ROUNDUP, Einigung

Einigung auf Feuerpause in Gaza auf der Kippe - Die Nacht im Überblick

04.03.2024 - 06:35:02

Israels MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu verlangt vor weiteren Verhandlungen ĂŒber eine Feuerpause und die Freilassung weiterer Geiseln im Gaza-Krieg ein Einlenken der Hamas.

Erst mĂŒsse die Islamisten-Organisationen wie gefordert eine Liste mit den Namen der noch lebenden Geiseln in ihrer Gewalt vorlegen, sagte der rechte Regierungschef am Sonntagabend in einer Ansprache in Tel Aviv. Am selben Tag waren Delegationen der Hamas und der Vermittlerstaaten USA und Katar in Kairo zu einer weiteren GesprĂ€chsrunde eingetroffen. Israel dagegen hat vorerst keine Delegation entsandt. Dass derweil Benny Gantz, Minister in Israels Kriegskabinett, ohne Netanjahus Zustimmung zu GesprĂ€chen nach Washington reiste, sorgte laut israelischen Medien intern fĂŒr scharfe Kritik. Gantz drĂ€ngt auf ein Abkommen und hat erklĂ€rt, die Freilassung der Geiseln sei dringlicher und wichtiger als die von Netanjahu zum Ziel erklĂ€rte Zerschlagung der Hamas.

Netanjahu: Werden vor wahnhaften Forderungen der Hamas nicht kapitulieren

Es sei zu frĂŒh zu sagen, ob es in den nĂ€chsten Tagen ein Konzept fĂŒr einen Deal geben werde, sagte Netanjahu. "Wir unternehmen große Anstrengungen, um erfolgreich zu sein, aber eines ist Ihnen klar - wir werden vor den wahnhaften Forderungen der Hamas nicht kapitulieren", bekrĂ€ftigte der innenpolitisch in der Geiselfrage unter Druck stehende Regierungschef. Er will zunĂ€chst auch wissen, ob die Hamas der im letzten Vorschlag der Vermittler genannten Zahl an palĂ€stinensischen HĂ€ftlingen zustimmt, die im Austausch gegen Geiseln freizulassen wĂ€ren. Er habe noch keine Antwort auf seine Fragen bekommen, sagte Netanjahu und wies "den internationalen Druck zurĂŒck, den Krieg zu beenden", bevor Israel alle seine Ziele erreicht habe. In Medienberichten hatte es zuletzt geheißen, 40 Geiseln könnten gegen 400 PalĂ€stinenser in israelischen GefĂ€ngnissen ausgetauscht werden.

Bericht: Hamas-AnfĂŒhrer will Verhandlungen sabotieren

Örtlichen Medienberichten zufolge gibt es in israelischen Kreisen Zweifel, ob ein Abkommen ĂŒber eine Geisel-Freilassung und eine Feuerpause noch vor dem fĂŒr Muslime heiligen Fastenmonat Ramadan, der um den 10. MĂ€rz beginnt, zustande kommt. Der AnfĂŒhrer der Hamas im Gazastreifen, Jihia al-Sinwar, versuche absichtlich, die Verhandlungen zu sabotieren, um wĂ€hrend des Ramadan Unruhen im gesamten Nahen Osten zu provozieren, zitierte die israelische Nachrichtenseite "Ynet" einen ranghohen israelischen Beamten am Sonntagabend. "Sinwar zieht es vor, die Spannungen im Nahen Osten zu verschĂ€rfen und wĂ€hrend des Ramadans Blutvergießen und Chaos im Gazastreifen zu verursachen, anstatt die Alternative einer sechswöchigen Waffenruhe und humanitĂ€rer Hilfe zu wĂ€hlen, die das Leiden der lokalen Bevölkerung im Gazastreifen erheblich lindern wĂŒrde", sagte der Beamte.

Ranghohe GesprÀche in Washington

Israels Verteidigungsminister Joav Galant hatte erst kĂŒrzlich gesagt, die Hamas wolle den Krieg vom Gazastreifen ins Westjordanland tragen. "Das Ziel der Hamas ist es, JudĂ€a und Samaria (hebrĂ€isch fĂŒr Westjordanland) anzuzĂŒnden, und wenn möglich auch noch den Tempelberg (in Jerusalem)". Laut Nachrichtenportal "Axios" vom Sonntag drĂ€ngt US-PrĂ€sident Joe Biden Ägypten und Katar dazu, die Hamas noch vor dem Ramadan zu einer vorĂŒbergehenden Feuerpause zu bewegen. Die drei Vermittlerstaaten seien sich einig, dass ein Zustandekommen einer Einigung derzeit an der Hamas hĂ€nge. Die Hamas fordert einen umfassenden Waffenstillstand. Der Vermittlervorschlag sieht nach US-Angaben lediglich eine sechswöchige Feuerpause vor. Ein namentlich nicht genannter israelischer Beamter wurde von "Axios" mit den Worten zitiert, er schĂ€tze die Chancen fĂŒr eine Einigung auf 50 zu 50.

Unterdessen traf das Mitglied im israelischen Kriegskabinett, Benny Gantz, am Sonntag in Washington ein, wo er an diesem Montag US-VizeprĂ€sidentin Kamala Harris und den nationalen Sicherheitsberater Jake Sullivan treffen will. Gantz hatte im Januar gesagt: "Die dringendste Angelegenheit ist die RĂŒckfĂŒhrung der Geiseln, sie ist wichtiger als alle Elemente des Kampfes." Am Dienstag will der israelische Politiker laut Medienberichten mit US-Außenminister Antony Blinken zusammentreffen. Am selben Tag wird "Axios" zufolge auch Katars MinisterprĂ€sident Mohammed bin Abdulrahman Al Thani in Washington erwartet.

Harris nennt Lage in Gaza "humanitÀre Katastrophe"

US-VizeprĂ€sidentin Harris bezeichnete die Bedingungen fĂŒr die Menschen in dem seit nunmehr rund fĂŒnf Monaten umkĂ€mpften Gazastreifen als unmenschlich und sprach von einer humanitĂ€ren Katastrophe. "Unser Herz bricht (...) fĂŒr all die unschuldigen Menschen in Gaza, die unter dem leiden, was eindeutig eine humanitĂ€re Katastrophe ist", sagte Harris am Sonntag in Selma im US-Bundesstaat Alabama. "Die Menschen in Gaza hungern, die Bedingungen sind unmenschlich." Harris forderte Israels Regierung auf, deutlich mehr Hilfe in das abgeriegelte KĂŒstengebiet zu lassen und neue GrenzĂŒbergĂ€nge zu öffnen.

Israels Armee meldet weitere Tote bei EinsÀtzen im Gazastreifen

Derweil setzt das israelische MilitĂ€r den Kampf gegen die Hamas fort und tötete nach eigenen Angaben nun ein fĂŒr die Rekrutierung von Terroristen zustĂ€ndiges prominentes Mitglied der Islamisten. Wie die Armee am Sonntagabend bekannt gab, sei Mahmoud Muhammad Abd Khad auch an der Beschaffung von Geldern fĂŒr den Terrorismus und zur UnterstĂŒtzung der militĂ€rischen AktivitĂ€ten der Hamas beteiligt gewesen. Zuvor hatte die Armee mitgeteilt, dass im nördlichen Gaza "mehr als 100 Terroristen" getötet worden seien. Zudem seien 35 Einrichtungen der Hamas und des Islamischen Dschihad, darunter Waffenlager und Produktionsanlagen, zerstört worden. "Dutzende Terroristen" seien festgenommen worden. SĂ€mtliche Angaben des israelischen MilitĂ€rs konnten nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒft werden.

Auslöser des Gaza-Krieges war der Terror-Überfall der Hamas und anderer Gruppen am 7. Oktober vergangenen Jahres im SĂŒden Israels. Die Terroristen töteten bei dem beispiellosen Massaker 1200 Menschen und verschleppten 250 weitere als Geiseln in den Gazastreifen: Israel griff das KĂŒstengebiet militĂ€risch an, um die Hamas zu zerschlagen. Dabei kamen nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde in Gaza bisher 30 410 PalĂ€stinenser ums Leben, wobei diese Zahl sowohl Zivilisten als auch KĂ€mpfer enthĂ€lt.

Israels MilitÀr: Wieder Hisbollah-Stellungen angegriffen

Unterdessen griff das israelische MilitĂ€r im SĂŒden Libanons nach eigenen Angaben erneut Stellungen der vom Iran unterstĂŒtzten Hisbollah-Miliz an. Kampfflugzeuge hĂ€tten eine MilitĂ€ranlage der Schiiten-Miliz in der Gegend von Aita asch-Scha'b und terroristische Infrastruktur in der Gegend des libanesischen Grenzortes Kfarkela getroffen, teilte die Armee am Sonntagabend mit. Im Laufe des Tages habe es eine Reihe von RaketenabschĂŒssen aus dem Libanon in Richtung Nordisrael gegeben. Auch diese Angaben konnten nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒft werden. Seit Beginn des Gaza-Krieges kommt es in der israelisch-libanesischen Grenzregion immer wieder zu gegenseitigem Beschuss. Israels Verteidigungsminister Galant kĂŒndigte kĂŒrzlich an, den militĂ€rischen Druck auf die Hisbollah zu erhöhen, bis sich die Schiiten-Miliz von der Grenze zu Israel zurĂŒckgezogen habe.

@ dpa.de