Klinik-Gewalt, Notaufnahmen

Klinik-Gewalt: 95% der Notaufnahmen berichten von Übergriffen

Veröffentlicht am: 26.07.2026 um 20:40 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Zwei Drittel der deutschen KrankenhĂ€user melden zunehmende Übergriffe auf BeschĂ€ftigte. Die BundesĂ€rztekammer plĂ€diert fĂŒr eine bundesweite Erfassung der VorfĂ€lle.

Gewalt gegen Klinikpersonal: Ärztekammer fordert zentrales Meldesystem
Ein Stethoskop auf einem medizinischen Arbeitsplatz in einem modernen, hellen Klinikflur. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Zwei Drittel der deutschen KrankenhÀuser berichten von mehr Gewalt gegen ihr Personal. Die BundesÀrztekammer fordert jetzt ein bundesweites Meldesystem.

Besonders hart trifft es die Notaufnahmen: 95 Prozent der Einrichtungen registrieren dort Übergriffe. Die Gewalt reicht von verbalen Beleidigungen bis zu physischen Attacken wie Tritten, WĂŒrgen oder dem Werfen von GegenstĂ€nden. In EinzelfĂ€llen kam es sogar zu Bedrohungen mit Stich- oder Schusswaffen.

Dramatische EinzelfÀlle belegen den Trend

Das Evangelische Krankenhaus Göttingen (EKW) zĂ€hlte 2025 insgesamt 24 VorfĂ€lle – doppelt so viele wie im Vorjahr. Auch das UniversitĂ€tsklinikum Göttingen (UMG) bestĂ€tigt eine steigende Tendenz. Das Klinikum Werra-Meißner berichtet von einer deutlichen VerschĂ€rfung des Umgangstons seit 2020.

Doch die offiziellen Zahlen zeigen nur die Spitze des Eisbergs. Eine Umfrage der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) fĂŒr 2024 ergab: Nur 42 Prozent der Kliniken zeigen GewaltvorfĂ€lle konsequent an. Große HĂ€user mit mehr als 600 Betten gehen mit 69 Prozent deutlich hĂ€ufiger juristisch vor als kleine Kliniken mit nur 31 Prozent.

Systemkrise als NĂ€hrboden fĂŒr Aggression

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Die zunehmenden Spannungen fallen mit einer tiefgreifenden Krise zusammen. Rund 40 Prozent der PflegekrĂ€fte erwĂ€gen einen Berufsabbruch. Auf 100 PflegekrĂ€fte kommen jĂ€hrlich 28,2 Fehltage wegen Burnout – doppelt so viele wie im Durchschnitt anderer Berufe.

Die wirtschaftliche Lage verschĂ€rft den Druck: 2025 schrieben rund 75 Prozent der KrankenhĂ€user rote Zahlen. KBV-Chef Andreas Gassen warnt zudem vor organisatorischem Chaos durch geplante Reformen. Er kritisiert die PlĂ€ne von Gesundheitsministerin Warken, die Patientensteuerung ĂŒber zahlreiche einzelne Kassen-Apps abzuwickeln. Stattdessen fordert er eine zentrale Plattform ĂŒber die bestehende Nummer 116117.

Erste Kliniken setzen auf Null-Toleranz-Politik, Deeskalationsschulungen und kollegiale Erstbetreuer fĂŒr betroffene Mitarbeiter. Doch ohne ein nationales Meldesystem bleiben prĂ€ventive Maßnahmen laut Fachleuten StĂŒckwerk.

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Dunkelziffer auch bei Behandlungsfehlern

Parallel zur Gewaltproblematik fordern Initiativen wie „Lines VermĂ€chtnis“ und der Verein „Fokus Behandlungsfehler“ eine bessere Meldekultur bei Patientensicherheit. 2024 wurden deutschlandweit mehr als 3.300 folgenschwere Behandlungsfehler offiziell festgestellt. Experten schĂ€tzen die Dunkelziffer jedoch enorm hoch – nur drei Prozent der Fehler werden demnach erfasst.

In Rheinland-Pfalz meldete die Techniker Krankenkasse fĂŒr 2025 einen Anstieg der VerdachtsfĂ€lle um 12,2 Prozent auf 321 FĂ€lle.

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