Klärschlammverordnung: Phosphor-Rückgewinnung wird ab 2029 Pflicht
Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 14:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deAb dem 1. Januar 2029 greifen für Kläranlagenbetreiber in Deutschland tiefgreifende rechtliche Vorgaben zur Schlammverwertung. Gemäß der Klärschlammverordnung müssen Betreiber Schlämme mit einem Gehalt von mindestens 20 g Phosphor pro Kilogramm Trockenmasse recyceln oder verbrennen.
Zugleich wird das Ausbringen von Klärschlamm auf landwirtschaftlichen Böden für Anlagen mit mehr als 100.000 Einwohnerwerten untersagt; ab 2032 erstreckt sich dieses Verbot auch auf kleinere Anlagen mit mehr als 50.000 Einwohnerwerten.
Während das Bundesumweltministerium nach dem Stand von Oktober 2026 an dem Starttermin im Jahr 2029 festhält, fordert die Wasserwirtschaft einen Aufschub der Fristen.
Fehlende Kapazitäten belasten die Umsetzung
Hintergrund der Verordnung ist das Ziel, die endliche Ressource Phosphor zurückzugewinnen. Das Umweltbundesamt bezifferte die Phosphormenge im Klärschlamm für das Jahr 2016 auf 54.000 Tonnen pro Jahr, womit sich rechnerisch 38 Prozent des Mineraldüngerbedarfs decken ließen.
Die thermische Verwertung hat in den vergangenen Jahren bereits spürbar zugenommen: Laut dem Statistischen Bundesamt entsorgten kommunale Kläranlagen im Jahr 2024 rund 1,67 Millionen Tonnen Klärschlamm. Davon wurden 82 Prozent verbrannt und nur noch 12 Prozent als Dünger genutzt, verglichen mit einem Düngeanteil von 30 Prozent im Jahr 2009.
Dennoch drohen erhebliche Engpässe bei den Entsorgungswegen. Eine vom Umweltbundesamt veröffentlichte Studie der RWTH Aachen aus dem Jahr 2025 zeigte, dass für 59 Prozent des ab 2029 zu behandelnden Schlamms – geschätzt etwa 1,5 Millionen Tonnen Trockenmasse – bislang keine geplanten Recyclingkapazitäten existieren. Aus diesem Grund verweist die Wasserwirtschaft auf erhebliche praktische Hürden bei der fristgerechten Einhaltung der Vorgaben.
Ab dem 1. Januar 2029 müssen Kläranlagen Schlämme mit mindestens 20 g Phosphor pro Kilogramm Trockenmasse recyceln oder verbrennen — und für einen Großteil des Schlamms fehlen bislang geplante Recyclingkapazitäten. Dieser kostenlose Leitfaden zeigt Ihnen in 3 Schritten, wie Sie Fristen, Pflichten und Entsorgungskosten frühzeitig ordnen. Kostenlosen Leitfaden jetzt anfordern
Kommunen kämpfen mit steigenden Kosten und Modernisierungen
Auf kommunaler Ebene zeichnen sich die finanziellen Belastungen bereits deutlich ab. So lehnte beispielsweise der Gemeinderat in Kreßberg die Vergabe der Klärschlammentsorgung mit Phosphorrückgewinnung aus Kostengründen ab.
Das Thema beschäftigt gegenwärtig zahlreiche Ratsgremien bundesweit, da Entsorgungsverträge angepasst oder neu ausgeschrieben werden müssen. In Bayern schrieb etwa die Stadt Hauzenberg die Klärschlammentsorgung und -verwertung für 2027 in einem offenen Verfahren unterhalb der EU-Schwelle aus, wobei die Angebotsfrist am 3. November 2026 endete.
Parallel dazu rüsten viele Betreiber ihre Infrastruktur auf oder prüfen Anpassungen in der Schlammbehandlung. Die Verbandsgemeinde Rhein-Mosel prüft etwa eine Umstellung auf Schlammfaulung an den Anlagen Kobern-Gondorf und Alken oder den Bau einer zentralen Behandlungsanlage.
Entsorgungsverträge müssen angepasst oder neu ausgeschrieben werden — und mancherorts scheitert die Vergabe mit Phosphorrückgewinnung bereits an den Kosten. Wer die Investitionen und Vertragslaufzeiten jetzt durchrechnet, vermeidet teure Nachbesserungen. Die Kostenplanung für Klärschlamm-Entsorgung zeigt, welche Posten Sie einplanen müssen. Kostenplanung jetzt herunterladen
Andere Träger setzen großflächige Umbauten um: Der Entsorgungsverband Saar schloss an der Kläranlage Saarbrücken-Brebach ein fünfjähriges Modernisierungsprojekt mit einem Investitionsvolumen von rund 13 Millionen Euro ab, um unter anderem über neue Faultürme und Blockheizkraftwerke den Energiebedarf maßgeblich selbst zu decken.
In Büttelborn soll die Zentralkläranlage eine vierte Reinigungsstufe mit Tuchfiltration zur Phosphorelimination erhalten, für die Kosten von rund 14,98 Millionen Euro veranschlagt sind.
