KI-Projekte, Prozessproblemen

KI-Projekte in HR: 72% scheitern an Prozessproblemen

Veröffentlicht am: 10.09.2026 um 20:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Intelligente HR-Plattformen steigern die Effizienz, doch Studien zeigen hohe Kosten und Ausfallrisiken bei fehlender Prozessneugestaltung.

KI verändert HR: Automatisierung trifft auf neue Prozessrisiken
Heller, minimalistischer Büroraum mit großen Fenstern und Blick auf einen begrünten Innenhof, der Ordnung und Effizienz vermittelt. Illustration mit AI erstellt.

In der modernen Personalverwaltung zeichnet sich eine deutliche technologische Weiterentwicklung ab. Experten beobachten einen Übergang von starren Softwaresystemen hin zu intelligenten, KI-gestützten Agenten und sprachgesteuerten Werkzeugen. Ziel dieser Transformation ist es, Prozesse wie die Lohnabrechnung, das Recruiting und allgemeine HR-Aufgaben durch einen hohen Automatisierungsgrad effizienter zu gestalten.

Evolutionäre Stufen der HR-Systemlandschaft

Die Entwicklung der Personalprozesse lässt sich in vier wesentliche Evolutionsstufen unterteilen. Während die Anfänge durch papierbasierte Abläufe geprägt waren, folgten darauf einfache Dateiablagen und die Kommunikation via E-Mail. In der dritten Stufe etablierten sich spezialisierte Insellösungen sowie starre HR-Suites.

Aktuelle Analysen im September 2026 deuten darauf hin, dass sich Unternehmen zunehmend der vierten Stufe zuwenden: sogenannten Human-Centric-HR-Suites. Diese Systeme kombinieren künstliche Intelligenz mit No-Code-Technologien. Sie decken den gesamten Lebenszyklus eines Mitarbeiters ab und lassen sich ohne Programmierkenntnisse an individuelle Anforderungen anpassen.

Ein wesentlicher Vorteil integrierter HR- und Payroll-Lösungen liegt in der Reduktion von Reibungsverlusten, da Daten nur noch einmalig erfasst werden müssen.

Effizienzgewinne in der betrieblichen Praxis

Praxisbeispiele belegen das Potenzial dieser integrierten Plattformen. Das Unternehmen SUMMIT IT CONSULT, das innerhalb von drei Jahren von 250 auf 400 Mitarbeitende wuchs, konnte die Bearbeitungszeit für Neueintritte nach der Einführung einer solchen Plattform deutlich verkürzen.

Auch in der Lohnabrechnung führen spezialisierte Werkzeuge zu Zeitersparnissen. Der Maschinenbauer Iwis rechnet für rund 2.000 Beschäftigte in Deutschland monatlich über SAP HCM ab. Durch den Einsatz des Schemen- und Regeln-Analyzers sowie des FIS/hrd CCC, deren Einführung lediglich zwei Tage in Anspruch nahm, erzielt das Unternehmen laut eigenen Angaben eine Zeitersparnis von mindestens drei Vierteln beim Testen einzelner Personen.

Im Bereich der Versichertenbetreuung setzt die AOK PLUS auf eine KI-Plattform von NiCE Cognigy, die in einer europäischen Sovereign Cloud betrieben wird. Jährlich werden darüber mehr als 5 Millionen Kontakte bearbeitet. In das System sind rund 2.400 Mitarbeitende und 120 Kompetenzprofile eingebunden. Die Anrufannahmequote liegt bei über 95 Prozent, wobei die Migration von mehr als 1.400 Telefonnummern ohne Ausfallzeiten realisiert wurde.

Anzeige

Wer im Zuge der digitalen Transformation neue Teammitglieder schneller integrieren und langfristig binden möchte, profitiert von einer klaren Struktur. Dieser kostenlose Leitfaden liefert eine praxiserprobte Checkliste, mit der Führungskräfte vom ersten Tag an Vertrauen schaffen. Kostenlose Onboarding-Checkliste jetzt herunterladen

Herausforderungen und die Problematik gescheiterter Projekte

Trotz der technologischen Fortschritte bleiben KI-Projekte risikobehaftet. Die Camunda-Studie „The AI Process Gap“, für die Sapio Research im Juli und August 2026 Daten erhob, verdeutlicht die Problematik.

Demnach berichten 72 Prozent der befragten Unternehmen von gescheiterten KI-Projekten aufgrund von Prozessproblemen. Die durchschnittlichen Kosten für solche Fehlschläge belaufen sich auf 1,55 Millionen US-Dollar (1,33 Millionen Euro) pro Unternehmen.

Rund 82 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass KI-Initiativen ohne ein vorheriges Prozess-Re-Design scheitern werden. Zudem gaben 40 Prozent der Unternehmen an, in den vergangenen zwölf Monaten mit Compliance- oder Governance-Problemen im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz konfrontiert gewesen zu sein.

Strategische Integration in globale Unternehmensabläufe

Große Organisationen wie das 1899 gegründete Unternehmen NEC nutzen den Wechsel in die Cloud für eine umfassende Neuausrichtung. Mit dem Ansatz „Rise with SAP“ und einer „Clean-Core“-Strategie werden Geschäftsprozesse durch die Integration von SAP Business AI und dem Assistenten Joule automatisiert.

Anzeige

Die zunehmende Digitalisierung und der Einsatz von KI stellen Unternehmen auch vor neue rechtliche Herausforderungen. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden bietet einen kompakten Überblick über alle Anforderungen, Pflichten und Fristen der aktuellen EU-KI-Verordnung. Gratis E-Book zum EU AI Act sichern

Auch im Finanz- und Treasury-Bereich gewinnt die Automatisierung an Tiefe. Nomentia erweiterte seine Treasury-Suite unter anderem um KI-Agenten, Natural-Language-Reporting und prädiktive Vorhersagen. Das System verarbeitet jährlich mehr als 2 Billionen Euro für über 1.400 Teams weltweit.

Anbieter wie Esker stellen ebenfalls neue Frameworks für Agentic AI vor, die auf Source-to-Pay- und Order-to-Cash-Prozessen basieren. Kundenberichten zufolge lassen sich damit die Rechnungsverarbeitung zu über 90 Prozent automatisieren und die Außenstandsdauer von Forderungen (DSO) um mehr als 40 Prozent verkürzen.

Genehmigungsprozesse und die Auftragsabwicklung können durch diese Technologien um mehr als das Dreifache beschleunigt werden. Eine vertiefende Vorstellung dieser Systeme ist für Anfang Oktober in Hamburg geplant.

Disclaimer...

de | wirtschaft | 70083479 |