Arbeitsplatz, Standards

KI am Arbeitsplatz: 38% nutzen Tools, aber nur 55% sind offiziell

Veröffentlicht am: 09.09.2026 um 20:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Unternehmen setzen KI zunehmend ein, doch fehlende Standards, ungleiche Nutzung und rechtliche Vorgaben erschweren die breite Integration.

KI im Unternehmen: Von Pilotprojekten zur strukturierten Umsetzung
Modernes, minimalistisches Büro-Interieur mit klaren architektonischen Linien und natürlicher Lichtstimmung. Illustration mit AI erstellt.

Die Implementierung von Künstlicher Intelligenz (KI) in Unternehmensprozesse erfordert zunehmend eine strukturierte Herangehensweise, um über isolierte Pilotprojekte hinauszugehen.

Ein aktueller Fachbeitrag vom 9. September 2026 unterstreicht, dass eine klare KI-Roadmap die Richtung top-down vorgeben muss. Dabei sollten Projekte konsequent nach ihrem geschäftlichen Wert, der technischen Machbarkeit und ihrer Anschlussfähigkeit an bestehende Systeme bewertet werden.

Als zentrale Anwendungsfelder gelten derzeit der Kundenservice durch den Aufbau gemeinsamer Wissensbasen sowie die Automatisierung von Dokumentenprozessen.

Systematische Begleitung für den Mittelstand

Für mittelständische Unternehmen gewinnt die externe Prozessbegleitung an Bedeutung. Die in Augsburg ansässige schnell.digital GmbH, die seit 2017 über 75 Projekte umgesetzt hat, bietet hierfür vier aufeinander aufbauende Pakete an. Diese gliedern sich in die Phasen Orientierung, Fahrplan, Umsetzung und Programm. Der Einstieg erfolgt dabei häufig über einen Prozess-Potenzial-Check, um erste Ansatzpunkte für Automatisierungen zu identifizieren.

Dass ein systematischer Ansatz notwendig ist, belegt eine Studie der Universität Konstanz aus dem Mai 2026 mit 1.105 Teilnehmenden. Zwar stieg die KI-Nutzung am Arbeitsplatz im Vergleich zum Vorjahr von 35 Prozent auf 38 Prozent an, jedoch wird nur etwas mehr als die Hälfte der verwendeten Tools (55 Prozent) offiziell durch die Unternehmen bereitgestellt.

Besonders in der Büro- und Wissensarbeit ist die Verbreitung mit 49 Prozent hoch, während sie in produktionsnahen Bereichen bei 25 Prozent liegt. Zudem zeigt sich ein deutliches Bildungsgefälle: Während 56 Prozent der Hochqualifizierten KI nutzen, sind es bei Beschäftigten mit niedrigerem Bildungsstand lediglich 21 Prozent.

Sektorale Unterschiede und demografischer Wandel

In der Versorgungswirtschaft wird KI vermehrt als Instrument gegen den Fachkräftemangel eingesetzt. Das Analyse-Tool KI-Pathfinder von M3 LAB wird bereits bei über fünf Stadtwerken genutzt, um anstehende Renteneintritte bis zum Jahr 2040 mit dem Automatisierungspotenzial durch KI zu vergleichen.

In vielen untersuchten Fällen übersteigt das rechnerische Potenzial der KI die erwarteten Abgänge. So setzen beispielsweise die Stadtwerke Bruchsal bereits auf spezialisierte Chatbot-Lösungen.

In hochspezialisierten Bereichen wie Steuerabteilungen berichtet die Kanzlei Rödl & Partner zwar von belegbarem Nutzen durch generative KI, stellt jedoch fest, dass Pilotprojekte häufig scheitern. Experten der Kanzlei raten dazu, Testfallkataloge mit 20 bis 30 realen Fachfragen zu erstellen und die KI-Schritte fest im steuerlichen Kontrollsystem (Tax CMS) zu verankern.

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Skalierung in Großunternehmen und rechtliche Rahmenbedingungen

Großunternehmen wie der Technologiekonzern NEC treiben die Transformation durch die Umstellung auf Cloud-Systeme und die Integration von KI-Lösungen in Kernprozesse voran. Auch im Einzelhandel ist die Technologie präsent: Das Unternehmen Otto verzeichnet für sein Tool ogGPT nach einem Jahr rund 7.000 aktive Nutzer pro Monat. Payback beschäftigt bereits seit September 2025 eine eigene Leitung für die KI-Befähigung der Gruppe.

Dieser Trend wird durch regulatorische Vorgaben flankiert. Der EU AI Act verpflichtet Unternehmen seit dem 2. Februar 2025 gemäß Artikel 4 zum Aufbau von KI-Kompetenz. Laut einer Studie von Workday sehen 74 Prozent der Deutschen in KI eine chance zur Verbesserung ihrer Arbeit, während dieser Wert global bei 83 Prozent liegt. Das Unternehmen Dr. Wolff nutzt bereits seit sieben Jahren eigene KI-Tools und beschäftigt ein Team von 20 Datenanalysten.

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Technische Voraussetzungen und menschliche Kontrolle

Trotz des Fortschritts betonen Experten die Grenzen der Technologie. Ein Manager von Cisco wies am 9. September 2026 darauf hin, dass KI eine „Statistikmaschine“ bleibe, die für verlässliche Ergebnisse präzise konfiguriert werden müsse. Voraussetzung für KI-gestützte Netzwerkautomatisierung sei eine strikte Standardisierung der Infrastruktur.

Auch die talentsconnect AG warnt davor, KI ohne Kontext einzusetzen. Das Unternehmen nutzt strukturierte Interviews und agentische Auswertungen zur Wissenssicherung, betont jedoch, dass die Technologie kein Ersatz für menschliche Verantwortung sei.

In der Fertigung arbeitet das Fraunhofer IWU an der Plattform Orcha-3. Diese nutzt agentische KI, um komplexe Aufgaben in Teilschritte zu zerlegen und lokal auszuführen, wobei die Entscheidungswege für den Menschen nachvollziehbar bleiben sollen.

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