Arzttermine: KBV erwartet ab 2027 längere Wartezeiten
Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 00:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSAmbulante Versorgung verliert Kapazitäten
- KBV-Chef Andreas Gassen erwartet ab kommendem Jahr längere Wartezeiten für gesetzlich Versicherte.
- Die Bundesregierung soll laut Gassen mehr als 50 Millionen ambulante Termine gestrichen haben.
- Ein fixes Kontingent freier Termine könnte nach seiner Einschätzung Praxistermine blockieren.
KBV erwartet längere Wartezeiten ab kommendem Jahr
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung erwartet, dass gesetzlich Versicherte ab kommendem Jahr deutlich länger auf Arzttermine warten müssen. KBV-Vorsitzender Andreas Gassen führt das auf gekürzte Mittel für die ambulante Versorgung und den Wegfall von mehr als 50 Millionen Terminen zurück.
Gassen kritisiert feste Terminquoten
Gassen sagte der „Bild“, die Bundesregierung habe durch die Kürzung der Mittel gerade mehr als 50 Millionen Termine in der ambulanten Versorgung gestrichen. Dass Arztpraxen künftig eine fixe Zahl freier Termine melden müssten, werde Patienten nach seiner Einschätzung nicht schneller zu einem Termin verhelfen.
„Im Gegenteil: Wird ein festes Kontingent zu meldender Termine festgelegt und diese damit in den Praxen blockiert, stehen diese nicht mehr für die Patienten in diesen Praxen zur Verfügung“, sagte Gassen. Die Terminnot werde sich dadurch weiter verschärfen.
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KBV fordert mehr Geld für Praxen
Die KBV habe auf diese Entwicklung wiederholt hingewiesen, sagte Gassen. Mehr Termine werde es nur geben können, wenn mehr Geld für die ambulante Versorgung bereitgestellt werde.
Gassen bezeichnete den Zusammenhang zwischen Finanzierung und Zahl der verfügbaren Termine als eine einfache wirtschaftliche Abhängigkeit. Die Debatte über die künftige Terminvergabe dürfte damit auch die Finanzierung der ambulanten Versorgung betreffen.
Die Warnung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung fällt in eine politische Debatte über den Zugang zu Facharztterminen und die unterschiedliche Behandlung von gesetzlich und privat Versicherten. In den vergangenen Tagen haben mehrere politische Akteure kürzere Wartezeiten und gleiche Chancen bei der Terminvergabe gefordert.
Der Konflikt betrifft dabei zwei Ebenen: Einerseits soll die Terminvergabe gerechter organisiert werden, andererseits verweisen die Kassenärzte auf die begrenzten Kapazitäten der Praxen. Werden zusätzliche Melde- oder Kontingentpflichten eingeführt, ohne die ambulante Versorgung finanziell und personell auszuweiten, können Praxen Termine zwar ausweisen, aber nicht automatisch mehr Behandlungen anbieten.
Finanzierung als entscheidender Faktor
Für gesetzlich Versicherte ist die Frage besonders relevant, weil sie auf die von den Kassenärzten genannten Versorgungskapazitäten angewiesen sind. Längere Wartezeiten können Vorsorge, Diagnosen und Therapien verzögern. Zugleich erhöht eine stärkere Nachfrage nach freien Terminen den Druck auf Praxen, Terminservicestellen und politische Entscheidungsträger.
Die Debatte dürfte deshalb über die konkrete Terminmeldung hinausgehen. Entscheidend wird sein, ob Bund und Selbstverwaltung zusätzliche Behandlungskapazitäten schaffen und wie eine gleichberechtigte Vergabe praktisch kontrolliert werden soll.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Frankfurter Rundschau: „Krankenkassen fordern neue Terminvergabe bei Ärzten: „Himmelschreiende Ungerechtigkeit““ (19.10.2026)
Der Beitrag stellt die Forderung des GKV-Spitzenverbands nach einer neuen Terminvergabe und dessen Kritik an langen Wartezeiten für gesetzlich Versicherte heraus. Damit liegt der Schwerpunkt auf der Verteilungsgerechtigkeit, während die dts-Meldung vor allem die von der KBV erwartete Kapazitätsverknappung betont.
tagesschau.de: „Frei fordert gleiche Chancen auf Facharzttermine“ (18.10.2026)
Der Bericht thematisiert die unterschiedlichen Wartezeiten von privat und gesetzlich Versicherten und die politische Forderung nach gleichen Zugangschancen. Offen bleibt damit wie in der dts-Meldung, ob organisatorische Vorgaben allein ausreichen oder zusätzliche Versorgungskapazitäten benötigt werden.
Gemeinsam ist den Beiträgen der Fokus auf den Zugang zu Facharztterminen. Unterschiede bestehen bei der Gewichtung: Während politische und verbandliche Forderungen die Vergabegerechtigkeit hervorheben, warnt die KBV vor einer Verschärfung der Terminnot durch begrenzte ambulante Ressourcen.
