ROUNDUP, Russland

G7 prĂ€sentiert sich gespalten gegenĂŒber Russland

16.06.2025 - 20:22:09

KANANASKIS - Zu Beginn des G7-Gipfels in Kanada prĂ€sentieren sich US-PrĂ€sident Donald Trump und seine europĂ€ischen VerbĂŒndeten gespalten in ihrer Haltung zu Russland.

(neu: Treffen zwischen Trump und Merz)

KANANASKIS (dpa-AFX) - Zu Beginn des G7-Gipfels in Kanada prĂ€sentieren sich US-PrĂ€sident Donald Trump und seine europĂ€ischen VerbĂŒndeten gespalten in ihrer Haltung zu Russland. WĂ€hrend Trump noch vor der ersten Arbeitssitzung den Ausschluss Russlands aus der Gruppe fĂŒhrender WirtschaftsmĂ€chte als "großen Fehler" bedauerte, drĂ€ngten die EuropĂ€er auf hĂ€rtere Sanktionen, um die Kriegsmaschinerie von PrĂ€sident Wladimir Putin zu stoppen. Ob die G7-Mitglieder wenigstens beim Krieg zwischen Israel und dem Iran auf einen gemeinsamen Nenner kommen können, war zum Auftakt der zweitĂ€gigen Beratungen vor der Kulisse der kanadischen Rocky Mountains noch völlig offen.

Die Äußerungen Trumps zu Russland können von den EuropĂ€ern nur als Provokation gewertet werden. Putin war 2014 nach der Annexion der ukrainischen Krim aus der damaligen G8 geworfen worden. Seine RĂŒckkehr gilt seitdem fĂŒr die EuropĂ€er als undenkbar - erst recht nach der Invasion in die Ukraine 2022.

"Es gÀbe jetzt keinen Krieg, wenn Russland dabei wÀre"

Trump sagte dagegen bei einem Treffen mit dem kanadischen Premierminister Mark Carney: "Ich glaube, es gÀbe jetzt keinen Krieg, wenn Russland dabei wÀre." Es mache die Sache deutlich schwieriger, dass Putin nicht mehr mit am Tisch sitze.

Putin sei sehr beleidigt gewesen, als er aus der Runde verbannt worden sei, sagte Trump weiter. "So wie ich es wĂ€re, so wie Sie es wĂ€ren, so wie es jeder wĂ€re." Der Kremlchef spreche deshalb mit niemandem außer mit ihm, betonte Trump. Momentan sei nicht der richtige Zeitpunkt, Russland wieder aufzunehmen, weil in der Zwischenzeit zu viel passiert sei, betonte er. Doch der Ausschluss damals sei falsch gewesen.

Aufnahme Chinas "keine schlechte Idee"

Trump hatte den Ausschluss Russlands in der Vergangenheit bereits vielfach als Fehler bezeichnet und zeitweise fĂŒr eine Wiederaufnahme des Landes in die Runde geworben. Davon nahm er zuletzt aber Abstand. Auf Nachfrage eines Reporters, ob China als eine der grĂ¶ĂŸten Volkswirtschaften der Welt in die Runde aufgenommen werden sollte, entgegnete Trump, dies sei "keine schlechte Idee".

Bisher war es so, dass die G7 als Wertegemeinschaft der großen Demokratien westlicher PrĂ€gung gerade aus der Abgrenzung zu Autokratien wie China und Russland ihre Daseinsberechtigung ableitete.

Trump kann sich Putin als Vermittler in Nahost vorstellen

Trump machte seine Sympathien fĂŒr Putin auch noch auf andere Weise deutlich. In einem Interview des Fernsehsenders ABC Ă€ußerte er, dass er sich Putin als Vermittler im Krieg zwischen Israel und dem Iran vorstellen kann: "Ich wĂ€re offen dafĂŒr."

Bundeskanzler Friedrich Merz, fĂŒr den der Gipfel im kanadischen Kananaskis die erste große BewĂ€hrungsprobe bei einem internationalen Treffen ist, hielt dagegen. "Ich sehe persönlich nicht, dass der russische StaatsprĂ€sident in diesem Konflikt eine vermittelnde Rolle spielen könnte", sagte er. Putin solle stattdessen seinen Krieg gegen die Ukraine beenden. "Wenn Putin diesen Krieg beendet, dann hat er an dem Schauplatz der Welt, der uns zurzeit mit am meisten beschwert, das Notwendige und das Richtige getan. Ich wĂŒrde das sehr begrĂŒĂŸen."

Merz spricht 20 Minuten mit Trump

Merz war eigentlich zuversichtlich in den Gipfel gegangen und hatte vor seinem Abflug gesagt, dass er trotz aller Differenzen auf ein Signal der Einigkeit hoffe. Noch vor der ersten Arbeitssitzung zur Lage der Weltwirtschaft traf er Trump fĂŒr 20 Minuten, um Gemeinsamkeiten auszuloten. Es war das zweite GesprĂ€ch innerhalb von zwei Wochen nach Merz' Antrittsbesuch in Washington.

Die Ziele des Kanzlers fĂŒr den Gipfel sind eine gemeinsame Position zur Eskalation im Nahen Osten, hĂ€rtere Sanktionen gegen Russland und Fortschritte im Zollstreit. Darin ist er sich mit dem französischen PrĂ€sidenten Emmanuel Macron, der italienischen MinisterprĂ€sidentin Giorgia Meloni und dem britischen Premierminister Keir Starmer sowie den EU-Spitzen weitgehend einig.

Nahost als Nagelprobe

Eine der wichtigsten Nagelproben fĂŒr die G7-Mitglieder dĂŒrfte werden, ob sie zur Eskalation im Nahen Osten eine gemeinsame Position finden. Merz sagte, die EuropĂ€er strebten eine gemeinsame ErklĂ€rung zu dem Thema an, in der vor allem betont werden solle, dass der Iran unter keinen UmstĂ€nden in den Besitz von atomwaffenfĂ€higem Material kommen darf. "Wir werden das Selbstverteidigungsrecht des Staates Israel betonen und wir werden uns auch ĂŒber möglicherweise weitere Schritte unterhalten, wie man zu einer diplomatischen Lösung kommen kann."

Selenskyj stĂ¶ĂŸt dazu

Am Dienstag wird auch der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj als Gast bei dem Gipfel erwartet und will sich auch mit Trump alleine treffen. Schon vorab forderte er die G7-Runde auf, den Druck auf Russland zu erhöhen. Die EU hat dabei mit einem 18. Sanktionspaket bereits vorgelegt. Merz hofft darauf, dass Trump nachzieht. "Ich wĂŒrde mir sehr wĂŒnschen, dass sich die Vereinigten Staaten von Amerika dem anschließen und auch auf ihrer Seite entsprechende Sanktionen verhĂ€ngen", sagte er.

Die EU-Initiative zielt darauf ab, den Druck auf Russland weiter zu erhöhen, um das Land zu Verhandlungen ĂŒber ein Ende des Krieges gegen die Ukraine zu bewegen. Die geplanten Sanktionen sollen dabei insbesondere den russischen Energie- und Bankensektor treffen. Geplant ist etwa eine Senkung des Preisdeckels fĂŒr den Verkauf von russischem Öl in LĂ€nder wie Indien oder China von derzeit 60 auf 45 US-Dollar pro Barrel (159-Liter-Fass). Der Preisdeckel war von der G7-Gruppe bereits 2022 eingefĂŒhrt worden und sieht Sanktionen gegen Akteure vor, die am Export von russischem Öl zu höheren Preisen beteiligt sind.

Streit um Zölle, Einigkeit bei begehrten Rohstoffe

Merz hofft beim G7-Gipfel auch auf Fortschritte im Zollstreit mit den USA. "Es wird auf diesem Gipfel keine Lösung geben, aber wir könnten uns einer Lösung vielleicht in kleinen Schritten nĂ€hern", sagte der CDU-Politiker. Wenn bis zum 9. Juli keine Einigung erzielt wird, greifen nach derzeitigem Stand neue hohe US-Zölle auf fast alle Exporte aus der EU in die Vereinigten Staaten - und die EU wĂŒrde ihrerseits mit Zöllen auf Einfuhren aus den USA antworten.

@ dpa.de