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Japanische Notenbank hebt Leitzins wie erwartet auf 31-Jahres-Hoch

Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 11:58 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

TOKIO - Die japanische Zentralbank hat den Leitzins unter anderem wegen der Folgen des Iran-Kriegs wie erwartet angehoben.

(Neu: Aussagen von Notenbankchef Kazuo Ueda und Ökonomenstimme)

TOKIO (dpa-AFX) - Die japanische Zentralbank hat den Leitzins unter anderem wegen der Folgen des Iran-Kriegs wie erwartet angehoben. Der Zinssatz wurde um 0,25 Prozentpunkte auf 1,25 Prozent nach oben gesetzt und damit auf den höchsten Stand seit 1995, teilte die japanische Notenbank (BoJ) am Freitag in Tokio mit. Die Entscheidung fiel mit 7 zu 2 Stimmen. Experten hatten mit einer Erhöhung in dieser GrĂ¶ĂŸenordnung gerechnet.

Die japanischen WĂ€hrungshĂŒter hatten den Leitzins zuletzt im Juni erhöht. Es ist die zweite Erhöhung in diesem Jahr und die sechste seit dem Ende der Epoche mit einem negativen Leitzins in Japan. Im MĂ€rz 2024 hatte die japanische Zentralbank erstmals nach 17 Jahren den Zinssatz wieder erhöht.

Da sich in der Mitteilung keine Hinweise auf weitere Zinsschritte befanden, verlor die japanische WĂ€hrung Yen nach der Entscheidung an Wert. Am Tokioter Aktienmarkt ging es dagegen nach oben. Der japanische Leitindex Nikkei 225 XC0009692440 JP9010C00002 schloss mit 1,4 Prozent im Plus.

HĂ€ndler erklĂ€rten die Kursverluste beim Yen auch mit den beiden Abweichlern bei der Zinsentscheidung, die Zweifel an kĂŒnftigen Zinserhöhungen nĂ€hren. Zudem wird auf die japanische Regierung geschaut, die kein Interesse an höheren Zinsen hat. Schließlich hat Japan den höchsten Schuldenstand im VerhĂ€ltnis zur Wirtschaftsleistung von allen Industriestaaten. Japans Staatsschuldenquote lag zuletzt bei rund 200 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Zudem belasten Zinserhöhungen die Konjunktur.

"Die Rahmenbedingungen fĂŒr die Geldpolitik haben sich verĂ€ndert", sagte Notenbankchef Kazuo Ueda nach der Zinsentscheidung. Auf die Frage, ob aufeinanderfolgende Zinserhöhungen oder grĂ¶ĂŸere Schritte möglich seien, erklĂ€rte er, die Notenbank werde vor den Zinsentscheidungen keine bestimmten geldpolitischen Optionen ausschließen.

Analysten verwiesen auf die zwei Notenbanker, die sich gegen die Zinserhöhung ausgesprochen hatten. "Viele Beobachter hatten mit weniger 'Gegenwehr' gerechnet", kommentierte Tobias Basse, Volkswirt bei der NordLB. "Die Geldpolitiker in Tokio scheinen inzwischen zwar ganz grundsĂ€tzlich eine Notwendigkeit fĂŒr eine geldpolitische Straffung zu sehen, manche Notenbanker haben nach den Zinsschritten der jĂŒngeren Vergangenheit inzwischen aber schon etwas Angst vor der eigenen Courage."

Mit der Anhebung zieht die BoJ der EuropĂ€ischen Zentralbank (EZB) und der US-Notenbank Fed nach. Die EZB hatte vergangene Woche den Leitzins erhöht und in den USA wurde dieser am Mittwoch angehoben. Dies sorgte fĂŒr zusĂ€tzlichen Zugzwang, da die japanische WĂ€hrung Yen dadurch mittelfristig wieder stĂ€rker unter Druck geraten könnte.

Dies fördert zwar die japanischen Exporte, erhöht aber auch die Preise fĂŒr Importe. Japan muss wie zum Beispiel Deutschland EnergietrĂ€ger wie Gas und Öl grĂ¶ĂŸtenteils importieren. Ein schwacher Yen treibt daher die Kosten fĂŒr diese und damit auch die Inflation.

Im Juli war der Yen im Vergleich zum US-Dollar auf den tiefsten Stand seit 40 Jahren gefallen. In der Folge hatten Japan und die Vereinigten Staaten erstmals seit vielen Jahren gemeinsam am Devisenmarkt eingegriffen und Yen gekauft. Danach hatte sich der Kurs des Yen etwas erholt, befindet sich aber immer noch auf sehr niedrigem Niveau. Die japanische Notenbank verkaufte jedoch keine US-Dollar, sondern Euro. Dies geschah wohl auf Druck der US-Regierung, die eine Belastung des US-Anleihemarkts verhindern wollte. Japan ist ein wichtiger GlÀubiger der USA.

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