Verlorenes, Jahr

Verlorenes Jahr fĂŒr die ElektromobilitĂ€t in Deutschland

06.01.2025 - 14:53:07 | dpa.de

Jahrelang boomte der E-Auto-Absatz in Deutschland - doch 2024 ist die Nachfrage drastisch eingebrochen. Diskutiert wird deshalb wieder ĂŒber eine Förderung.

  • Die Nachfrage nach E-Autos ist im Jahr 2024 in Deutschland eingebrochen. (Archivbild) - Foto: Julian Stratenschulte/dpa
    Die Nachfrage nach E-Autos ist im Jahr 2024 in Deutschland eingebrochen. (Archivbild) - Foto: Julian Stratenschulte/dpa
  • Viele deutsche Hersteller setzen vor allem auf teure Premium-Elektroautos. (Archivbild) - Foto: Marijan Murat/dpa
    Viele deutsche Hersteller setzen vor allem auf teure Premium-Elektroautos. (Archivbild) - Foto: Marijan Murat/dpa
  • DĂ€nemark ist beim Thema ElektromobilitĂ€t deutlich weiter als Deutschland. (Archivbild) - Foto: Steffen Trumpf/dpa
    DÀnemark ist beim Thema ElektromobilitÀt deutlich weiter als Deutschland. (Archivbild) - Foto: Steffen Trumpf/dpa
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Der E-Auto-Boom in Deutschland ist im vergangenen Jahr jĂ€h gestoppt worden. Lediglich rund 380.600 reine Elektro-Pkw wurden 2024 neu zugelassen, wie das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) mitteilte. Das war mehr als ein Viertel weniger als im Jahr davor. Der Anteil an sĂ€mtlichen Neuzulassungen ging im Vorjahresvergleich um fast fĂŒnf Prozentpunkte auf 13,5 Prozent zurĂŒck.

Das Ziel der Bundesregierung, bis 2030 rund 15 Millionen reine Batterieautos auf deutschen Straßen zu haben, rĂŒckt damit in weite Ferne. Laut KBA lag der Bestand zum Jahreswechsel lediglich bei rund 1,4 Millionen Elektrofahrzeugen. 

DĂ€nemark und Schweden deutlich weiter

Von den Quoten mancher skandinavischer LĂ€nder bleibt Deutschland ebenfalls weit entfernt. Elektroautos machen etwa in DĂ€nemark mittlerweile mehr als die HĂ€lfte aller neu zugelassenen Pkw aus, wie die Branchenorganisation Mobility Denmark unter Berufung auf Zahlen der Webseite Bilstatistik.dk kĂŒrzlich mitteilte. Im Dezember entsprach ihr Anteil an den Neuzulassungen demnach sogar 61,5 Prozent. 

Noch besser steht Norwegen da. Von den knapp 129.000 Pkw, die 2024 in Norwegen neu zugelassen wurden, waren satte 88,9 Prozent E-Autos, wie die Interessenorganisation OFV mitteilte. Das Land hat stark in den Ausbau der Ladeinfrastruktur investiert und finanzielle Anreize fĂŒr den Kauf geschaffen.

«2024 war ein verlorenes Jahr fĂŒr die ElektromobilitĂ€t in Deutschland», teilte Constantin Gall, MobilitĂ€tsfachmann beim Beratungsunternehmen EY, mit. «Obwohl neue und attraktive Modelle auf den Markt kommen, sind die Absatzzahlen deutlich niedriger als von der Branche erwartet und von der Politik erwĂŒnscht.» 

E-Autos zu teuer

Als Hauptgrund fĂŒr die eingebrochene Nachfrage sieht er das abrupte Ende der staatlichen Kaufförderung, die Ende 2023 im Zuge des Haushaltsurteils des Bundesverfassungsgerichts ĂŒberraschend eingestellt wurde. Fachleute fĂŒhren zudem die nach wie vor hohen Preise fĂŒr Elektroautos in Deutschland an. Insbesondere die deutschen Hersteller brachten bisher vor allem elektrifizierte Varianten ihrer hochpreisigen Premiummodelle auf den Markt.

In Deutschland bekomme die Kundschaft nur drei Modelle fĂŒr weniger als 30 000 Euro, kritisierte der ADAC Ende November bei einem Treffen der Autobranche mit Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD).

Förderung ist Wahlkampfthema

LĂ€ngst ist das Thema E-Auto-Förderung daher auch im Wahlkampf angekommen. Scholz sprach sich jĂŒngst fĂŒr einen europĂ€ischen Förderansatz aus. «Wir brauchen auch Fördermaßnahmen», sagte er nach einem EU-Gipfel in BrĂŒssel im Dezember. 

Da der Markt fĂŒr Elektroautos ein europĂ€ischer sei, mit vernetzten Produktions-, Liefer- und Kundenstrukturen, wĂ€re es das Beste, «dass wir eine europĂ€ische Lösung finden, was Kaufanreize betrifft», so der SPD-Politiker. Als Beispiele nannte er Steuervorteile oder KaufprĂ€mien. Eine Ă€hnliche Forderung steht auch im SPD-Wahlprogramm.

CSU schlÀgt KaufprÀmie von bis zu 3.600 Euro vor

Die CSU wiederum hat fĂŒr den Fall eines Wahlsiegs der Union bei der Bundestagswahl im Februar eine KaufprĂ€mie in Höhe von bis zu 3.600 Euro angekĂŒndigt. Das geht aus einem Papier fĂŒr die Klausur der CSU-Bundestagsabgeordneten im oberbayerischen Kloster Seeon hervor. Der Entwurf liegt der Deutschen Presse-Agentur vor, zuvor hatte der Bayerische Rundfunk berichtet.

In dem Papier heißt es, dass bei der Förderung vor allem der Transportweg von der Montage zum Verkaufsort berĂŒcksichtigt werden soll. Es sollen also vorrangig in Deutschland produzierte E-Autos gefördert werden. «Das bringt einen doppelten Nutzen: fĂŒr die ArbeitsplĂ€tze in Deutschland und fĂŒrs Klima», sagte CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt. Die KaufprĂ€mie soll dem Papier zufolge höchstens 3.600 Euro betragen, monatliche LeasinggebĂŒhren könnten um 100 Euro sinken.

Greenpeace fordert Zulassungssteuer fĂŒr Verbrenner

Die Umweltorganisation Greenpeace bekrĂ€ftigte Forderungen nach einer höheren Besteuerung von Neuwagen mit Verbrenner. Eine solche gebe es bereits in zahlreichen europĂ€ischen LĂ€ndern. «Wer in LĂ€ndern wie Schweden, den Niederlanden oder DĂ€nemark einen neuen Verbrenner kauft, wird bei sparsamen Neuwagen gering, bei besonders klimaschĂ€dlichen Spritschluckern stark besteuert», teilte Greenpeace-MobilitĂ€tsexpertin Marion Tiemann mit. Die Steuereinnahmen könnten eine KaufprĂ€mie von 4500 Euro fĂŒr etwa 1,8 Millionen Elektroautos gegenfinanzieren, hieß es. 

Lage der Autobranche bleibt angespannt

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr laut KBA rund 2,8 Millionen Autos in Deutschland neu zugelassen. Das war etwa ein Prozent weniger als im Jahr davor und rund ein Viertel weniger als 2019, dem letzten Jahr vor der Corona-Pandemie. Die Zahl der Neuzulassungen im Dezember lag mit rund 224.700 Fahrzeugen mehr als 7 Prozent unter dem Niveau des Vorjahresmonats.

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