Automatisierung soll Koffer-Frust im Luftverkehr reduzieren
22.06.2023 - 07:48:39Software soll verloren gegangenes GepĂ€ck im Luftverkehr kĂŒnftig automatisch, schneller und kostengĂŒnstiger mit dem Besitzer vereinen. Ein Test mit der Lufthansa am Flughafen in MĂŒnchen war nach Angaben des Airline-IT-Dienstleisters Sita vielversprechend. Sita und Lufthansa gehen davon aus, dass mit der Sita-Software 70 Prozent der in MĂŒnchen nicht richtig beförderten GepĂ€ckstĂŒcke automatisch zu ihren Besitzern dirigiert werden können. Die Lufthansa ist in Verhandlungen mit Sita ĂŒber den Einsatz der Software, wie eine Sprecherin bestĂ€tigte.
«Der Verlust des eingecheckten GepĂ€cks ist die Sorge Nummer eins bei Passagieren», sagte die Sita-GepĂ€ck-Beauftragte Nicole Hogg der Deutschen Presse-Agentur. Die Software biete auch den Service, Passagiere direkt nach der Landung automatisch per SMS zu informieren, wenn ihr Koffer nicht im Flieger war. «Es ist dann nicht mehr nötig, eine Stunde frustriert am GepĂ€ckband zu warten und im BĂŒro fĂŒr verlorenes GepĂ€ck anschlieĂend Beschreibungen abzugeben und Formulare auszufĂŒllen,» sagte Hogg. Die Informationen, wann das GepĂ€ck eintrifft, komme auch automatisch auf das Handy. «So können Sie den Flughafen zumindest zeitig verlassen.»
Nach Angaben von Hogg muss bislang meist mit groĂem Personalaufwand nach verlorenen GepĂ€ckstĂŒcken und neuen Wegen zum Zielort gesucht werden. Ein nicht richtig befördertes GepĂ€ckstĂŒck könne eine Airline bis zu 150 Dollar (rund 137 Euro) kosten, sagte Hogg. 2022 seien weltweit 25,4 Millionen Koffer fehlgeleitet gewesen. Das habe die Industrie 2,2 Milliarden Dollar gekostet. Mit einer weitreichenden Automatisierung des Prozesses könne die Industrie im Jahr 30 Millionen Dollar sparen, schĂ€tzt Sita. Dabei wird das ursprĂŒngliche Kofferetikett genutzt, die ErfassungsgerĂ€te im GepĂ€ckbereich erkennen es und leiten es auf den bestmöglichen nĂ€chsten Flug um.
Nicht genĂŒgend qualifiziertes Personal
Nach einer Sita-Auswertung ist die Zahl der fehlgeleiteten GepĂ€ckstĂŒcke 2022 auf 7,6 pro 1000 Passagiere gestiegen, von 4,35 im Vorjahr und 5,6 vor der Pandemie. Die Branche habe nicht mit einer so schnellen Erholung des Flugverkehrs gerechnet und nicht genĂŒgend qualifiziertes Personal gehabt. Die Rate der fehlgeleiteten GepĂ€ckstĂŒcke sei weltweit zwischen 2007 und 2019 um 70 Prozent gesunken.
Europa hat seit Jahren die schlechtesten Werte: 2022 waren dort 15,7 GepĂ€ckstĂŒcke pro 1000 Passagiere nicht richtig befördert worden. Das liege teils an veralteten Systemen, sagte Hogg. Zudem gebe es viele Billig-Airlines, die weniger in Verbesserungen investierten. Inzwischen arbeiteten aber praktisch alle Fluggesellschaften daran, den Verbleib von GepĂ€ckstĂŒcken kĂŒnftig in Echtzeit zu ermitteln.
Auch das Einchecken wird nach Sita-Angaben weiter automatisiert. In einer Sita-Umfrage sagten 96 Prozent der befragten Airlines, sie wollten bis 2025 Kioske zum Ausdrucken von Kofferetiketten und die Aufgabe von GepÀck ohne die Hilfe von Airline-Personal anbieten.


