USA und Ukraine einigen sich auf Rohstoffabkommen
01.05.2025 - 07:35:33(Neu: Weitere Details)
KIEW/WASHINGTON (dpa-AFX) - Die USA und die Ukraine haben sich nach langem Ringen auf die Einrichtung eines Wiederaufbaufonds geeinigt, der den Vereinigten Staaten auch Zugang zu BodenschĂ€tzen in dem von Russland angegriffenen Land gewĂ€hren soll. Beide Seiten bestĂ€tigten die Einigung am Mittwochabend (Ortszeit) in Washington, gaben aber nur wenige Details preis. Das Abkommen wurde in einer entscheidenden Phase in den Verhandlungen ĂŒber ein Friedensabkommen geschlossen: US-PrĂ€sident Donald Trump drĂ€ngt auf ein rasches Ende des Krieges in der Ukraine und zeigte sich zuletzt entnervt ĂŒber die ausbleibenden Fortschritte.
Der Republikaner setzte die Ukraine in der Vergangenheit bei der Ressourcen-Frage massiv unter Druck. Er betrachtete potenzielle Gewinne aus dem Rohstoffabbau als Ausgleich fĂŒr finanzielle und militĂ€rische UnterstĂŒtzung der USA. Nach der nun getroffenen Vereinbarung betonte Trump, dass die USA viel mehr zurĂŒckbekommen wĂŒrden, als sie bisher investiert hĂ€tten. Er bekrĂ€ftigte seine Sichtweise, dass eine wirtschaftliche PrĂ€senz der USA in der Ukraine auch eine Sicherheitsgarantie fĂŒr das Land darstelle.
US-Finanzminister Scott Bessent und die ukrainische Vizeregierungschefin Julia Swyrydenko unterzeichneten das Vertragswerk in der US-Hauptstadt. Der Text des Abkommens wurde zunĂ€chst nicht veröffentlicht. Vorgesehen ist aber ein Investitionsfonds zur gemeinsamen Ausbeutung ukrainischer BodenschĂ€tze, der Mittel zum Wiederaufbau des kriegszerstörten Landes erwirtschaften soll. Die USA erhalten damit einen privilegierten Zugang zu ukrainischen Ressourcen - darunter Metalle der seltenen Erden, die fĂŒr Hochtechnologie wichtig und strategisch bedeutsam sind.
Bessent spricht von klarem Signal an Russland
Trumps Finanzminister Bessent wurde mit Blick auf die Inhalte der Einigung nicht sonderlich konkret, zeigte sich aber zufrieden. Das Abkommen sei ein klares Signal an die russische FĂŒhrung, dass sich die Trump-Regierung langfristig fĂŒr einen Friedensprozess einsetze, in dessen Mittelpunkt "eine freie, souverĂ€ne und prosperierende Ukraine" stehe.
Die ukrainische Vizeregierungschefin Swyrydenko nannte mehr Einzelheiten. Der kĂŒnftige Wiederaufbaufonds solle in Projekte zur Förderung von Mineralien, Ăl und Gas sowie in damit verbundene Infrastruktur investieren, erklĂ€rte sie. "Die Ukraine und die Vereinigten Staaten werden gemeinsam die zu finanzierenden Investitionsprojekte festlegen", schrieb sie auf Facebook. Investiert werden dĂŒrfe nur in der Ukraine. In den ersten zehn Jahren solle der Fonds Gewinne und Einnahmen nicht ausschĂŒtten, sondern reinvestieren.
Um Bedenken in der Ukraine vor einem möglichen Ausverkauf zu begegnen, betonte Swyrydenko, dass der Fonds gleichberechtigt mit den USA betrieben werde. Die Ukraine werde ihren Anteil am Fonds nicht aus bestehenden Rohstoffprojekten leisten, sondern 50 Prozent der Einnahmen aus kĂŒnftigen Förderlizenzen oder RohstoffverkĂ€ufen einzahlen. Ihren Facebook-Beitrag versah Swyrydenkos mit einem harmonisch wirkenden Gruppenfoto, das sie und Bessent neben zufrieden lĂ€chelnden UnterhĂ€ndlern zeigt.
Swyrydenko: Ukraine muss MilitĂ€rhilfen nicht zurĂŒckzahlen
Umstritten war in den Verhandlungen, ob die Ukraine MilitĂ€r- und Finanzhilfen der USA mit Hilfe der Rohstoffausbeutung quasi zurĂŒckzahlen muss. Dies ist nach Angaben Swyrydenkos nicht der Fall.
Die USA könnten ihren Beitrag zu dem Fonds auch mit MilitĂ€rhilfe leisten, zum Beispiel mit Flugabwehrwaffen, erlĂ€uterte sie. Die Ukraine mĂŒsse keine Schulden wegen bisheriger Waffen- oder Finanzhilfen aus den USA seit Beginn des russischen Angriffskrieges im Februar 2022 tragen. In keinem der PartnerlĂ€nder sollen demnach Steuern auf die Einnahmen des Fonds anfallen.
Verhandlungen ĂŒber das Abkommen liefen seit Februar. Sie standen aber nach einem beispiellosen Eklat zwischen Trump, dessen Vize JD Vance und dem ukrainischen PrĂ€sidenten Wolodymyr Selenskyj im WeiĂen Haus vor dem Scheitern. SchlieĂlich konnten sich beide LĂ€nder doch auf einen neuen Anlauf verstĂ€ndigen. Mitte April unterzeichneten Kiew und Washington eine AbsichtserklĂ€rung fĂŒr den Abschluss des Rohstoffabkommens.
Regierung: Rohstoffvorkommen bleiben Eigentum der Ukraine
Das eigentliche Abkommen muss vor Inkrafttreten noch vom ukrainischen Parlament ratifiziert werden. MinisterprĂ€sident Denys Schmyhal versicherte schon vor der Unterzeichnung des Deals: "Die Ukraine behĂ€lt die Kontrolle ĂŒber ihre Ressourcen. Das heiĂt, BodenschĂ€tze, Infrastruktur, Rohstoffe sind nicht Teil oder Voraussetzung des Fonds oder der Vereinbarung."
Selenskyj hatte das Abkommen im vergangenen Herbst vorgeschlagen, um an Trumps SelbstverstĂ€ndnis als GeschĂ€ftsmann zu appellieren und Sicherheitsgarantien der USA zu erhalten. Die Hoffnung auf solche Garantien erfĂŒllte sich nach allem, was bekannt ist, zunĂ€chst nicht.
Am vergangenen Wochenende kam Selenskyj dann in Rom am Rande der Trauerfeier nach dem Tod von Papst Franziskus fĂŒr ein GesprĂ€ch mit Trump zusammen. Bilder davon, wie sich die beiden StaatsmĂ€nner auf zwei StĂŒhlen gegenĂŒbersitzen, gingen um die Welt. Angesprochen darauf, was er Selenskyj gesagt habe, antwortete Trump nun im US-Fernsehen, er habe dem Ukrainer geraten, ein Abkommen zu unterzeichnen, "weil Russland viel gröĂer und viel stĂ€rker ist".
Odessa unter heftigem Drohnenbeschuss
Derweil setzt Russland seinen Angriffskrieg mit unverminderter HĂ€rte fort. Bei einem groĂen Drohnenangriff auf die ukrainische Hafenstadt Odessa wurden in der Nacht nach Angaben örtlicher Behörden zwei Menschen getötet und fĂŒnf weitere verletzt. Mehrstöckige WohnhĂ€user, ein Supermarkt, eine Schule und Autos seien beschĂ€digt worden und mehrere BrĂ€nde ausgebrochen, teilte Regionalgouverneur Oleh Kiper mit. Auch die GroĂstadt Charkiw und die Stadt Sumy unweit der russischen Grenze wurden Behördenangaben zufolge attackiert. Die Angaben lieĂen sich nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen.

