KI-Substitution: 19,2% der Unternehmen ersetzen Akademiker
13.06.2026 - 01:30:54 | boerse-global.de
Fast jedes fünfte KI-nutzende Unternehmen in Deutschland sieht die Möglichkeit, Hochschulabsolventen durch geringer qualifizierte Mitarbeiter zu ersetzen. Das zeigt eine aktuelle Ifo-Umfrage unter rund 3.000 Firmen.
Die am 12. Juni veröffentlichten Daten sind eindeutig: 19,2 Prozent der Unternehmen, die Künstliche Intelligenz einsetzen, halten eine solche Substitution für leicht oder sehr leicht realisierbar. Besonders der Handel treibt den Trend voran – dort sehen 28,6 Prozent der befragten Firmen dieses Potenzial.
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KI als Jobkiller für Akademiker?
Insgesamt setzen bereits 54,5 Prozent aller deutschen Unternehmen KI-Lösungen ein. 15 Prozent der Betriebe glauben zudem, dass sich auch langjährige Berufserfahrung durch Technologie kompensieren lässt.
Die Mehrheit von 55,4 Prozent hält den Ersatz hochqualifizierter Kräfte zwar weiterhin für schwierig oder unmöglich. Dennoch zeichnet sich ein Wandel ab: KI bereitet komplexe Aufgaben offenbar so auf, dass Personal mit niedrigerem Bildungsgrad sie bewältigen kann.
Strategielücke und „Schatten-KI“
Trotz der hohen Nutzungsrate klaffen große Lücken in der Umsetzung. Eine Analyse vom Januar zeigte: 74 Prozent der deutschen Großunternehmen mit über 2.000 Mitarbeitern haben eine KI-Strategie – aber nur 34 Prozent können sie operativ steuern. Haupthindernisse sind komplexe IT-Infrastrukturen und fehlendes Fachwissen.
Eine weitere Studie vom Jahresanfang ergänzt: Gerade 16 Prozent der Firmen fühlen sich im Talentmanagement ausreichend auf die Transformation vorbereitet.
Der Landesbeauftragte für den Datenschutz Niedersachsen warnte am 12. Juni zudem vor „Schatten-KI“. Unternehmen sollten private KI-Accounts für berufliche Zwecke nicht tolerieren, da dies zu massiven Datenschutzverstößen führe. Die KI-Verordnung verlange von Arbeitgebern, klare Regeln für den Technologieeinsatz zu erlassen.
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Menschliche Kontrolle bleibt unverzichtbar
Auf der Haufe HR Online-Konferenz am 11. Juni diskutierten Experten die sozialen Folgen. Der Soziologe Steffen Mau von der Humboldt-Universität Berlin betonte: Die Bedeutung der Meritokratie nehme ab, Aufstiegschancen hingen wieder stärker von der Herkunft ab. KI könne aber helfen, die individuelle Lernkurve der Mitarbeiter zu fördern – statt nur Lebensläufe zu sortieren.
Dass KI-Systeme in Personalentscheidungen hochgradig beeinflussbar sind, belegte das SAIL-Forschungsnetzwerk. In Tests schwenkte ChatGPT bei Personalentscheidungen in 99,9 Prozent der Fälle um – nur acht simulierte Gegenstimmen reichten aus. Das unterstreicht die Notwendigkeit menschlicher Kontrolle.
Integration in den Arbeitsalltag
Die technische Umsetzung schreitet voran. SAP AppHaus und NTT Data Business Solutions erweitern ihre Partnerschaft, um KI-Lösungen direkt in Cloud-ERP-Systeme zu integrieren. Ziel: isolierte Pilotprojekte durch skalierbare Anwendungen ersetzen.
Das Unternehmen Pleo kündigte KI-Agenten fürs Finanzmanagement an, die ab Juli in die Testphase gehen. Sie sollen Rechnungsprüfung und Buchhaltung automatisieren – Bereiche mit erheblichen Effizienzdefiziten. Auch die Berufsgenossenschaft ETEM sieht Potenzial in KI-Assistenten für den Arbeitsschutz, mahnt aber zur konsequenten menschlichen Überprüfung.
