Trump-Zölle drĂŒcken deutschen ExportĂŒberschuss auf Tiefstand
19.09.2025 - 11:49:54Weiterer Zoll-DĂ€mpfer fĂŒr die Exportnation Deutschland im GeschĂ€ft mit dem wichtigsten Handelspartner USA: Der ExportĂŒberschuss im AuĂenhandel mit den Vereinigten Staaten sank von Januar bis einschlieĂlich Juli auf den niedrigsten Stand fĂŒr die ersten sieben Monate eines Jahres seit 2021.
Mit 34,6 Milliarden Euro war der Ăberschuss fĂŒr «Made in Germany» im Handel mit den Vereinigten Staaten um gut 15 Prozent geringer als im Vorjahreszeitraum, wie das Statistische Bundesamt errechnet hat.Â
Im weltweiten Warenverkehr nahm der ExportĂŒberschuss Deutschlands um 32,7 Milliarden Euro oder 21,2 Prozent auf 121,3 Milliarden Euro ab, unter anderem weil Europas gröĂte Volkswirtschaft deutlich mehr Waren aus China importierte als es in das Land exportierte. Niedriger war der deutsche ExportĂŒberschuss in den ersten sieben Monaten zuletzt 2023 (120,1 Mrd Euro).
Geht Trumps Strategie auf?
Seit dem 7. August gelten fĂŒr die meisten Importe aus der EuropĂ€ischen Union in die USA Zölle von 15 Prozent. Die Zölle fĂŒr Stahl und Aluminium hatte US-PrĂ€sident Donald Trump Anfang Juni auf 50 Prozent hochgeschraubt. Trump wirft den EuropĂ€ern vor, die USA «abzuzocken» und will mit höheren Zöllen auf Einfuhren in die Vereinigten Staaten mehr Gleichgewicht im Welthandel erzwingen. Ob diese Strategie dauerhaft aufgeht, ist offen.
US-Verbraucher und auslÀndische Exporteure zahlen die Zoll-Zeche
«Die eindeutigen Verlierer im Handelskrieg sind US-Verbraucher und auslĂ€ndische Exporteure», sagt der Leiter der Unternehmensforschung des Kreditversicherers Allianz Trade, Ano Kuhanathan. «Sie zahlen in den meisten FĂ€llen am Ende die Zeche.» Dies betreffe 77 Prozent der FĂ€lle.Â
AuslĂ€ndische Exporteure haben der Allianz-Trade-Analyse zufolge vor allem bei Tierfutter, Zucker, Papier, Snacks, TiefkĂŒhlkost und Nudeln ihre Verkaufspreise gesenkt, um die Zoll-Mehrkosten aufzufangen.
Etliche Produkte verteuern sich stÀrker als die Importkosten
Zugleich nutzen etliche US-Unternehmen die höheren Importzölle, um ihre eigenen Gewinne zu steigern. «Insbesondere bei Kaffee, GetrĂ€nken, Unterhaltungselektronik, Bekleidung, Sportartikeln, Spielzeug und Schmuck sind die Endverbraucherpreise in den USA stĂ€rker gestiegen als die Importkosten», erlĂ€utert Allianz Trade-Experte Kuhanathan.Â
Nach SchĂ€tzungen des Kreditversicherers dĂŒrften Verbraucher in den USA fĂŒr Möbel 3,6 Prozent sowie fĂŒr Autos, Bekleidung, Schmuck und Schuhe bis zu 2,3 Prozent mehr zahlen als aufgrund der Importkosten zu erwarten gewesen sei.
USA wichtigster Handelspartner fĂŒr Deutschland
Trotz des RĂŒckgangs der Ausfuhren sind die USA immer noch der Handelspartner, mit dem Deutschland den höchsten ExportĂŒberschuss aufweist. Doch das GeschĂ€ft mit dem wichtigen US-Markt wird wegen der höheren ZollhĂŒrden schwieriger.
Zwar gingen auch im Juli die meisten deutschen Ausfuhren in die Vereinigten Staaten. Allerdings gab es den vierten monatlichen RĂŒckgang in Folge und den tiefsten Stand seit Dezember 2021.
Letztes Handelsdefizit mit den Vereinigten Staaten gab es 1991
In den ersten sieben Monaten des laufenden Jahres sanken die deutschen Exporte in die USA verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um 5,3 Prozent auf 89,9 Milliarden Euro. Zugleich stiegen die Importe aus den USA um 2,2 Prozent auf 55,3 Milliarden Euro.Â
Europas gröĂte Volkswirtschaft Deutschland erzielt seit mehr als drei Jahrzehnten Jahr fĂŒr Jahr ExportĂŒberschĂŒsse im AuĂenhandel mit den USA. Das letzte Handelsdefizit mit den Vereinigten Staaten gab es im Jahr 1991.
Schwierige Zeiten auch im Handel mit China
«Die heute veröffentlichten Zahlen zum AuĂenhandel unterstreichen, wie stark die deutsche Wirtschaft von den aktuellen geoökonomischen Verschiebungen getroffen ist», ordnet Sebastian Dullien ein, der wissenschaftliche Direktor des Instituts fĂŒr Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung.Â
Auch die Ausfuhren nach China gingen zuletzt deutlich zurĂŒck. Unter dem Strich stand nach sieben Monaten aus deutscher Sicht im GeschĂ€ft mit China der höchste ImportĂŒberschuss seit 2022: 47,7 Milliarden Euro. Dullien prognostiziert: «FĂŒr die kommenden Monate ist bestenfalls mit einer leichten Erholung der deutschen ExporttĂ€tigkeit zu rechnen.»









