Kündigungsatlas 2026: Männer, 41 Jahre, Freitag – wer betroffen ist
18.06.2026 - 14:08:16 | boerse-global.de
Während der MDR auf Gehaltserhöhungen verzichtet, streikt der WDR für mehr Geld. Gleichzeitig zeigt der neue Kündigungsatlas, wer besonders von Entlassungen betroffen ist.
MDR setzt auf Jobgarantie statt Gehaltsplus
Der Mitteldeutsche Rundfunk hat sich mit den Gewerkschaften DJV, ver.di und Unisono geeinigt. Der Abschluss vom 29. Mai 2026 sieht vor: Die Gehälter und Honorare bleiben das ganze Jahr über stabil. Im Gegenzug verzichtet der Sender bis zum 31. Oktober auf betriebsbedingte Kündigungen. Der Verwaltungsrat bestätigte die Vereinbarung am 15. Juni.
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Für freie Mitarbeiter gibt es eine Extra-Zahlung. Sie trifft es besonders hart: Programmkürzungen beim Mittagsmagazin und bei Krimi-Produktionen gefährden ihre Aufträge.
WDR im Ausstand: 48 Stunden Warnstreik
Ganz anders läuft es beim Westdeutschen Rundfunk. Hier rief ver.di zu einem 48-stündigen Warnstreik auf. Er begann in der Nacht zum 17. Juni und endete am frühen Morgen des 19. Juni. Auch Mitarbeiter des Beitragsservice legten die Arbeit nieder.
Der Grund: Die fünfte Verhandlungsrunde am 9. Juni brachte keinen Durchbruch. Die Gewerkschaft fordert für zwölf Monate 7 Prozent mehr Entgelt – mindestens aber 300 Euro extra für Festangestellte. Die nächste Runde ist für den 1. Juli angesetzt.
Münster: Streit um TVöD im Zoo
Der Allwetterzoo Münster steckt in finanziellen Schwierigkeiten. Die Besucherzahlen brachen 2025 massiv ein. Jetzt soll die Geschäftsführung mit ver.di über eine Flexibilisierung des Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst (TVöD) verhandeln. Ziel ist es, die automatischen Gehaltssteigerungen auszusetzen.
Kritiker werfen der Stadt Tarifflucht vor. Sie ist Minderheitsgesellschafterin und muss für die Verluste geradestehen.
Neue Regeln für Sonderzahlungen im TVöD
2026 bringt Änderungen bei der Jahressonderzahlung (JSZ). Bei den Kommunen (VKA) liegt der Satz jetzt einheitlich bei 85 Prozent. Beim Bund gibt es eine Staffelung: Je nach Entgeltgruppe zwischen 75 und 95 Prozent.
Eine wichtige Neuerung: Beschäftigte können einen Teil der Sonderzahlung in bis zu drei freie Tage umwandeln. Das Wahlrecht gilt ab diesem Jahr.
Kündigungsatlas 2026: Wer ist am stärksten betroffen?
Der aktuelle „Kündigungsatlas 2026“ wertete über 3.000 Kündigungsdatensätze aus. Die Ergebnisse zeigen klare Muster:
Männer sind mit 57,4 Prozent deutlich häufiger betroffen als Frauen. Fast die Hälfte der Gekündigten ist verheiratet. Das Durchschnittsalter liegt bei 41,4 Jahren. Besonders stark trifft es die 31- bis 40-Jährigen mit 34,4 Prozent.
Der häufigste Grund: betriebsbedingte Kündigungen mit 22,2 Prozent. Und der Tag macht den Unterschied: Fast jede?fünfte Kündigung (19,6 Prozent) erfolgt freitags, dicht gefolgt vom Donnerstag.
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Die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit beträgt 4,9 Jahre. Besonders häufig kommt es nach zwei bis fünf Jahren zur Trennung. Die durchschnittliche Brutto-Abfindung liegt bei rund 7.393 Euro.
Hamburg plant Milliardenpaket für Beamte
Auch bei der Beamtenbesoldung tut sich was. Der Hamburger Senat plant ein Gesamtpaket von rund 518 Millionen Euro für 2026. Die Bezüge steigen stufenweise: 2,8 Prozent rückwirkend zum 1. April 2026. Weitere Erhöhungen folgen im März 2027 und Januar 2028.
EuGH stärkt Kündigungsschutz für Behinderte
Die Rechtsprechung setzt neue Maßstäbe. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) betont: Arbeitgeber müssen auch in der Probezeit prüfen, ob ein anderer Arbeitsplatz eine Kündigung eines behinderten Mitarbeiters verhindern kann.
Und das Bundesarbeitsgericht (BAG) bleibt hart: Fehler in der Massenentlassungsanzeige an die Agentur für Arbeit machen Kündigungen unwirksam. Etwa wenn nicht alle betroffenen Berufsgruppen eines Betriebs berücksichtigt werden.
