Bahn-Reisende, Ziel

Fast jeder dritte Bahn-Reisende verspÀtet am Ziel

31.12.2023 - 04:26:36

Knapp 30 Prozent der FahrgĂ€ste mussten im laufenden Jahr VerspĂ€tungen im Fernverkehr der Deutschen Bahn hinnehmen. Ein GrĂŒnen-Verkehrspolitiker fordert mehr Beachtung fĂŒr stark ausgelastete ZĂŒge.

Fast jeder dritte Fahrgast im Fernverkehr der Deutschen Bahn war im laufenden Jahr von VerspĂ€tungen betroffen. Das waren in etwa so viele wie im Gesamtjahr 2022, wie aus einer Antwort der Bahn auf eine Anfrage des GrĂŒnen-Verkehrspolitikers Matthias Gastel hervorgeht. Diese liegt der Deutschen Presse-Agentur vor. Demnach kamen rund 69,6 Prozent der Bahn-Reisenden zwischen Januar und November dieses Jahres pĂŒnktlich ans Ziel. Alle anderen waren mit VerspĂ€tung unterwegs.

Die sogenannte ReisendenpĂŒnktlichkeit unterscheidet sich von der PĂŒnktlichkeitsstatistik, die die Bahn monatlich online veröffentlicht. Letztere bildet lediglich ab, wie viele ZĂŒge im jeweiligen Monat unpĂŒnktlich waren, also mit mindestens sechs Minuten VerspĂ€tung am Ziel ankamen. Im November betraf das fast jeden zweiten Fernzug. Von ihrem selbstgesteckten Ziel von einer ZugpĂŒnktlichkeit von mehr als 70 Prozent im Gesamtjahr 2023 ist die Bahn weit entfernt.

Die ReisendenpĂŒnktlichkeit misst hingegen, wann die einzelnen FahrgĂ€ste am Ziel ankamen. Sie berĂŒcksichtigt also auch ZugausfĂ€lle oder Ersatzverkehre. Als verspĂ€tet geht ein Fahrgast in diese Statistik ein, wenn er mindestens 15 Minuten spĂ€ter am Ziel ankommt, als der Fahrplan es vorsah. Zwischen 2017 und 2020 lag die FahrgastpĂŒnktlichkeit der Bahn zufolge stets bei ĂŒber 80 Prozent. Seither hat sie stark abgenommen. Diese Zahlen veröffentlicht die Bahn bisher lediglich einmal im Jahr, im GeschĂ€ftsbericht der Tochter DB Fernverkehr.

Marodes Schienennetz und zahlreiche Baustellen

Der Abgeordnete Gastel fordert deshalb eine regelmĂ€ĂŸigere Auskunft. «Diese Angabe sagt ĂŒber das Ausmaß an Betroffenheit unter den FahrgĂ€sten mehr aus als das bloße ZĂ€hlen von ZĂŒgen», teilte er mit. «Wenn 30 Prozent der FahrgĂ€ste zu spĂ€t an ihrem Ziel ankommen, dann waren allein im November weit ĂŒber drei Millionen Menschen betroffen.» Es brauche eine klar erkennbare Strategie. Die Bahn mĂŒsse sich etwa im tĂ€glichen Betrieb darum kĂŒmmern, dass ZĂŒge mit hoher Auslastung oder solche mit knappen AnschlĂŒssen mehr Beachtung fĂ€nden.

Die hohe UnzuverlĂ€ssigkeit der Bahn liegt vor allem am seit Jahrzehnten vernachlĂ€ssigten Schienennetz, das an vielen Stellen marode, veraltet und völlig ĂŒberlastet ist. Zahlreiche Baustellen bremsen den Zugverkehr bundesweit aus. Die Bundesregierung hat deshalb zusĂ€tzlich viele Milliarden Euro zugesagt, um das Bestandsnetz in den kommenden Jahren grundlegend zu sanieren. Dutzende stark belastete Korridore sollen bis 2030 nun in Angriff genommen, fĂŒr jeweils rund ein halbes Jahr komplett gesperrt und rundum saniert werden.

Start ist im kommenden Sommer auf der sogenannten Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim. Von Neujahr an ist die Strecke bereits fĂŒr einige Wochen voll gesperrt, um vorbereitende Maßnahmen fĂŒr die Generalsanierung in der zweiten JahreshĂ€lfte durchzufĂŒhren.

@ dpa.de