IWF, Energiepreise

IWF: Energiepreise bleiben wegen Iran-Krieg bis 2027 hoch

Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 14:21 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

IWF-Chefin Kristalina Georgiewa erwartet, dass die hohen Energiepreise infolge des Iran-Kriegs bis 2027 anhalten könnten. Sie warnt zugleich vor zusÀtzlichem Inflationsdruck durch den KI-Boom, Zölle, Verteidigungsausgaben und hohe Staatsschulden.

Der IWF rechnet mit anhaltend hohen Energiepreisen. (Archivfoto) - Bild: Johannes Neudecker/dpa
Der IWF rechnet mit anhaltend hohen Energiepreisen. (Archivfoto) - Bild: Johannes Neudecker/dpa

Die hohen Energiepreise infolge des Iran-Kriegs werden nach EinschÀtzung von IWF-Chefin Kristalina Georgiewa noch einige Zeit bestehen bleiben.

Nachfrage könnte Preisdruck verstÀrken

„Der Preisdruck könnte sich weiter verstĂ€rken, da die Nachfrage mit dem Beginn der kalten Jahreszeit auf der Nordhalbkugel steigt und die LĂ€nder ihre Reserven wieder auffĂŒllen“, warnte Georgiewa laut Redemanuskript in Singapur. Selbst bei einem baldigen Ende des Konflikts dĂŒrften die Preise bis 2027 hoch bleiben, sagte sie vor der Jahrestagung von Internationalem WĂ€hrungsfonds und Weltbank, die in der kommenden Woche in Bangkok beginnt.

Den Schock bei den Energiepreisen hĂ€tten unter anderem Energieeffizienz, eine breitere Streuung der Brennstoffquellen und die Freigabe von Reserven abgefedert. Die angespannte Energieversorgung und der Boom rund um KĂŒnstliche Intelligenz trieben die Preise jedoch weiter an.

KI-Hardware macht mehr als ein Zehntel des Warenhandels aus

KI-Hardware und Ă€hnliche Produkte machten inzwischen schĂ€tzungsweise mehr als ein Zehntel des weltweiten Warenhandels aus, hieß es weiter. Der Anteil steige.

ZusĂ€tzlichen Inflationsdruck könnten Zölle, höhere Verteidigungsausgaben und eine hohe Staatsverschuldung erzeugen. „Jetzt könnte in vielen LĂ€ndern ein umsichtig restriktiverer Ansatz in der Geldpolitik angebracht sein“, sagte Georgiewa.

Höhere Zinsen verteuern Staatsschulden

Georgiewa lobte die US-Notenbank Federal Reserve, die EuropĂ€ische Zentralbank und die Bank of Japan dafĂŒr, ihre Leitzinsen bereits angehoben zu haben. Mitte September hatte die Fed den Leitzins erstmals seit Sommer 2023 wieder erhöht, um 0,25 Prozentpunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent. Die EZB hob den Einlagenzins von 2,25 auf 2,5 Prozent an.

Zugleich kritisierte die IWF-Chefin die Finanzpolitik einiger IndustrielĂ€nder. Höhere Leitzinsen ließen die kurzfristigen Zinsen steigen und verteuerten dadurch die Schulden. Trotz der weltweit ausufernden Staatsverschuldung gebe es in hoch verschuldeten IndustrielĂ€ndern keine entschlossenen Maßnahmen. Nötig seien glaubwĂŒrdige mittelfristige PlĂ€ne zur Haushaltskonsolidierung.

Neue Konjunkturprognose in der kommenden Woche

Der IWF will am kommenden Dienstag ausfĂŒhrlicher ĂŒber die Entwicklung der Weltwirtschaft und mögliche Problemfelder informieren. Dann legt der Fonds seine neue Konjunkturprognose vor.

Im Juli hatte der IWF fĂŒr das laufende Jahr ein globales Wachstum von 3,0 Prozent vorhergesagt. FĂŒr 2027 erwartete der Fonds ein Plus von 3,4 Prozent. FĂŒr Deutschland lag die Prognose bei 0,7 Prozent Wachstum in diesem Jahr und 1,0 Prozent im Jahr 2027.

Energiepreisschock trifft Weltwirtschaft

Der Iran-Krieg wirkt ĂŒber die internationalen EnergiemĂ€rkte weit ĂŒber die Konfliktregion hinaus. Besonders empfindlich reagieren Volkswirtschaften, die große Mengen Öl, Gas oder raffinierte Produkte importieren. Selbst wenn sich die physische Versorgung teilweise stabilisiert, können SicherheitsaufschlĂ€ge, teurere Transporte und der Wiederaufbau von LagerbestĂ€nden die Preise lĂ€nger hoch halten.

FĂŒr Haushalte in Deutschland bedeutet das vor allem ein erhöhtes Kostenrisiko bei Gas, Strom, Kraftstoffen und WĂ€rme. Preisbewegungen erreichen Verbraucher je nach Vertrag und EnergietrĂ€ger mit Verzögerung. Unternehmen geben höhere Beschaffungskosten zudem hĂ€ufig ĂŒber Waren- und Dienstleistungspreise weiter. Damit kann ein zunĂ€chst außenwirtschaftlicher Schock die Inflation im Inland verbreitern.

Geldpolitik zwischen Inflation und Schulden

Eine straffere Geldpolitik kann den allgemeinen Preisdruck bremsen, verteuert aber zugleich die Finanzierung von Staaten, Unternehmen und privaten Haushalten. Hoch verschuldete LĂ€nder geraten dadurch stĂ€rker unter Konsolidierungsdruck. Gleichzeitig erschwert eine Zinserhöhung Investitionen, die fĂŒr Energieeffizienz, Netze und eine geringere AbhĂ€ngigkeit von fossilen Importen nötig sind.

KI-Boom als zusÀtzlicher Preistreiber

Der KI-Boom verschĂ€rft die Lage auf einem anderen Weg. Die Nachfrage nach Rechenzentren, Chips und Strom erhöht den Bedarf an Hardware und Energie. Wenn geopolitische Risiken und eine starke Technologiekonjunktur gleichzeitig auftreten, mĂŒssen Notenbanken den Preisdruck aus mehreren Richtungen beobachten. Die fĂŒr kommende Woche angekĂŒndigte IWF-Prognose dĂŒrfte deshalb besonders auf Wachstum, Inflation, Energieversorgung und staatliche FinanzspielrĂ€ume fokussieren.

Disclaimer...

de | wirtschaft | 70255679 |