Kassenpflicht ab 100.000 Euro: Neuregelung ab 2028 spaltet Handel
Veröffentlicht am: 24.08.2026 um 07:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deDer Handelsverband Deutschland (HDE) hat sich gegen die PlĂ€ne der Bundesregierung ausgesprochen, eine Registrierkassenpflicht ab einem Jahresumsatz von 100.000 Euro einzufĂŒhren. Der Verband kritisierte das Vorhaben am Montag als zusĂ€tzliche bĂŒrokratische Herausforderung fĂŒr die Unternehmen. Mit der geplanten Neuregelung verfolgt die Bundesregierung das Ziel, Manipulationen an Kassensystemen sowie Steuerhinterziehung effektiver zu bekĂ€mpfen.
Kritik an digitaler Belegpflicht und Vorwurf des Wortbruchs
Neben der Umsatzschwelle sorgt insbesondere die fĂŒr den 1. Januar 2028 geplante EinfĂŒhrung einer digitalen Belegbereitstellungspflicht fĂŒr Unmut in der Branche. Der HDE bezeichnete diese MaĂnahme als Wortbruch, da der Koalitionsvertrag ursprĂŒnglich die Abschaffung der sogenannten Bonpflicht vorsah. Durch die Verpflichtung, Belege kĂŒnftig digital bereitzustellen â etwa ĂŒber QR-Codes â, bleibe die Belegpflicht faktisch bestehen.
Aus Sicht des Einzelhandels stellt dies eine EnttÀuschung dar. WÀhrend die Bundesregierung plant, die Ausgabe von Papierbelegen ab 2028 durch die digitale Bereitstellung zu ersetzen, sieht der Verband darin keine echte Entlastung.
FĂŒr die betroffenen HĂ€ndler bedeute die Umstellung vielmehr eine weitere Belastung in einem bereits anspruchsvollen regulatorischen Umfeld. Kunden sollen jedoch auch nach der Umstellung auf das digitale System weiterhin das Recht behalten, einen klassischen Papierbon zu verlangen.
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Wirtschaftliche Folgen und finanzieller Aufwand
Die Bundesregierung hat in ihrem Referentenentwurf die finanziellen Auswirkungen der Umstellung beziffert. Demnach wird fĂŒr die Wirtschaft ein einmaliger ErfĂŒllungsaufwand in Höhe von 98,748 Mio. Euro erwartet. Dem gegenĂŒber steht eine prognostizierte jĂ€hrliche Entlastung von 88,89 Mio. Euro. In anderen SchĂ€tzungen der Regierung wird die jĂ€hrliche Entlastung auf rund 88,9 Mio. Euro und der einmalige Aufwand auf 98,7 Mio. Euro gerundet.
Trotz der in Aussicht gestellten langfristigen Einsparungen warnen Interessenvertreter vor den unmittelbaren finanziellen Folgen. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) wies darauf hin, dass insbesondere kleine Betriebe durch die Kombination aus verschÀrfter Kassenpflicht und der Umstellung auf digitale Belege finanziell unter Druck geraten könnten.
Warnungen aus dem Handwerk
Besorgnis Ă€uĂert auch das BĂ€ckerhandwerk. Branchenvertreter warnten davor, dass insbesondere kleinere Betriebe mit Ă€lteren Kassensystemen vor erheblichen Problemen stĂŒnden. Die technische Anpassung an die digitale Belegpflicht erfordere Investitionen, die viele handwerkliche Betriebe zusĂ€tzlich belasten.
Die geplante Kassenpflicht ab der Umsatzgrenze von 100.000 Euro verschĂ€rfe diese Situation fĂŒr Unternehmen, die bislang mit einfacheren Systemen rechtssicher gearbeitet haben.
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Ob die von der Bundesregierung angefĂŒhrten Entlastungseffekte die initialen Investitionskosten und den bĂŒrokratischen Mehraufwand tatsĂ€chlich kompensieren können, bleibt unter den Branchenvertretern daher stark umstritten.
