JubilÀen, Christine Lagarde

25 Jahre EZB: Mit Entschlossenheit gegen hohe Inflation

24.05.2023 - 21:12:56

JubilĂ€um in schwierigen Zeiten: Die hartnĂ€ckig hohe Teuerung fordert die Euro-WĂ€hrungshĂŒter heraus. Doch die Notenbanker lassen keine Zweifel an der StabilitĂ€t der GemeinschaftswĂ€hrung aufkommen.

EZB-PrĂ€sidentin Christine Lagarde hat zum 25-jĂ€hrigen Bestehen der Notenbank die Entschlossenheit der Euro-WĂ€hrungshĂŒter im Kampf gegen die aktuell hohe Teuerung betont und zu weiteren Einigungsschritten in Europa aufgerufen. «Mit einer WĂ€hrungsunion ist es nicht getan - es gilt, den Einigungsprozess stetig fortzusetzen», sagte Lagarde am Mittwochabend zur Eröffnung eines Festaktes in Frankfurt. «Die Union sollte vielschichtig sein und im Sinne einer stĂ€rkeren Integration auch den Fiskal-, Finanz- und den Bankenbereich umfassen, vor allem wenn der Euro seinen Status als internationale WĂ€hrung festigen soll.»

Lagarde begrĂŒĂŸte zu dem Festakt in der EZB-Zentrale unter anderen Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen, die PrĂ€sidentin des EU-Parlaments, Roberta Metsola, und EU-RatsprĂ€sident Charles Michel. Auch die frĂŒheren EZB-PrĂ€sidenten Jean-Claude Trichet und Mario Draghi waren gekommen. Der erste PrĂ€sident der gemeinsamen Notenbank, Wim Duisenberg, verstarb 2005.

Stabiler Euro und niedrige Inflation

Lagarde versicherte, die EZB werde ihre vorrangige Aufgabe eines stabilen Euro erfĂŒllen und die Inflation «zeitnah» auf ihr mittelfristiges Zwei-Prozent-Ziel zurĂŒckzufĂŒhren. In einem Beitrag, der am Mittwoch in Zeitungen aller 20 EurolĂ€nder veröffentlicht wurde, schrieb Lagarde, die Teuerung sei derzeit «zu hoch und dĂŒrfte zu lange zu hoch bleiben». Die EZB habe daher «die ZinssĂ€tze in Rekordzeit erhöht» und werde sie «auf ein ausreichend restriktives Niveau anheben und dort so lange wie notwendig belassen».

Wegen der seit Monaten hartnĂ€ckig hohen Inflation, die Unternehmen wie Verbraucher belastet, haben die WĂ€hrungshĂŒter nach Jahren mit Null- und Negativzinsen die Zinsen seit Juli 2022 in einer beispiellosen Serie sieben Mal in Folge angehoben. Der Leitzins im Euroraum liegt mittlerweile bei 3,75 Prozent.

Vor 25 Jahren nahm die EZB ihre Arbeit auf

Die EZB nahm am 1. Juni 1998 ihre Arbeit auf. Am 1. Januar 1999 begann dann fĂŒr 11 der damals 15 Mitgliedstaaten der EuropĂ€ischen Union das Euro-Zeitalter: Die europĂ€ische GemeinschaftswĂ€hrung wurde zunĂ€chst elektronisch als VerrechnungswĂ€hrung genutzt neben D-Mark, Lira, Schilling und Co. Am 1. Januar 2002 verschwanden diese nationalen WĂ€hrungen, der Euro wurde in Schein und MĂŒnze in Umlauf gebracht. Seit dem Beitritt Kroatiens am 1. Januar 2023 ist die GemeinschaftswĂ€hrung nun fĂŒr mehr als 346 Millionen Menschen in 20 EU-Staaten offizielles Zahlungsmittel.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sagte bei dem Festakt, er sei zuversichtlich, dass weitere LĂ€nder dem Euroraum beitreten werden. «Der Euro hat sich als eines der erfolgreichsten europĂ€ischen Integrationsprojekte erwiesen.» Die EZB sei ein «Anker fĂŒr StabilitĂ€t im Euroraum», er unterstĂŒtze die BemĂŒhungen der Notenbank im Kampf gegen die hohe Inflation «voll und ganz», sagte der Kanzler.

Weitere Zinserhöhungen angekĂŒndigt

Lagarde hatte nach der jĂŒngsten Zinserhöhung Anfang Mai klargestellt, dass die EZB damit noch nicht am Ende sei: «Wir wissen, dass wir noch Boden gutzumachen haben.» Bundesbank-PrĂ€sident Joachim Nagel bekrĂ€ftigte am Dienstagabend in einer Rede, aus seiner Sicht seien «noch mehrere Zinsschritte erforderlich», um die Inflation nachhaltig in den Griff zu bekommen. Höhere Zinsen verteuern Kredite, was die Nachfrage bremsen und hohen Teuerungsraten entgegenwirken kann.

Der ehemalige EZB-PrĂ€sident Trichet rechnet damit, dass die Notenbank weiterhin mit höheren Teuerungsraten zu kĂ€mpfen haben wird. Er sehe drei GrĂŒnde fĂŒr einen «lĂ€ngerfristig höheren Inflationsdruck», sagte Trichet dem «Handelsblatt»: «Erstens wird die Globalisierung nicht mehr fĂŒr niedrigere Kosten und Preise sorgen wie in den vergangenen zehn Jahren.» Dazu komme «wachsende Ungleichheit» und die Notwendigkeit, die Wirtschaft klimafreundlicher zu gestalten.

Neue Serie von Hightech-Banknoten

VerlĂ€sslich sollen auch die Euro-Scheine sein und bleiben. «Wir arbeiten an der Ausgabe einer neuen Serie von Hightech-Banknoten, um FĂ€lschungen zu verhindern und die Umweltauswirkungen zu verringern», sagte EZB-Direktoriumsmitglied Fabio Panetta der französischen Tageszeitung «Les Echos». Die EZB hatte im Dezember 2021 angekĂŒndigt, sie werde die Bevölkerung in den Prozess der Neugestaltung der Geldscheine einbeziehen. Nach damaligen Angaben will der EZB-Rat 2024 ĂŒber die Herstellung neuer Banknoten entscheiden und darĂŒber, wann diese in Umlauf gebracht werden könnten.

Panetta betonte, die parallelen Arbeiten an einem digitalen Euro bedeuteten nicht den Abgesang auf das Bargeld. «Wir werden den BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern so lange Banknoten zur VerfĂŒgung stellen, wie es eine Nachfrage danach gibt.» Die EZB rechne im Juni mit einem Gesetzesvorschlag der EU-Kommission, dieser werde den Rechtsrahmen fĂŒr den digitalen Euro bilden. Im Oktober werde der EZB-Rat dann entscheiden, ob eine Vorbereitungsphase zur Entwicklung und Erprobung des digitalen Euro eingeleitet werden soll. «Diese Phase könnte zwei oder drei Jahre dauern. Wenn der EZB-Rat und die europĂ€ischen Gesetzgeber - Mitgliedstaaten und Mitglieder des EuropĂ€ischen Parlaments - zustimmen, könnten wir den digitalen Euro in drei oder vier Jahren einfĂŒhren», sagte Panetta.

@ dpa.de