ€r geht seitdem mit massiven Luftangriffen und einer Bodenoffensive gegen die Hamas und ihre VerbĂŒndeten in Gaza vor. Derzeit befinden sich noch 136 Menschen in der Gewalt der Hamas, von denen aber nach israelischen MilitĂ€rangaben mindestens rund 30 nicht mehr am Leben sein dĂŒrften. Die Zahl der Getöteten könnte nach Medienberichten aber inzwischen auch schon bei 50 liegen. Die SicherheitskrĂ€fte wĂŒrden weiterhin "mit allen Mitteln" versuchen, die Geiseln nach Hause zu bringen, teilte das israelische MilitĂ€r am Montag mit.

Gerettete Geiseln im Krankenhaus

Auch die beiden in der Nacht befreiten Geiseln seien bei dem Massaker der Hamas am 7. Oktober in das abgeriegelte KĂŒstengebiet am Mittelmeer entfĂŒhrt worden, hieß es weiter. Sie seien nun zur medizinischen Untersuchung in ein Krankenhaus gebracht worden. Israel gebe sein Bestes, um alle lebenden Geiseln zurĂŒckzuholen, sagte Netanjahu in dem ABC-Interview, "und offen gestanden auch die Leichen". Darauf werde er aber nicht nĂ€her eingehen. Die beiden Ziele, die Hamas zu besiegen und die Leben der Geiseln zu retten, schlössen sich nicht gegenseitig aus, sagte der israelische MinisterprĂ€sident weiter.

Viele Angehörige der Geiseln werfen Netanjahu vor, die von internationalen Vermittlern gefĂŒhrten Verhandlungen zu torpedieren, die zu einer Waffenruhe im Krieg mit der Hamas und zu einem Austausch der Geiseln gegen palĂ€stinensische HĂ€ftlinge fĂŒhren sollen. Bei einem TelefongesprĂ€ch von US-PrĂ€sident Joe Biden mit Netanjahu am Sonntag ging es nach Angaben des Weißen Hauses um das gemeinsame Ziel, die Hamas zu besiegen und die langfristige Sicherheit Israels und des israelischen Volkes zu gewĂ€hrleisten. Biden habe außerdem darauf gepocht, "die in den Verhandlungen (mit der Hamas) erzielten Fortschritte zu nutzen, um die Freilassung aller Geiseln so schnell wie möglich sicherzustellen".

Biden fordert von Israel Plan zum Schutz der Menschen in Rafah

Vor einem Voranschreiten der geplanten MilitĂ€roffensive in Rafah im Gazastreifen forderte Biden demnach von Israel ein ĂŒberzeugendes Konzept fĂŒr den Schutz der dortigen Zivilbevölkerung. In dem Telefonat mit Netanjahu habe Biden bekrĂ€ftigt, es brauche "einen glaubwĂŒrdigen und umsetzbaren Plan, um die Sicherheit der mehr als eine Million Menschen, die dort Zuflucht suchen, zu gewĂ€hrleisten", teilte das Weiße Haus in Washington mit. Außerdem habe der US-PrĂ€sident konkrete Schritte hin zu mehr humanitĂ€rer Hilfe verlangt.

Bericht: Plan fĂŒr Rafah-Offensive braucht noch Zeit

Israels Armee hat die Planung der MilitĂ€roffensive auf Rafah einem Medienbericht zufolge bisher nicht abgeschlossen. Sie werde "wahrscheinlich einige Zeit in Anspruch nehmen" und sei auch bislang Netanjahu nicht vorgelegt worden, zitierte die "New York Times" am Sonntag (Ortszeit) israelische Beamte und Analysten. Die Strategie sei "sehr komplex". Israels Vorhaben stĂ¶ĂŸt international auf Kritik. Außenministerin Annalena Baerbock (GrĂŒne) warnte, dies wĂ€re "eine humanitĂ€re Katastrophe mit Ansage". Ägypten fĂŒrchtet, dass es zum Ansturm verzweifelter PalĂ€stinenser auf die Ă€gyptische Halbinsel Sinai kommen könnte.

Die US-Regierung habe gegenĂŒber Israel zudem Bedenken mit Blick auf den am 10. MĂ€rz beginnenden muslimischen Fastenmonat Ramadan geĂ€ußert, berichtete die "New York Times" weiter. Ein Angriff auf Rafah wĂ€hrend des Ramadan könne von Muslimen in der Region und darĂŒber hinaus als besonders provokant empfunden werden, hieß es. In israelischen Medienberichten hatte es zuvor geheißen, Netanjahu gehe davon aus, dass Israel aufgrund des internationalen Drucks nur rund einen Monat Zeit habe und die Offensive auf Rafah daher bis zum Beginn des Ramadan abgeschlossen sein mĂŒsse.

Avi Dichter von Netanjahus konservativer Likud-Partei habe vorgeschlagen, dass die Bewohner des von Israel abgeriegelten Gazastreifens in ein Gebiet westlich von Rafah entlang der KĂŒste umgesiedelt werden könnten, berichtete die "New York Times" weiter. Yaakov Amidror, ein ehemaliger General und nationaler Sicherheitsberater, sehe auch noch andere Optionen, darunter einige Gebiete im Zentrum des KĂŒstenstreifens, in die das MilitĂ€r bislang nicht vorgestoßen sei. Auch die nahe gelegene Stadt Chan Junis könne eine Option sein, sobald Israel den dortigen MilitĂ€reinsatz gegen die Hamas beendet habe, hieß es.

Was am Montag wichtig wird

Eine Delegation der CDU/CSU-Bundestagsfraktion unter Leitung von Unionsfraktions- und CDU-Chef Friedrich Merz besucht Israel. Merz wird begleitet von den stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Johann Wadephul und Jens Spahn sowie von der stellvertretenden Vorsitzenden der Deutsch-israelischen Parlamentariergruppe, Gitta Connemann (alle CDU): Unter anderem sind GesprÀche mit Netanyahu und Israels PrÀsidenten Herzog geplant/ln/DP/zb

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