Kartenzahlungspflicht ab 2027: Klingbeil plant neue Vorgabe für Betriebe
Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 20:31 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Unternehmen in Deutschland sollen ab 2027 dazu verpflichtet werden, ihren Kunden neben Bargeld stets auch eine Option zur Kartenzahlung anzubieten. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil plant eine entsprechende gesetzliche Regelung für den Handel sowie die Gastronomie.
Die Eckpunkte für die Neuregelung sind nach Angaben aus Regierungskreisen bereits in der internen Abstimmung beschlossen worden. Ein konkreter Gesetzentwurf soll noch im laufenden Jahr in das Bundeskabinett eingebracht werden, bevor die Vorgabe im Jahr 2027 greifen soll.
Vorstoß zur Stärkung bargeldloser Bezahlmöglichkeiten
Die geplante Regelung sieht vor, dass Geschäfte und gastronomische Betriebe mindestens eine digitale Bezahlmethode zur Verfügung stellen müssen. Zwar ist das Vorhaben politisch auf den Weg gebracht, formal gilt die gesetzliche Pflicht zum gegenwärtigen Zeitpunkt jedoch noch als nicht endgültig beschlossen.
Befürworter verweisen auf das veränderte Zahlungsverhalten in der Bevölkerung. Laut einer Erhebung der Bundesbank erfolgten im Jahr 2023 noch rund die Hälfte aller Bezahlvorgänge in Deutschland bar. Für das Jahr 2025 meldete die Bundesbank hingegen, dass erstmals 55 Prozent der erfassten Alltagszahlungen unbar und 45 Prozent bar abgewickelt wurden.
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Eine YouGov-Umfrage untermauert diesen Wandel: Demnach konnten im vergangenen Jahr 56 Prozent der Erwachsenen in Deutschland mindestens einmal nicht digital bezahlen, obwohl sie dies gewünscht hätten. Im Jahr 2021 lag dieser Anteil noch bei 45 Prozent.
Im laufenden Jahr gerieten 39 Prozent der Befragten zwei- bis fimmale in eine solche Situation, weitere 17 Prozent sogar noch häufiger. Zudem gaben 41 Prozent der Teilnehmenden an, von einem künftig abnehmenden persönlichen Bargeldgebrauch auszugehen, während lediglich 6 Prozent einen Anstieg erwarten.
Debatte über Kosten und Margen in der Gastronomie
In Teilen der Wirtschaft stößt der Vorstoß auf Skepsis, vor allem wegen der anfallenden Transaktionskosten. So betonten einzelne Gastwirte die Bedeutung des Bargelds, während andere Betreiber von monatlichen Gebühren in Höhe von 120 bis 130 Euro beziehungsweise rund 1500 Euro pro Jahr für die Kartenterminals berichten.
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Lars Hornuf, Professor für Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Finanzwirtschaft und Finanztechnologie an der TU Dresden, bezifferte die laufenden Kosten für ein entsprechendes Lesegerät auf oft zehn bis 30 Euro.
Die variable Gebühr belaufe sich bei der Girocard auf 0,2 bis 1 Prozent, bei Kreditkarten hingegen auf 1 bis 2,5 Prozent des Umsatzes. Vor dem Hintergrund, dass die Nettomargen im Gastgewerbe selbst in wirtschaftlich guten Zeiten bei lediglich fünf bis zehn Prozent lägen, stellen solche Gebühren für manche Betriebe einen spürbaren Kostenfaktor dar.
Der Branchenverband Dehoga Hessen erklärte durch seinen Hauptgeschäftsführer Gisbert Kern, dass nach aktuellen Untersuchungen bereits mehr als 90 Prozent der Betriebe bargeldlose Bezahlung anböten. Der Verband fordert von der Politik faire, transparente und kalkulierbare Gebühren sowie angemessene Übergangsfristen und Härtefallregelungen für betroffene Betriebe.
Zahlungsdienstleister bereiten sich auf neue Vorgaben vor
Aufseiten der Finanztechnologie-Branche sorgt die geplante Kassenanforderung für neue Impulse. Zahlungsdienstleister wie die Rubean AG stellen sich auf eine Erweiterung ihrer Kundenbasis ein. Das Unternehmen bietet mit einer SoftPOS-Plattform Lösungen an, die kontaktlose Zahlungen per Nahfeldkommunikation (NFC) sowie QR-Codes ermöglichen und auf gängigen Kassenhardware-Einheiten laufen.
Durch integrierte Sicherheitskomponenten zielt das System insbesondere auf kleine und mittlere Unternehmen ab, während das Unternehmen den Ausbau von Partnerschaften mit Banken und Hardwareherstellern anstrebt.

