Katastrophenschutzübung, Kräfte

Katastrophenschutzübung: 1.000 Kräfte testen Abläufe, Funknetz am Limit

Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 20:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Rund 1.000 Kräfte erprobten mehrere Einsatzlagen; zeitweise Ausfälle im Funkverkehr machten technische Grenzen sichtbar.

Katastrophenschutzübung: Funkprobleme und Bürgertelefon in Bentheim
Gestapelte Sandsäcke am Ufer eines Flusses als Vorbereitung auf Hochwasserschutzmaßnahmen in einer ländlichen Region. Illustration mit AI erstellt.

Um die regulären Notrufleitungen bei umfangreichen Einsatzübungen zu entlasten, richtete der Landkreis Grafschaft Bentheim für seine Großübung ein eigenes Bürgertelefon unter der Rufnummer (05921) 963 333 ein. Die Behörden verbanden die Maßnahme mit der ausdrücklichen Bitte an die Bevölkerung, bei Fragen zur Übungslage nicht den Notruf 112 zu wählen.

Hintergrund der Maßnahme waren großangelegte Übungen verschiedener Einsatzkräfte und Feuerwehren, die in mehreren Regionen die Abläufe bei Katastrophen, Amoklagen und Gefahrgutunfällen in öffentlichen Einrichtungen und Betrieben erprobten.

Belastungsgrenzen und Erkenntnisse in der Grafschaft Bentheim

Im Landkreis Grafschaft Bentheim fand von 8 bis 15 Uhr die nach Angaben der Verwaltung bislang größte Katastrophenschutzübung des Landkreises an einem Tag statt. Rund 1.000 Einsatzkräfte wurden mit mehreren unangekündigten Schadensereignissen konfrontiert, auf die geschminkte Darsteller als Opfer vorbereitet waren.

Zu den Szenarien zählten ein Gefahrgutunfall an einer Eisenbahnschiene in Bad Bentheim mit anschließender Zugevakuierung und Hubschraubertransporten zur Klinik Nordhorn, die Bekämpfung eines Vegetationsbrandes aus der Luft in Itterbeck sowie Starkregen und Hochwasser in Nordhorn mit Besucherbereichen am Vechtesee, wo Sandsäcke per Boot befördert wurden.

In seinem Fazit bewertete der Einsatzleiter die Zusammenarbeit regional, niedersachsenweit sowie mit Kräften aus Nordrhein-Westfalen und den Niederlanden als gut. Zugleich traten technische Grenzen zutage: Die Funk-Kommunikation brach zeitweise zusammen, und das Kommunikationsnetz geriet an seine Auslastungsgrenzen.

Simulationen an Industriestandorten und Kliniken

Parallele Übungen widmeten sich Zwischenfällen in sensiblen Industrie- und Gesundheitsinfrastrukturen. Im Chemiepark Knapsack in Hürth lief zwischen 10 und 14 Uhr eine Notfallübung, an der neben der Werksfeuerwehr, dem Werkschutz und dem betrieblichen Krisenstab auch die Feuerwehr Hürth, das Technische Hilfswerk (THW) Brühl sowie der Führungsstab der Kreispolizei beteiligt waren.

In Herne rückten um 11 Uhr nach Sirenenalarm 40 Feuerwehr- und Rettungswagen zum Gelände des Chemiewerks Ineos Solvent an der Shamrockstraße aus, um eine Explosion zu bewältigen. Die bis 15 Uhr dauernde Übung bezog das Marien Hospital ein und führte zu zeitweisen Verkehrsbehinderungen.

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In Lippstadt probten Einsatzkräfte aus Geseke, Erwitte und Lippstadt auf dem Gelände der Firma Lange & Co. GmbH in Benninghausen einen ABC-Einsatz an einem Tankanhänger, bei dem Messpunkte im Stadtgebiet angefahren wurden.

Auch medizinische Großeinsätze wurden trainiert: Im Gladbecker St. Barbara-Hospital evakuierten rund 200 Beteiligte von Feuerwehr und Klinik eine verrauchte Station und versorgten etwa 30 Verletztendarsteller.

In Rostock trainierten rund 400 Einsatzkräfte der Universitätsmedizin und des DRK im Ostseestadion die Versorgung von rund 70 Patienten nach einem angenommenen Drohnenabsturz; die DRK Medical Task Force baute dazu einen Behandlungsplatz für 50 Personen auf.

Laut einem Kliniksprecher verbesserte die Übung das Zusammenspiel von Zivilschutz, Rettungsdienst und Krankenhaus. In Lünen beübten Polizei und Rettungsdienst an einem Gymnasium einen Amoklauf, bei dem das DRK im Anschluss auch auf aufgetretene Schwierigkeiten hinwies.

Regionale Vernetzung im Katastrophenschutz

Weitere Verbände testeten ihre Führungsprozesse unter komplexen Bedingungen. Im Landkreis Emmendingen wurden ab 6 Uhr mehr als 550 Kräfte alarmiert. Zu den neun Szenarien gehörten Waldbrände in Elzach und Simonswald, eine Schiffskollision auf dem Rhein bei Weisweil, Gefahrstoffaustritte in Wyhl sowie ein Kellerbrand im Haus Tecum des ZfP Emmendingen mit über 40 Transportbedürftigen, bei dem das THW die Stromversorgung über ein 175-kVA-Aggregat sicherte.

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Bei der Großübung in der Grafschaft Bentheim war der Notruf 112 durch die Übungslage zusätzlich belastet – der Landkreis richtete deshalb ein eigenes Bürgertelefon ein. Wenn Sie wissen wollen, wie Sie Ihre Bevölkerung bei Großübungen und im Ernstfall gezielt informieren, ohne die Notrufleitungen zu blockieren, finden Sie im kostenlosen Leitfaden konkrete Muster und Abläufe. Leitfaden Bürgertelefon jetzt sichern

Im Verbund Dinslaken-Voerde-Hünxe trainierten 160 Kräfte unter Einbindung der Personenauskunftsstelle Kreis Wesel Führungsstrukturen, während im badischen Forst am 10. Oktober 2026 Rettungsdienste und DLRG am Heidesee Unwettereinsätze übten.

Im österreichischen Tennengau probten über 400 Kräfte bei der Übung TENT '26 Starkregen- und Giftgasszenarien am Wiestalstausee und testeten die Notstromversorgung des Stabsraums Hallein für bis zu 72 Stunden Autarkie.

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