GESAMT-ROUNDUP, Feuerpause

GESAMT-ROUNDUP: Feuerpause im Gaza-Krieg rĂŒckt nĂ€her - Details ĂŒber Austausch

22.11.2023 - 16:49:09

Knapp sieben Wochen nach Beginn des Gaza-Krieges soll es erstmals zu einer Feuerpause zwischen Israel und der islamistischen Hamas kommen.

Zugleich könnte am Donnerstag ein Teil der von der Hamas beim Terrorangriff am 7. Oktober verschleppten israelischen Geiseln freikommen. Im Gegenzug sollen als Teil einer am Mittwoch bekanntgemachten Vereinbarung zwischen Israel und der Hamas palĂ€stinensische HĂ€ftlinge aus israelischen GefĂ€ngnissen entlassen werden. Mit der Waffenruhe soll es auch grĂ¶ĂŸere Hilfslieferungen fĂŒr die notleidende Zivilbevölkerung im Gazastreifen geben.

Die islamistische Hamas und die israelische Regierung haben sich auf eine maximal zehntÀgige Feuerpause in Israel und dem abgeriegelten Gazastreifen geeinigt. Teil der Vereinbarung ist ein Austausch von bis zu 100 Geiseln aus Israel gegen bis zu 300 palÀstinensische Insassen israelischer GefÀngnisse. Die Kampfpause soll nach Angaben der Hamas am Donnerstag um 10.00 Uhr Ortszeit (9.00 Uhr MEZ) beginnen.

Terroristen der Hamas und anderer Gruppierungen hatten am 7. Oktober im SĂŒden von Israel beispiellose Massaker verĂŒbt, rund 1200 Menschen getötet und etwa 240 Geiseln nach Gaza verschleppt - darunter auch Deutsche. Von den 240 Verschleppten wurden bislang vier weibliche Geiseln von der Hamas freigelassen. Eine junge Soldatin konnte vom MilitĂ€r befreit werden. Die Armee fand zudem die Leichen zweier Frauen. Wie viele insgesamt noch am Leben sind, ist unklar.

Israels MilitĂ€r flog als Reaktion auf den Terror der Hamas Luftangriffe auf den Gazastreifen und rĂŒckte mit Bodentruppen in das abgeriegelte KĂŒstengebiet ein. Nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums wurden dabei mehr als 16 000 Menschen getötet.

Kampfpause wird maximal zehn Tage dauern

In einem ersten Schritt geht es einem israelischen Kabinettsbeschluss zufolge um den Austausch von 50 israelischen Geiseln und 150 palĂ€stinensischen HĂ€ftlingen innerhalb von vier Tagen. Die Geiseln und HĂ€ftlinge sollen dabei in jeweils vier Gruppen freigelassen werden. FĂŒr die Übergabe von mindestens zehn israelischen Geiseln an israelische SicherheitskrĂ€fte werde eine Zahl von HĂ€ftlingen freigelassen, hieß es. Wie viele, ging aus dem Dokument nicht hervor. In einem zweiten Schritt sollen ebenfalls in kleineren Gruppen bis zu 50 weitere israelische Geiseln fĂŒr bis zu 150 weitere palĂ€stinensische HĂ€ftlinge ausgetauscht werden.

FĂŒr den gesamten Austausch sind maximal zehn Tage vorgesehen. SpĂ€testens danach soll der Kampf der israelischen Armee gegen die Hamas und andere islamistische Extremisten im Gazastreifen weitergehen.

Alle Geiseln sollen Israelis oder Einwohner Israels sein

Die israelische Nachrichtenseite Ynet meldete, Israel dĂŒrfe der Vereinbarung zufolge die Namen der 100 Geiseln, die freikommen sollen, an die Hamas ĂŒbermitteln. Teil des Deals soll demnach auch sein, dass entfĂŒhrte MĂŒtter und Kinder bei der Freilassung nicht voneinander getrennt werden. Alle Geiseln sollen laut Regierungsbeschluss die israelische StaatsbĂŒrgerschaft haben oder Einwohner Israels sein. Ob auch Doppelstaatler mit deutschem Pass darunter sein könnten, war unklar.

Israel nennt Details zu den beim Gaza-Deal freikommenden HĂ€ftlingen

Israel gab am Mittwoch Namen und Einzelheiten zu den inhaftierten PalĂ€stinensern bekannt, die fĂŒr eine Freilassung infrage kommen. 123 der 300 Gefangenen sind demnach Jugendliche unter 18 Jahren. Die JĂŒngsten sind erst 14 Jahre alt. 33 HĂ€ftlinge sind der Auflistung zufolge MĂ€dchen und Frauen. Zur Last gelegt wird ihnen unter anderem das Werfen von Brandbomben, Brandstiftung oder Messerattacken.

Israelische Medien hatten zuvor berichtet, dass keine HĂ€ftlinge freigelassen wĂŒrden, die wegen Mordes im GefĂ€ngnis sitzen. Sie sollen demnach in die Orte zurĂŒckkehren, in der sie vor ihrer Inhaftierung gelebt haben, etwa ins Westjordanland oder nach Ost-Jerusalem.

Die Veröffentlichung der Einzelheiten ĂŒber die palĂ€stinensischen HĂ€ftlinge soll Medien zufolge der Öffentlichkeit die Möglichkeit geben, gegen die Freilassung bestimmter Personen Einspruch beim Obersten Gericht einzulegen. Nach Angaben eines israelischen Regierungssprechers könnten unter anderem Angehörige von Terroropfern dies innerhalb von 24 Stunden tun. Es wird jedoch nicht erwartet, dass das Gericht gegen die Entscheidung der Regierung vorgehen wird.

Israel: Armee hat rund 400 TunnelschÀchte in Gaza zerstört

Die israelischen StreitkrÀfte griffen erneut Ziele der islamistischen Hamas im Gazastreifen an. Seit Beginn des Gaza-Krieges am 7. Oktober zerstörten Soldaten rund 400 TunnelschÀchte im Gazastreifen, teilte das MilitÀr am Mittwoch mit. Viele der Tunnel der islamistischen Hamas seien unter zivilen KrankenhÀusern, Schulen und HÀusern gewesen.

Im sandigen Boden des rund 45 Kilometer langen und etwa sechs bis 14 Kilometer breiten Gazastreifens mit seinen mehr als zwei Millionen Einwohnern gibt es nach israelischen Angaben ein Netz unterirdischer Tunnel. Die islamistische Hamas hatte 2007 in dem KĂŒstengebiet gewaltsam die Macht an sich gerissen. Sie will den Staat Israel zerstören.

PalÀstinenser: Sechs Tote bei Armeeeinsatz im Westjordanland

Bei einem Einsatz der israelischen Armee im nördlichen Westjordanland wurden nach palÀstinensischen Angaben sechs Menschen getötet. Das Gesundheitsministerium in Ramallah bestÀtigte am Mittwoch den Tod der PalÀstinenser in Tulkarem. Unklar war zunÀchst, ob die Toten Mitglieder extremistischer Gruppen gewesen waren. Die israelische Armee teilte zunÀchst nur mit, man warte auf weitere Details zu dem Vorgang.

Seit den Massakern von Terroristen der islamistischen Hamas und anderer Gruppen am 7. Oktober hat sich die Sicherheitslage im von Israel besetzten Westjordanland massiv verschlechtert. Bei Konfrontationen mit israelischen Soldaten, aber auch Attacken von israelischen Siedlern, sind seither 216 PalÀstinenser getötet worden, wie das Gesundheitsministerium mitteilte.

@ dpa.de