Meloni kommt mit Albanien-Plan nicht voran
12.11.2024 - 13:37:55 | dpa.deAuf Beschluss eines Gerichts in Rom musste Italien abermals Migranten aus einem eigens gebauten Lager in Albanien aufnehmen. Sieben MĂ€nner aus Bangladesch und Ăgypten, die bei der Flucht nach Europa gestoppt worden waren, wurden mit einem Schiff der KĂŒstenwache ĂŒber die Adria in die Hafenstadt Brindisi gebracht. Zuvor hatte die Justiz entschieden, dass eine Internierung der Migranten auĂerhalb Italiens nicht rechtens sei.
FĂŒr die PlĂ€ne der rechten Koalition in Rom bedeutet dies eine neue schwere Niederlage. Meloni war vor zwei Jahren mit dem Versprechen an die Macht gekommen, die irregulĂ€re Migration ĂŒbers Mittelmeer massiv einzudĂ€mmen. FĂŒr die Vorsitzende der Partei Fratelli d'Italia (BrĂŒder Italiens) wiegt der RĂŒckschlag sogar noch schwerer als ein erstes Urteil aus dem vergangenen Monat. Damals durften bereits 16 MĂ€nner aus dem Lager in Albanien weiter nach Italien. Die Richter setzten sich nun auch ĂŒber einen neuen Erlass hinweg, mit dem die Regierung versucht hatte, ihr Vorhaben zu retten.
Teure Lager stehen leer
Bis aufs Personal stehen die zwei neuen Lager im Nicht-EU-Land auf der anderen Seite der Adria nun wieder völlig leer. Unklar ist, ob die teuren Einrichtungen - geschĂ€tzte Betriebskosten bis 2029: mehr als 500 Millionen Euro - ĂŒberhaupt geöffnet bleiben. In anderen europĂ€ischen HauptstĂ€dten wird das alles aufmerksam verfolgt: Auch andere Regierungen erwĂ€gen, Asylverfahren in LĂ€nder auĂerhalb der EU zu verlagern. GroĂbritannien war unter der frĂŒheren konservativen Regierung bereits mit der Idee gescheitert, nach Ruanda auszuweichen. Nun könnte es in Italien Ă€hnlich ausgehen.
Die Entscheidung liegt jetzt beim EuropĂ€ischen Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg. Zuvor wird vermutlich Anfang Dezember Italiens oberstes Gericht, der Kassationsgerichtshof, ein Urteil fĂ€llen. Im Kern geht es darum, welche Staaten in Asylverfahren als sogenannte sichere HerkunftslĂ€nder eingestuft werden - und wer darĂŒber entscheidet. Gilt nationales Recht oder europĂ€isches Recht? Meloni vertritt die Auffassung, dass die Festlegung von Listen sicherer HerkunftslĂ€nder hoheitliche Aufgabe ihrer Regierung sei - nicht der Justiz. Die italienischen Gerichte verweisen bislang auf ein anderslautendes Urteil des EuGH.
Einst hochgelobte Justiz schwer in der Kritik
Aus der Auseinandersetzung hat sich ein heftiger Streit zwischen der Regierung und der Justiz entwickelt. Aus der rechten Dreier-Koalition wird die Justiz - einst wegen ihres Kampfes gegen die Mafia und die Korruption in Italien hoch angesehen - als Handlanger der linken Opposition beschimpft. Vize-MinisterprĂ€sident Matteo Salvini sagte: "Das ist ein weiteres politisches Urteil - nicht gegen die Regierung, sondern gegen die Italiener und ihre Sicherheit." Salvini lĂ€uft Gefahr, wegen seines rabiaten Umgangs mit FlĂŒchtlingen in frĂŒheren Jahren nĂ€chsten Monat selbst zu einer Haftstrafe verurteilt zu werden.
AuĂenminister Antonio Tajani von der gemĂ€Ăigteren Partei Forza Italia sagte ebenfalls: "Das sind ein paar Richter, die der Regierung ihre politische Linie aufdrĂŒcken wollen." Allerdings haben ĂŒber Rom hinaus auch Gerichte in anderen StĂ€dten entsprechend geurteilt. Meloni blieb nach der abermaligen Niederlage zunĂ€chst auffallend still. Aus dem Regierungssitz, dem Palazzo Chigi, hieĂ es lediglich: "FĂŒr uns hat sich nichts geĂ€ndert. Wir machen weiter."
Meloni bekommt Zuspruch von Elon Musk
UnterstĂŒtzung erhielt Meloni vom milliardenschweren Tech-Unternehmer Elon Musk, der sich nach dem Wahlsieg von Donald Trump in den USA zunehmend auch in die europĂ€ische Politik einmischt. Auf seiner Plattform X schrieb Musk: "Diese Richter mĂŒssen gehen." Der Tech-MilliardĂ€r und die rechte Regierungschefin pflegen enge Kontakte.
Die sieben Migranten waren vergangene Woche in einem Boot nahe der Insel Lampedusa gestoppt und dann sorgfĂ€ltig ausgewĂ€hlt worden. Insbesondere wurde darauf geachtet, dass es sich ausschlieĂlich um gesunde, erwachsene MĂ€nner aus - nach italienischer Auffassung - sicheren Herkunftsstaaten handelt. All dies waren Bedingungen, damit sie ĂŒberhaupt nach Albanien gebracht werden konnten. Daraus erklĂ€rt sich auch die niedrige Zahl. In Schnellverfahren wurden fĂŒnf AntrĂ€ge bereits abgelehnt, sodass die MĂ€nner eigentlich zurĂŒckgeschickt werden sollten - was die Justiz aber verhinderte.
Italien gehört zu den LĂ€ndern, die von der Fluchtbewegung nach Europa besonders betroffen sind. Trotz eines deutlichen RĂŒckgangs landeten dort auch dieses Jahr bislang wieder mehr als 50.000 Menschen. Nach Melonis PlĂ€nen soll in Albanien pro Jahr eigentlich ĂŒber bis zu 36.000 AsylantrĂ€ge entschieden werden. Menschenrechtler und Opposition halten das Vorhaben auch fĂŒr völlig ĂŒberteuert. Inzwischen prĂŒft der italienische Rechnungshof, ob die Kosten angemessen sind.
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