KI-Nutzung spaltet Arbeitswelt: 80% Akademiker, 33% ohne Abschluss
Veröffentlicht am: 10.09.2026 um 21:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Künstliche Intelligenz hält Einzug in Thüringer Unternehmen. Die Weiterbildung der Beschäftigten kommt damit aber kaum hinterher.
Das zeigt eine Erhebung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) unter 1.134 Betrieben und Verwaltungen im Freistaat. Die Daten stehen repräsentativ für rund 52.000 Organisationen.
Demnach nutzen 17 Prozent der Befragten Digitalisierung und KI, um ihre Produktivität zu steigern. Doch nur etwa ein Drittel dieser Anwenderbetriebe bietet spezifische Schulungen an. Verbindliche KI-Regeln bleiben die Ausnahme: Nur rund ein Viertel hat entsprechende Richtlinien.
Mitbestimmung? Fehlanzeige
Die Studie offenbart zugleich ein strukturelles Defizit in der Thüringer Wirtschaft. Nur 7 Prozent der Betriebe haben einen Betriebs- oder Personalrat. Gerade einmal jedes fünfte Unternehmen ist tarifgebunden.
Immerhin: Knapp die Hälfte der Betriebe machte 2025 ein allgemeines Weiterbildungsangebot. Angesichts der Lücke bei der KI-Qualifizierung fordert Arbeitsministerin Schenk (SPD) klare Regeln und mehr Kompetenzaufbau in den Betrieben.
Logistik: Chance erkannt, Fachkräfte fehlen
In der Logistikbranche zeigt sich ein ähnliches Bild. Laut einer Bitkom-Umfrage unter 502 Unternehmen ab 20 Beschäftigten sehen 91 Prozent der Logistiker die Digitalisierung als Chance.
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Der KI-Einsatz ist gestiegen – von 22 Prozent im Jahr 2022 auf 51 Prozent. Doch 73 Prozent der Branchenvertreter nennen fehlende Fachkräfte und mangelndes Know-how als größtes Hemmnis.
Die personelle Lage bleibt angespannt: 87 Prozent der Firmen klagen über Personalmangel. Am stärksten gesucht werden Zusteller (64 Prozent) und Fahrer (55 Prozent). Auch bei IT-Experten liegt die Engpassquote bei fast 50 Prozent.
Zwar bieten 73 Prozent der Logistikunternehmen KI-Schulungen an. Doch nur in 8 Prozent der Fälle richten sich diese an die gesamte Belegschaft. Ein Viertel verzichtet bislang komplett auf KI-Weiterbildungen.
Eine soziale Spaltung bei der KI-Nutzung
Auf Bundesebene bestätigt sich ein Bildungsgefälle. Ein BIBB-Datenreport vom Mai 2026 zeigt: 62 Prozent der Beschäftigten in Deutschland nutzen KI. Bei Tätigkeiten mit Hochschulabschluss sind es 80 Prozent, bei Beschäftigten ohne Berufsabschluss nur 33 Prozent.
Dazu kommt eine informelle Nutzung. Laut einer Erhebung von Tieto Austria und TQS nutzen 17 Prozent der Berufstätigen KI heimlich im Job – ohne offizielle Freigabe. Bei den 16- bis 29-Jährigen ist diese „Schatten-KI" mit 24 Prozent besonders verbreitet.
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Eine Konstanzer Studie aus dem Mai 2026 ergänzt: Nur 55 Prozent der KI-Nutzenden verwenden offiziell vom Arbeitgeber eingeführte Tools. In kleinen Organisationen erhalten zudem nur 11 Prozent der Beschäftigten KI-Trainings.
Teure Lücken
Die unstrukturierte Einführung hat finanzielle Folgen. Der Camunda-Report „The AI Process Gap" beziffert die durchschnittlichen Kosten gescheiterter KI-Projekte auf 1,55 Millionen US-Dollar (1,33 Millionen Euro) pro Unternehmen.
Hauptursache seien prozessuale Probleme. 82 Prozent der befragten Entscheider erwarten, dass KI-Projekte ohne grundlegendes Re-Design der Geschäftsprozesse scheitern.
Es gibt aber Gegenbewegungen. Die Friedhelm Loh Group eröffnete in Haiger ein Kompetenzcenter für Robotik, Sensorik und KI. Ab 2027 soll der neue Ausbildungsberuf „Fachinformatiker für digitale Vernetzung" die Qualifizierungslücke weiter schließen.
