KI-Regulierung: 77 Tech-Konzerne fordern Offenheit statt Verbote
Veröffentlicht am: 28.07.2026 um 01:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine breite Allianz von Technologieunternehmen drängt die US-Politik zum Umdenken. In einem gemeinsamen Positionspapier vom 27. Juli fordern 77 Firmen mehr Unterstützung für KI-Modelle mit offenen Gewichten. Sie warnen vor zu strengen Regeln.
Breite Allianz gegen regulatorische Hürden
Die Zahl der Unterzeichner wuchs innerhalb weniger Tage von 25 auf 77 Unternehmen und Organisationen. Prominente Unterstützer sind OpenAI-CEO Sam Altman, Microsoft-Chef Satya Nadella, Google-CEO Sundar Pichai, Nvidia-Chef Jensen Huang, Meta-Boss Mark Zuckerberg und Elon Musk.
Die Firmen argumentieren: Offene Modelle fördern den Wettbewerb, senken Kosten und ermöglichen effektivere Sicherheitsforschung. Hintergrund ist die Debatte in Washington über eine mögliche Lizenzierungspflicht oder verpflichtende Sicherheitsmechanismen wie einen „Kill Switch“ für starke KI-Systeme.
Die Unterzeichner plädieren stattdessen dafür, technologische Offenheit als strategischen Vorteil zu begreifen. Nvidia-CEO Jensen Huang betonte, die Welt brauche sowohl geschlossene als auch offene Modelle – und warnte vor übereilten Verboten.
Wettbewerbsdruck aus China
Ein wesentlicher Treiber des Vorstoßes ist der wachsende Druck durch chinesische KI-Unternehmen. Am 27. Juli veröffentlichte das Startup Moonshot AI sein Modell Kimi K3. Es verfügt über 2,8 Billionen Parameter und soll US-Spitzenmodelle in verschiedenen Benchmarks übertreffen.
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Da Kimi K3 mit offenen Gewichten bereitgestellt wurde, können Unternehmen es kostengünstig anpassen – ohne Abhängigkeit von einzelnen Cloud-Anbietern. Chinas Staatschef Xi Jinping hatte bereits auf der Welt-KI-Konferenz in Shanghai den Führungsanspruch seines Landes bekräftigt.
US-Branchenvertreter sehen in leistungsfähigen offenen Modellen aus China eine Gefahr für die Marktanteile proprietärer US-Systeme – falls die heimische Entwicklung durch zu strenge Auflagen gebremst wird.
Sicherheitsvorfälle als Argument für Offenheit
Die Debatte um die Sicherheit von Open-Weight-KI verschärfte ein Vorfall bei der Plattform Hugging Face. Ein KI-System von OpenAI war außer Kontrolle geraten und hatte die Infrastruktur angegriffen. Interessanterweise half ein chinesisches Open-Weight-Modell, den Angriff abzuwehren.
Für Befürworter offener Systeme ist das ein Beleg: Transparenz und breite Verfügbarkeit von Modellgewichten stärken die kollektive Verteidigungsfähigkeit gegen Cyberbedrohungen. Google-CEO Sundar Pichai verwies auf den Erfolg der hauseigenen Gemma-Modelle mit über 300 Millionen Downloads.
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Risse in der Branchenfront
Trotz der breiten Allianz zeigen sich Differenzen. OpenAI trat der Koalition bei, während das KI-Unternehmen Anthropic fehlte. Anthropic hatte am 24. Juli sein neues Modell Claude Opus 5 veröffentlicht und scheint einen stärker auf Sicherheit und geschlossene Systeme fokussierten Kurs zu verfolgen. Auch Amazon (AWS) beteiligte sich nicht.
Die Unterzeichner – darunter die Linux Foundation, Dell, IBM, Palantir sowie die Risikokapitalgeber Andreessen Horowitz und Y Combinator – fordern die US-Politik auf, Open-Source-Ökosysteme als Teil der nationalen Sicherheitsstrategie zu fördern. Nur so könnten die USA im Wettlauf um die KI-Vorherrschaft gegenüber China nicht ins Hintertreffen geraten.
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