Krankschreibung, Attestpflicht

Krankschreibung: Attestpflicht ab erstem Tag statt viertem

02.07.2026 - 23:56:49 | boerse-global.de

Die Koalition will die Krankschreibung verschĂ€rfen: Attest ab Tag eins, Ende der telefonischen Regelung. Ärzte und Gewerkschaften protestieren.

Schwarz-Rot plant Attestpflicht ab erstem Krankheitstag
Krankschreibung - Eine Hand hĂ€lt eine Krankschreibung, im Hintergrund verschwommen ein modernes BĂŒro. Fokus auf das offizielle Dokument. 02.07.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

KĂŒnftig soll jeder Arbeitnehmer bereits ab dem ersten Krankheitstag ein Ă€rztliches Attest vorlegen mĂŒssen. Bisher galt diese Pflicht erst ab dem vierten Tag. Die telefonische Krankschreibung, die wĂ€hrend der Pandemie eingefĂŒhrt wurde, soll komplett wegfallen.

„Wettbewerbsnachteil fĂŒr den Standort“

Bundeskanzler Merz begrĂŒndet die VerschĂ€rfung mit den hohen KrankenstĂ€nden in Deutschland. Sie seien ein erheblicher Wettbewerbsnachteil fĂŒr die Wirtschaft. Laut DAK-Krankenkasse lag der Durchschnitt 2025 bei 19,5 Fehltagen pro Versichertem. Spitzenreiter beim niedrigsten Krankenstand war Baden-WĂŒrttemberg mit 16,6 Tagen.

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Die telefonische Krankschreibung soll durch die Videosprechstunde ersetzt werden. Gesundheitsministerin Warken betont die Bedeutung digitaler Formate. Vizekanzler Klingbeil fordert eine praktikable Umsetzung, damit der Aufwand fĂŒr alle Beteiligten beherrschbar bleibt.

Ärzte und Gewerkschaften laufen Sturm

Die KassenĂ€rztliche Bundesvereinigung (KBV) nennt das Vorhaben schlicht „unsinnig“. Der HausĂ€rzteverband warnt vor einer Überlastung der Praxen. Millionen zusĂ€tzliche Termine allein durch die frĂŒhere Attestpflicht – das sei „katastrophal fĂŒr die hausĂ€rztliche Versorgung“, so der Verband in Baden-WĂŒrttemberg.

Auch ver.di ĂŒbt scharfe Kritik. Die Gewerkschaft sieht darin ein „Zeichen tiefen Misstrauens“ gegenĂŒber den BeschĂ€ftigten. Ganz anders die ArbeitgeberverbĂ€nde: Sie begrĂŒĂŸen die PlĂ€ne ausdrĂŒcklich und erhoffen sich sinkende Fehlzeiten und bessere Kontrollmöglichkeiten.

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Betriebe können abweichen

Trotz der bundesweiten VerschĂ€rfung bleibt ein HintertĂŒrchen: Unternehmen können auf Betriebsebene eigene Regelungen treffen. Möglich sind etwa lĂ€ngere Fristen ohne Attest.

Die Koalition plant zudem eine sogenannte Teilkrankschreibung. Sie soll Arbeitnehmern erlauben, trotz gesundheitlicher EinschrĂ€nkungen stundenweise zu arbeiten. Gleichzeitig wird das Strafrecht fĂŒr falsche Krankschreibungen verschĂ€rft. Wann die Reform genau kommt, steht noch nicht fest.

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