Deutschland, Europa

Studie: Autoimporte aus China ĂŒberholen erstmals EU-Exporte

20.03.2026 - 04:00:09 | dpa.de

Jahrzehntelang ging es nur in eine Richtung: Autos wurden in Deutschland und Europa produziert - und dann in alle Welt exportiert. Vor allem nach China. Doch der Wind dreht sich.

  • China hat einer Studie zufolge erstmals mehr Autos und Kfz-Teile in die EU exportiert als umgekehrt. (Symbolbild) - Foto: Yao Jianfeng/XinHua/dpa
    China hat einer Studie zufolge erstmals mehr Autos und Kfz-Teile in die EU exportiert als umgekehrt. (Symbolbild) - Foto: Yao Jianfeng/XinHua/dpa
  • Die deutschen Exporte nach China sind abgestĂŒrzt. (Archivbild) - Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa
    Die deutschen Exporte nach China sind abgestĂŒrzt. (Archivbild) - Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa
  • EY-Experte Constantin Gall: Der Druck auf den Autostandort Deutschland wird weiter steigen. (Archivbild) - Foto: Marijan Murat/dpa
    EY-Experte Constantin Gall: Der Druck auf den Autostandort Deutschland wird weiter steigen. (Archivbild) - Foto: Marijan Murat/dpa
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Die KrĂ€fteverhĂ€ltnisse im weltweiten Automarkt verschieben sich zunehmend: Die Autoimporte aus China in die EuropĂ€ische Union haben einer Analyse zufolge erstmals die europĂ€ischen Exporte in die Volksrepublik ĂŒbertroffen. Die Ausfuhren von Autos und Autoteilen aus der EU nach China sind vergangenes Jahr um 34 Prozent auf 16 Milliarden Euro gesunken, wie aus dem Papier der WirtschaftsprĂŒfungs- und Beratungsgesellschaft EY hervorgeht.

Seit 2022 hĂ€tten sich die Exporte damit mehr als halbiert. Zugleich stiegen die Importe aus China in dem Bereich um acht Prozent auf 22 Milliarden Euro. Aus einem ExportĂŒberschuss in zweistelliger Milliardenhöhe ist damit innerhalb weniger Jahre ein Defizit geworden. 

Auch fĂŒr das Autoland Deutschland zeigt sich diese Entwicklung: China war 2025 nur noch das sechstwichtigste Exportland fĂŒr deutsche Hersteller. Zwar lagen die Exporte noch ĂŒber den Importen. Der Abstand schrumpft aber. Seit dem Rekordjahr 2022 haben sich die Ausfuhren in die Volksrepublik mehr als halbiert - von rund 30 Milliarden auf 13,6 Milliarden. Im selben Zeitraum sind die Kfz-Einfuhren aus China um zwei Drittel auf 7,4 Milliarden Euro gestiegen. «Bei einer Fortschreibung der jeweiligen Kurven könnten sich 2026 Importe und Exporte die Waage halten», heißt es in der EY-Analyse. 

Experte: Wettbewerb wird sich weiter verschÀrfen

Chinesische Autobauer haben nach Angaben von EY-Experte Constantin Gall zurzeit einen schweren Stand in Deutschland. Volkswagen, Mercedes-Benz, BMW und deren Marken hĂ€tten ihre Marktanteile bislang erfolgreich gegen sie verteidigt. Auf anderen europĂ€ischen MĂ€rkten hingegen verzeichneten die Chinesen inzwischen bemerkenswerte Erfolge «2026 werden wir eine weitere Intensivierung des Wettbewerbs sehen – der Druck auf den Autostandort Deutschland wird daher weiter steigen», teilte Gall mit.

Zur Einordnung wichtig ist: Zu den Kfz-Teilen gehören EY zufolge auch E-Auto-Batterien. Diesen Markt dominieren Anbieter aus China. Außerdem haben deutsche Autohersteller und Zulieferer auch Werke in der Volksrepublik. Sie produzieren dort fĂŒr den lokalen Markt, exportieren aber auch Fahrzeuge und Teile nach Europa. Das gilt beispielsweise fĂŒr Modelle der BMW-Tochter Mini oder den SUV Cupra Tavascan aus dem Volkswagen-Konzern. Auch Mercedes-Benz baut Fahrzeuge der Marke Smart zusammen mit seinem GroßaktionĂ€r Geely vollstĂ€ndig im chinesischen Xi’an - und exportiert sie dann. 

Zehntausende Jobs sind gestrichen worden

Die Krise in der Branche und die zunehmende Konkurrenz hatte sich bereits im vergangenen Jahr auf die GeschĂ€fte ausgewirkt. Der Umsatz der deutschen Automobilindustrie sank demnach 2025 um 1,6 Prozent auf fast 528 Milliarden Euro. Hersteller und Zulieferer meldeten teils gehörige GewinneinbrĂŒche. FĂŒr die Studie ausgewertet wurden nach EY-Angaben Daten des Statistischen Bundesamts, der Agentur fĂŒr Arbeit und der EU-Statistikbehörde Eurostat. 

Die BeschĂ€ftigung ging ebenfalls deutlich zurĂŒck: Die Zahl der Jobs schrumpfte um 6,2 Prozent oder knapp 50.000 auf rund 725.000 - der niedrigste Stand seit 14 Jahren. In der Autoindustrie gibt es eine Reihe von Jobabbauprogrammen, die noch ĂŒber eine lĂ€ngere Zeit laufen. Stellen abgebaut werden unter anderem bei Mercedes-Benz, im Volkswagen-Konzern und den dazugehörigen Marken sowie bei Zulieferern wie Bosch, Aumovio, ZF Friedrichshafen und Mahle.

Zulieferer besonders stark unter Druck

Gerade die Zulieferindustrie gerĂ€t im Vergleich zu den Herstellern zunehmend in BedrĂ€ngnis. Der Umsatz sank 2025 um vier Prozent, die BeschĂ€ftigung sogar um gut ein Zehntel. Seit 2019 sei damit fast jede vierte Stelle in diesem Bereich weggefallen – insgesamt rund 73.000 Jobs. Gall sieht einen beschleunigten Strukturwandel. Der AbwĂ€rtstrend habe sich zuletzt noch verstĂ€rkt, erklĂ€rte er.

Die Ursachen fĂŒr die angespannte Lage sind EY zufolge vielfĂ€ltig. Neben dem wachsenden Wettbewerbsdruck aus China und schwĂ€chelnden ExportmĂ€rkten belasten vor allem die schwache Konjunktur, geopolitische Krisen und hohe Neuwagenpreise die Nachfrage. Gleichzeitig sorgt der nur langsame Anstieg beim Verkauf von E-Autos fĂŒr weitere Probleme: Viele Unternehmen hĂ€tten hohe Investitionen getĂ€tigt, ohne dass sich die erwarteten Absatzzahlen eingestellt hĂ€tten. Hinzu kĂ€men Nachteile des Standorts Deutschland - wie hohe Kosten und BĂŒrokratie.

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