Krankenstand, Psychische

Krankenstand 2026: Psychische Erkrankungen überholen Atemwegsinfekte

Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 07:55 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Erstmals überholen psychische Erkrankungen Atemwegsinfekte als häufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit in Deutschland.

DAK-Report: Psychische Leiden nun Hauptgrund für Fehltage
Ein moderner, leerer Büroarbeitsplatz mit Schreibtisch und ergonomischem Stuhl in einer ruhigen Arbeitsumgebung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Der Krankenstand in Deutschland ist im ersten Halbjahr 2026 minimal gesunken – doch die Ursachen verschieben sich deutlich.

Laut einer aktuellen Auswertung der DAK-Gesundheit lag der Krankenstand unter den rund 2,2 Millionen versicherten Beschäftigten bei 5,3 Prozent. Das sind 0,1 Prozentpunkte weniger als im Vorjahreszeitraum. Die durchschnittliche Anzahl der Fehltage pro Kopf sank von 9,9 auf 9,6 Tage.

Psychische Erkrankungen überholen Atemwegsinfekte

Ein Wendepunkt zeichnet sich ab: Psychische Erkrankungen sind erstmals die häufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit. Die Fehltage in diesem Bereich stiegen um 9 Prozent auf 184 Tage je 100 Versicherte.

Gleichzeitig gingen Ausfälle durch Atemwegserkrankungen deutlich zurück – um 21 Prozent auf 175 Fehltage je 100 Versicherte. Dieser Rückgang ist der Hauptgrund für das leichte Sinken des Gesamtkrankenstandes.

Ergänzende Branchendaten bestätigen den Trend: Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung verzeichnete für 2025 rund 14,6 Millionen Behandlungsfälle in Psychotherapie und Psychiatrie – ein Plus von 3,6 Prozent. Besonders stark stieg die Nachfrage nach Gruppenpsychotherapien.

Bremen fällt aus dem Rahmen

Regional zeigen sich deutliche Unterschiede. In Bremen sank der Krankenstand von 5,7 auf 5,1 Prozent – deutlich stärker als im Bundesschnitt. Die durchschnittliche Krankheitsdauer lag dort bei nur 8,6 Tagen.

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Rückblickende Analysen der Barmer für 2025 offenbaren ein Nord-Süd- und West-Ost-Gefälle. Im Saarland erreichte der Krankenstand 7,0 Prozent – psychische Erkrankungen verursachten dort mit 6,2 Fehltagen pro Erwerbsperson den bundesweit höchsten Wert. Auch Rheinland-Pfalz (6,2 Prozent) und Hessen (6,1 Prozent) lagen über dem aktuellen Halbjahreswert.

Streit um Attestpflicht ab Tag eins

Die Entwicklung fällt in eine politische Debatte über schärfere Regeln bei Krankschreibungen. Die Bundesregierung plant eine Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag und die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung.

Die DAK-Spitze lehnt die Pläne ab. Vorstandschef Andreas Storm schlägt stattdessen eine Teilkrankschreibung vor. Das Modell soll Beschäftigten erlauben, trotz gesundheitlicher Einschränkungen stundenweise zu arbeiten – für einen flexiblen Wiedereinstieg. Auch der Bremer DAK-Landeschef Rühe hält eine solche Regelung für sinnvoll.

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Kritiker warnen zudem vor einer Überlastung der Arztpraxen, sollte die Attestpflicht ab Tag eins kommen.

Versorgungslücke zeichnet sich ab

Mit Blick auf die Zukunft droht ein weiteres Problem: Eine Studie des IGES-Instituts prognostiziert, dass bis 2040 bundesweit über 12.000 Hausarztsitze unbesetzt bleiben könnten. Das würde die ambulante Versorgung und die Feststellung von Arbeitsunfähigkeit vor massive strukturelle Herausforderungen stellen.

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