KRITIS-Dachgesetz, Personalüberprüfungen

KRITIS-Dachgesetz: Neue Personalüberprüfungen für kritische Infrastrukturen

Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 17:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien zeigen: 40 Prozent der Sicherheitsvorfälle sind auf menschliche Fehler zurückzuführen. Neue Gesetze und KI-gestützte Analysen sollen Abhilfe schaffen.

Cybersicherheit: Menschliches Fehlverhalten als größtes Risiko für Firmen
Digitales Vorhängeschloss als Hologramm in einem modernen Serverraum als Symbol für Cybersicherheit und Personalschutz. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Absicherung digitaler Infrastrukturen erfordert zunehmend einen Fokus auf den Faktor Mensch. Dr. Uwe Klapproth vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) unterstrich jüngst, dass Cybersicherheit unmittelbar beim Individuum beginne. Diese Einschätzung deckt sich mit aktuellen Erhebungen der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC, wonach rund 40 Prozent der Sicherheitsvorfälle auf menschliches Fehlverhalten zurückzuführen sind. Angesichts dieser Quote rücken Ansätze des Human Risk Managements (HRM) verstärkt in das Zentrum betrieblicher Sicherheitsstrategien.

Gesetzliche Anforderungen durch das KRITIS-Dachgesetz

Die regulatorischen Rahmenbedingungen in Deutschland verschärfen sich in diesem Bereich deutlich. Das geplante KRITIS-Dachgesetz soll die europäischen Richtlinien CER (Critical Entities Resilience) und NIS2 in nationales Recht überführen. Für Betreiber kritischer Infrastrukturen bedeutet dies konkrete Verpflichtungen: Sie müssen künftig Personalüberprüfungen für alle sicherheitsrelevanten Positionen durchführen.

Ziel dieser Maßnahmen ist es, die personelle Sicherheit innerhalb sensibler Organisationen zu erhöhen und die Cyber-Resilienz gegenüber internen und externen Bedrohungen zu stärken. Die Umsetzung dieser Anforderungen stellt viele Unternehmen vor die Herausforderung, rechtssichere und effiziente Prozesse für die Überprüfung von Mitarbeitern zu etablieren.

Automatisierte Risikoanalyse und Personalüberprüfung

Um den neuen gesetzlichen Anforderungen wie NIS2, DORA oder ISO 27001 gerecht zu werden, setzen Unternehmen vermehrt auf spezialisierte Plattformen. Der Anbieter Validato stellt hierfür Lösungen bereit, die ein umfassendes Human Risk Management ermöglichen. Das Spektrum umfasst Pre-Screening-Verfahren vor der Einstellung sowie regelmäßige Re-Screenings während des Beschäftigungsverhältis-ses.

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Durch die Erstellung individueller Risikoprofile können Unternehmen potenzielle Gefahrenpunkte identifizieren, bevor diese zu einem Sicherheitsvorfall führen. Solche Systeme bieten Hintergrundüberprüfungen in über 200 Ländern an und sind darauf ausgelegt, die strengen Anforderungen der DSGVO zu erfüllen. Die Prozesse sind zudem auditfähig gestaltet, um bei behördlichen Prüfungen die Einhaltung der Sorgfaltspflichten nachweisen zu können.

Die Rolle von Künstlicher Intelligenz und Verhaltensdaten

Ein weiterer Entwicklungsschritt im Bereich der Cybersicherheit zeichnet sich durch die Integration von Künstlicher Intelligenz (KI) ab. Mitte August werden Branchenexperten auf der Fachkonferenz Convene in Boston diskutieren, wie KI die Risikolandschaft innerhalb der Belegschaft verändert. Ashley Rose, CEO von Living Security, und die Beraterin Edna Conway weisen darauf hin, dass Führungsebene und C-Level heute eine kontinuierliche Intelligenz bezüglich menschlicher Risiken erwarten.

Moderne Plattformen sind mittlerweile in der Lage, Identitäten, Verhaltensweisen und spezifische Risikosignale zu verknüpfen. Dies betrifft nicht mehr nur menschliche Mitarbeiter, sondern schließt zunehmend auch KI-Agenten mit ein. Durch die Analyse dieser Datenströme lassen sich komplexe Risikomuster erkennen, die über einfache Fehlbedienungen hinausgehen.

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Neue Methoden für effektive Sicherheitsschulungen

Trotz technischer Schutzmaßnahmen bleibt das Training der Mitarbeiter ein wesentlicher Bestandteil der Prävention. Anna Collard, CISO-Beraterin bei KnowBe4, beobachtet jedoch eine sinkende Konzentrationsfähigkeit der Beschäftigten, was unter anderem auf die Nutzung sozialer Medien zurückgeführt wird. Klassische, zeitintensive Mammut-Schulungen erweisen sich in diesem Umfeld oft als ineffektiv.

Stattdessen plädieren Experten für kontextualisiertes Mikro-Lernen. Diese kurzen Trainingseinheiten zeichnen sich durch einen direkten Alltagsbezug aus und werden idealerweise genau in dem Moment ausgespielt, in dem sie relevant sind (Just-in-Time). Ein auf dem tatsächlichen Nutzerverhalten basierender Human Risk Score ermöglicht es zudem, Schulungsinhalte zu personalisieren. Mitarbeiter erhalten dadurch genau die Unterstützung, die sie aufgrund ihres individuellen Risikoprofils benötigen, was die allgemeine Cyber-Resilienz des Unternehmens nachhaltig steigern soll.

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