KI-Gigafactories: EU startet 30-Milliarden-Ausschreibung für sieben Zentren
Veröffentlicht am: 01.08.2026 um 23:06 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Im Rahmen einer großangelegten Initiative zur Stärkung der digitalen Souveränität hat die Europäische Kommission Ende Juli 2026 das offizielle Bieterverfahren für den Bau von bis zu sieben KI-Gigafactories eingeleitet. Das Projekt umfasst ein Gesamtvolumen von mehr als 30 Milliarden Euro und zielt darauf ab, die Abhängigkeit von außereuropäischen Technologiekonzernen massiv zu reduzieren.
Das Vorhaben sieht die Errichtung von Rechenzentren vor, die über eine Kapazität von mindestens 100.000 KI-Chips verfügen müssen. Damit würden diese Anlagen die Kapazitäten der derzeit größten bestehenden Rechenzentren in der Europäischen Union um das Vierfache übertreffen. Aktuell verfügt die EU über 19 KI-Zentren; durch die neue Initiative soll sich die Gesamtkapazität mehr als verdoppeln.
Finanzierungsstruktur und Aufteilung der Lose
Das Gesamtinvestment von über 30 Milliarden Euro setzt sich aus verschiedenen Quellen zusammen. Bis zu 10 Milliarden Euro sollen als öffentliche Mittel bereitgestellt werden, wobei sich die Europäische Union und die beteiligten Mitgliedstaaten die Summe hälftig teilen. Von privater Seite werden Investitionen in Höhe von mindestens 20 Milliarden Euro erwartet.
Die Ausschreibung ist in zwei unterschiedliche Lose unterteilt:
- Los 1: Umfasst bis zu vier Projekte, die in einer ersten Phase mit bis zu 100 Millionen Euro und in einer zweiten Phase mit bis zu 400 Millionen Euro gefördert werden können.
- Los 2: Sieht bis zu drei Projekte vor, für die in Phase eins bis zu 200 Millionen Euro und in Phase zwei bis zu 800 Millionen Euro veranschlagt sind.
Wer jetzt in KI investiert, könnte die größte Wachstumswelle seit dem Internet nutzen. Dieser Gratis-Report zeigt, welche drei Unternehmen im globalen KI-Rennen aktuell vorne liegen. 3 KI-Gewinner-Aktien jetzt kostenlos entdecken
Hinsichtlich der öffentlichen Mittel besteht jedoch ein Vorbehalt: Im aktuellen EU-Haushalt ist lediglich rund 1 Milliarde Euro fest gesichert. Die Finanzierung der restlichen Summen ist an den kommenden mehrjährigen EU-Finanzrahmen (MFF) gebunden. Zudem gilt gemäß der Verordnung 2026/150 des Rates eine Obergrenze von 17 Prozent für den EU-Anteil an den Kapitalkosten.
Zeitplan und Bewerberfeld
Interessierte Konsortien können ihre Bewerbungen bis zum 12. November 2026 einreichen. Die Auswahlentscheidung soll Anfang 2027 fallen, woraufhin der Baubeginn noch im selben Jahr geplant ist. Der operative Betrieb wird laut Zeitplan etwa 18 Monate nach Vertragsunterzeichnung erwartet.
Bisher haben 18 Mitgliedstaaten ihre Beteiligung signalisiert, wobei 76 Konsortien ihr Interesse an insgesamt 60 Standorten in 16 Ländern bekundet haben. Zu den Ländern mit konkretem Interesse gehören neben Deutschland auch Italien, Frankreich, Polen, Tschechien, Dänemark, Finnland, Griechenland, Portugal und Spanien. Frankreich plant zudem ein eigenes Angebot. In Österreich wurde Kritik laut, da Wien im aktuellen Verfahren nicht berücksichtigt wurde.
In Deutschland bewerben sich mehrere Unternehmen getrennt voneinander, darunter die Telekom, Schwarz Digits sowie Ionos in Kooperation mit Hochtief. Auch Impossible Cloud und Blue Swan zählen zum Bewerberkreis. Namhafte Großunternehmen wie SAP und Siemens halten sich hingegen derzeit zurück.
Die nächste industrielle Revolution hat bereits begonnen – kennen Sie die Unternehmen hinter diesem massiven Technologiewandel? Erfahren Sie im Gratis-Report, wo Milliarden-Investitionen in Robotik und KI derzeit die größten Chancen eröffnen. Kostenlosen Report zur Industrierevolution herunterladen
Strategische Ziele und wirtschaftliche Rahmenbedingungen
Die Koordination des gesamten Verfahrens übernimmt das EuroHPC Joint Undertaking. Die zuständige Kommissarin Henna Virkkunen bezeichnete das Projekt als eine strategische Notwendigkeit für Europa. Das Ziel ist es, insbesondere Startups, dem Mittelstand, der Forschung und dem öffentlichen Sektor einen direkten Zugang zu Hochleistungs-KI-Ressourcen zu ermöglichen.
Um die technische Basis zu sichern, wurden bereits Absichtserklärungen mit den US-amerikanischen Chipherstellern Nvidia, AMD und Qualcomm unterzeichnet. Dennoch steht das Projekt vor wirtschaftlichen Herausforderungen: Die Stromkosten in der EU liegen aktuell etwa zwei- bis dreimal höher als in den USA oder China. Derzeit befinden sich zudem alle fünf führenden Cloud-Anbieter auf dem europäischen Markt in US-Hand, was den Druck zur Schaffung eigener Infrastrukturen erhöht. Die Ausschreibung war ursprünglich bereits für den Jahresanfang vorgesehen, verzögerte sich jedoch aufgrund von Klärungsbedarf bei der Finanzierung.
Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.
