KI-Effekt auf Löhne: 48,3% der Betriebe senken Gehälter für Einsteiger
Veröffentlicht am: 12.08.2026 um 15:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der verstärkte Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in der deutschen Wirtschaft wird voraussichtlich zu einer deutlichen Verschiebung der Lohnstrukturen führen. Wie das Ifo-Institut am 12. August 2026 auf Basis einer Umfrage unter mehr als 3.000 KI-nutzenden Unternehmen mitteilte, rechnen insbesondere Beschäftigte mit geringer Berufserfahrung mit Gehaltseinbußen. Demnach erwarten 48,3 % der Betriebe sinkende Löhne für Mitarbeiter, die weniger als fünf Jahre Berufserfahrung und keinen Hochschulabschluss vorweisen können. Demgegenüber stehen lediglich 5,9 %, die in dieser Gruppe von steigenden Gehältern ausgehen.
Qualifikationsniveau und Berufserfahrung als entscheidende Faktoren
Die Erwartungen der Unternehmen hängen maßgeblich vom Ausbildungsgrad und der Dauer der Betriebszugehörigkeit ab. Bei Beschäftigten mit weniger als fünf Jahren Berufserfahrung, die über einen Hochschulabschluss verfügen, prognostizieren sogar 50,8 % der befragten Firmen sinkende Löhne, während 16,3 % mit Zuwächsen rechnen.
Mit zunehmender Erfahrung scheint der Druck auf die Gehälter moderat abzunehmen, bleibt jedoch signifikant. Bei einer Berufserfahrung von mindestens fünf Jahren ohne Hochschulabschluss erwarten 40,4 % der Unternehmen sinkende und 9,7 % steigende Löhne. Am stabilsten zeigt sich die Situation für erfahrene Akademiker: Hier gehen 37,5 % von sinkenden Gehältern aus, während 26 % eine positive Lohnentwicklung erwarten. Dies unterstreicht den Trend, dass hochqualifizierte Fachkräfte mit langjähriger Erfahrung vergleichsweise am stärksten von der technologischen Entwicklung profitieren könnten.
Dienstleistungssektor besonders von Lohnanpassungen betroffen
Ein detaillierter Blick auf die verschiedenen Wirtschaftszweige zeigt deutliche Unterschiede. Im Dienstleistungssektor ist die Erwartung sinkender Löhne bei Berufseinsteigern ohne Hochschulabschluss mit 53,3 % am stärksten ausgeprägt. Bei erfahreneren Kräften in dieser Branche liegt der Wert bei 44,2 %.
Im Handel erwarten 47,9 % der Unternehmen für Einsteiger ohne akademischen Grad geringere Gehälter (41,3 % bei langer Berufserfahrung). Ähnlich stellt sich die Lage im Verarbeitenden Gewerbe dar, wo 46,5 % mit Abschlägen bei Berufsanfängern und 38,9 % bei Erfahrenen rechnen. Die Bauwirtschaft zeigt sich etwas zurückhaltender: Hier prognostizieren 39 % sinkende Löhne für Beschäftigte mit kurzer und 31,3 % für solche mit langer Berufserfahrung ohne Hochschulabschluss.
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Globale Herausforderungen für den Berufseinstieg
Diese Entwicklung deckt sich mit Beobachtungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) vom 12. August 2026. Die Organisation weist darauf hin, dass KI den Berufseinstieg weltweit erschwere. Betroffen seien vor allem kaufmännische, administrative sowie Tätigkeiten im Verkauf, in der Produktion und in technischen Bereichen. Laut ILO stieg die weltweite Jugendarbeitslosigkeit zwischen 2023 und 2025 von 12,3 % auf 12,4 %, was rund 67 Millionen Menschen im Alter von 15 bis 24 Jahren betrifft. In Europa wird die Quote auf 15 % beziffert. Die ILO fordert vor diesem Hintergrund verstärkte Investitionen in die Aus- und Weiterbildung.
Strategiewechsel bei Start-ups und Großkonzernen
Auch die Personalplanung in jungen Unternehmen wird durch die Technologie beeinflusst. Eine Umfrage des Branchenverbandes Bitkom unter 102 Start-ups ergab am 12. August 2026, dass 27 % der Firmen in den vergangenen zwölf Monaten aufgrund von KI auf Neueinstellungen verzichtet haben. 7 % bauten Stellen ab, während 16 % KI-bedingt neues Personal einstellten. Für das kommende Jahr erwarten 28 % einen Einstellungsverzicht durch KI-Einflüsse. Dennoch planen 62 % der Start-ups insgesamt einen Personalaufbau von durchschnittlich vier Stellen.
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Parallel dazu zeigen Daten von Großunternehmen die praktischen Auswirkungen der Restrukturierung. So sank die Belegschaft des Softwarekonzerns Oracle im Jahresvergleich von 162.000 auf 141.000 Mitarbeiter. Das Unternehmen verbuchte Restrukturierungskosten in Höhe von 1,84 Milliarden US-Dollar und wies darauf hin, dass der KI-Einsatz zu weiteren Maßnahmen beim Personalbestand führen könnte.
Lohnaufschläge für spezifische KI-Kompetenzen
Trotz der allgemeinen Erwartung sinkender Basisgehälter signalisieren Marktdaten eine hohe Zahlungsbereitschaft für gezielte Kompetenzen. Laut einer Untersuchung der ManpowerGroup vom 11. August 2026 zahlen 56 % der Arbeitgeber Lohnaufschläge für nachgewiesene KI-Kenntnisse. Bei Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern liegt dieser Anteil sogar bei 66 %.
Neben technischem Know-how gewinnen soziale Kompetenzen an Wert: 66 % der Arbeitgeber honorieren Kommunikations- und Teamfähigkeiten mit höheren Löhnen, gefolgt von Professionalität (60 %) und Anpassungsfähigkeit (59 %). Während 51 % der Betriebe KI-Tools primär als Produktivitätstreiber sehen, bleibt der allgemeine Beschäftigungsausblick für das dritte Quartal 2026 mit einem Wert von +19 positiv, wenngleich er deutlich unter dem globalen Durchschnitt liegt.
