Krankschreibung: 30 Millionen Praxisbesuche durch Attestpflicht erwartet
Veröffentlicht: 09.07.2026 um 02:11 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Vor allem die linke Gruppierung DL21 und Teile der Bundestagsfraktion laufen Sturm gegen die geplanten Reformen.
„Klassenkampf von oben“
Die SPD-Linksgruppierung DL21 bewertete die Ergebnisse als Angriff auf die Arbeitnehmer. In einer Stellungnahme warf sie Wirtschaftsverbänden und der Union vor, die wirtschaftlichen Herausforderungen als Vorwand für Sozialabbau zu nutzen. Das Ganze trage „autoritäre Züge“.
Besonders ins Visier nehmen die Kritiker die Ausweitung befristeter Arbeitsverhältnisse. Das Paket sieht vor, sachgrundlose Befristungen auf bis zu 48 Monate zu ermöglichen. Auch die geplante Abschaffung der telefonischen Krankschreibung und die Pflicht zur Vorlage einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab dem ersten Tag stoßen auf Ablehnung.
Die ebenfalls beschlossene höhere Reichensteuer würdigte die DL21 zwar als Schritt in die richtige Richtung. Allerdings sei sie völlig unzureichend, um die sozialen Härten des Gesamtpakets auszugleichen.
Streit um Informationsfreiheit
Ein zweiter Konfliktpunkt betrifft das Informationsfreiheitsgesetz (IFG). Das von Minister Dobrindt geführte Innenministerium will das Gesetz umgestalten – die SPD-Fraktion kündigte bereits entschiedenen Widerstand an.
Die geplanten Änderungen bei Befristungen und Nachweispflichten zeigen, wie schnell sich rechtliche Rahmenbedingungen im Arbeitsalltag ändern können. Dieser kostenlose Ratgeber hilft Ihnen, Ihre Arbeitsverträge rechtssicher zu gestalten und teure Bußgeld-Fallen proaktiv zu vermeiden. 19 sofort einsetzbare Muster-Formulierungen entdecken
Die Abgeordneten kritisieren vor allem die geplante Fokussierung auf natürliche Personen. Das würde Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und Medien von Informationsansprüchen ausschließen. Statt einer Einschränkung fordert die Fraktion eine umfassende Digitalisierung der Informationsrechte.
Unterstützung kommt aus der Zivilgesellschaft: Über 100 Organisationen und mehr als 400.000 Unterzeichner einer Petition fordern den Stopp der IFG-Reform.
Krankschreibung: Praxis schlägt zurück
Kanzler Merz begründet die Verschärfungen mit der notwendigen Senkung des Krankenstands. Die telefonische Krankschreibung soll abgeschafft, die Nachweispflicht verschärft werden.
Doch die Pläne stoßen auf breite Skepsis. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) rechnet mit mindestens 30 Millionen zusätzlichen Praxisbesuchen pro Jahr. Und selbst in der Union regt sich Unmut: Der stellvertretende CDA-Vorsitzende Christian Bäumler forderte die Streichung der Maßnahmen und verwies auf erheblichen Unmut in der Bevölkerung. SPD-Generalsekretär Klüssendorf plädierte derweil für größtmögliche Freiheit bei der praktischen Umsetzung.
Ob Krankschreibung oder Arbeitszeit – gesetzliche Neuregelungen erfordern von Personalverantwortlichen und Betriebsräten höchste Aufmerksamkeit. Mit diesem aktuellen Gratis-Report erfahren Sie, welche Standardklauseln in Arbeitsverträgen seit der letzten Gesetzesänderung nicht mehr zulässig sind. Kostenlosen Sicherheits-Check für Arbeitsverträge sichern
Gewerkschaften uneins
Die Reaktionen aus den Gewerkschaften fallen unterschiedlich aus. IG-Metall-Chefin Christiane Benner bezeichnete die Vorhaben als „unsoziale Wunschliste der Arbeitgeberseite“. DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi zeigte sich dagegen moderat zustimmend zu Teilen der Einigung.
Neben den arbeitsmarktpolitischen Einschnitten umfasst das Paket auch einen Aktionsplan gegen den Missbrauch von Sozialleistungen sowie Entbürokratisierungsmaßnahmen – etwa Ausnahmen von der Datenschutz-Grundverordnung für kleine und mittlere Unternehmen. Die Linke schloss sich der Kritik der SPD-Linken an und kündigte parlamentarischen Widerstand an.
Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.
