Konzerndeals: Interne Konflikte scheitern öfter als Verhandlungen
Veröffentlicht am: 18.08.2026 um 00:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Dynamik komplexer Unternehmenszusammenschlüsse und strategischer Verhandlungen wird oft durch Faktoren bestimmt, die außerhalb des eigentlichen Verhandlungstisches liegen.
Eine Analyse im Harvard Business Manager (Ausgabe 9/2026) verdeutlicht, dass zahlreiche Großprojekte nicht an der harten Haltung des Verhandlungspartners scheitern, sondern an internen Strukturen und Konflikten innerhalb der Organisationen.
Demnach führen eine mangelhafte Einbindung relevanter Stakeholder sowie bürokratische Hürden häufig zu langwierigen Verhandlungsschleifen, die effiziente Entscheidungen blockieren.
Regulierungsrisiken durch mangelnde Abstimmung
Wie riskant unzureichend koordinierte Prozesse bei Übernahmen sein können, zeigt das aktuelle Vorgehen der EU-Kommission im Fall der Möbelhändler XXXLutz und Porta. Die Kommission prüft derzeit den Verdacht auf ein sogenanntes „Gun-Jumping“ im Zusammenhang mit der bereits im Januar 2025 angekündigten Übernahme.
Im Zentrum der Ermittlungen steht die Frage, ob die Unternehmen bereits vor der offiziellen Freigabe Lieferbedingungen angeglichen oder gemeinsame Verhandlungen geführt haben.
Sollten sich diese Vorwürfe bestätigen, drohen den Unternehmen empfindliche Sanktionen von bis zu 10 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Sowohl XXXLutz als auch Porta weisen die Vorwürfe zurück. Dennoch verdeutlicht dieser Fall, dass die interne Abstimmung zwischen den Partnern strengen rechtlichen Leitplanken folgen muss, um kartellrechtliche Konsequenzen zu vermeiden.
Strategische Bedingungen und Management-Support
Bei der möglichen Konsolidierung im europäischen Bankensektor wird die Bedeutung der internen Rückendeckung ebenfalls sichtbar. Die Bundesregierung signalisierte Mitte August 2026 Offenheit für einen Verkauf ihres 12,7-prozentigen Anteils an der Commerzbank an die italienische Unicredit.
Eine entscheidende Bedingung für diesen Schritt ist jedoch die Vorlage einer gemeinsamen Strategie sowie die ausdrückliche Unterstützung durch das Management der Commerzbank.
Ein solcher Verkauf könnte den Anteil der Unicredit auf über 60 Prozent erhöhen. Die Aktie der Commerzbank notierte im Zuge dieser Entwicklungen in der Nähe der Marke von 40 Euro. Dies unterstreicht, dass die Haltung der internen Führungsebene oft das Zünglein an der Waage für den Erfolg marktverändernder Transaktionen ist.
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Operative Komplexität und technologische Hilfsmittel
Dass die interne Prüfung von Deals, die sogenannte Due Diligence, zunehmend komplexer wird, belegt eine Studie der Beratungsgesellschaft Alvarez & Marsal aus dem ersten Quartal 2026. Von den 83 befragten Private-Equity-Experten in Europa gaben 79 Prozent operative Komplexität als Hauptgrund für eine detaillierte Operational Due Diligence an.
Um diesen Herausforderungen zu begegnen, setzen Unternehmen verstärkt auf moderne Technologien:
* 70 Prozent der Befragten nutzen künstliche Intelligenz (KI) im Rahmen der Due Diligence.
* Bei Tier-1-Fonds liegt dieser Anteil ebenfalls bei 70 Prozent, während mittelgroße Fonds erst zu 30 Prozent KI-Lösungen implementieren.
* 80 Prozent der Experten bewerten KI als signifikanten Werttreiber für künftige Transaktionen.
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Interne Krisen als Hemmschuh für Transformationen
Interne strukturelle Probleme zeigen sich auch bei der Transformation bestehender Standorte. Am Beispiel des Volkswagen-Werks in Hannover werden die wirtschaftlichen Auswirkungen interner Effizienzdefizite deutlich. Die Fabrikkosten pro Fahrzeug erreichten dort zeitweise fünfstellige Beträge, während der branchenübliche Benchmark bei rund 3.000 Euro liegt.
Die Produktionszahlen am Standort Hannover sanken von 200.000 Einheiten im Jahr 2017 auf 113.500 Fahrzeuge im Jahr 2025. Während Wettbewerber wie Ford im selben Zeitraum etwa 200.000 Transporter absetzten, kam Volkswagen auf 120.000 Einheiten. Mit einer Rendite von 3,3 Prozent im ersten Halbjahr 2026 verfehlt der Bereich das gesetzte Ziel von 6,5 Prozent deutlich.
Solche internen Schieflagen erschweren strategische Neuausrichtungen und führen zu Widerständen bei Arbeitnehmervertretern. So forderte der niedersächsische Ministerpräsident Olaf Lies Mitte August 2026 in einer Runde mit Standortvertretern tragfähige Lösungen, um Werksschließungen ohne klare Zukunftsperspektive zu verhindern.
