MĂŒsli, Pasta

MĂŒsli, Pasta und Deo – Werden Drogerien zu SupermĂ€rkten?

03.07.2025 - 05:01:36

Kunden steuern immer hÀufiger DrogeriemÀrkte an, um sich dort mit Lebensmitteln zu versorgen. Auch wegen der EinkaufsatmosphÀre, wie eine neue Studie zeigt.

  • Drogerie-Kunden finden in den MĂ€rkten eine immer grĂ¶ĂŸere Auswahl vor. - Foto: Federico Gambarini/dpa

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  • Die Drogeriemarktkette will ihr Lebensmittel-Sortiment weiter ausbauen. - Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

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Drogerie-Kunden finden in den MĂ€rkten eine immer grĂ¶ĂŸere Auswahl vor. - Foto: Federico Gambarini/dpaDie Drogeriemarktkette will ihr Lebensmittel-Sortiment weiter ausbauen. - Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Wer sich die Einkaufskörbe von Kunden bei dm, Rossmann oder MĂŒller ansieht, stellt fest: Darin liegen lĂ€ngst nicht mehr nur Duschgel, Deo, Windeln oder Waschmittel. Immer hĂ€ufiger finden sich dort auch Ravioli, Aufbackbrötchen, Suppe oder Olivenöl - und damit Produkte, die frĂŒher eigentlich nur bei SupermĂ€rkten oder Discountern gekauft wurden. 

Laut einer Studie des Marktforschungsunternehmens YouGov wurde zwischen Anfang April 2024 und Ende MĂ€rz 2025 bereits jeder fĂŒnfte bezahlte Euro in den DrogeriemĂ€rkten fĂŒr Lebensmittel ausgegeben. Deren Umsatzanteil ist in den vergangenen fĂŒnf Jahren von 16,4 auf 20,6 Prozent gestiegen. Die Erlöse stiegen um zwei Drittel auf 2,8 Milliarden Euro.

Fast die HĂ€lfte ihres Lebensmittelumsatzes erzielen dm & Co. laut YouGov inzwischen mit Bio. In Deutschland wird jeder fĂŒnfte Euro fĂŒr Bio-Lebensmittel - ohne Frische und Babynahrung - in den DrogeriemĂ€rkten ausgegeben. 

Umfrage: dm hat die meisten LebensmittelkÀufer

Seit der Pandemie haben die Drogerien ihr Angebot an Lebensmitteln ausgeweitet. Heute haben sie sich als feste Anlaufstelle fĂŒr den Einkauf etabliert - besonders im Bereich Bio und Gesundheit. Sortimente, die zuletzt deutlich an Bedeutung gewonnen haben. «Es gibt immer mehr Kunden, die ausschließlich Lebensmittel kaufen und keine klassischen Drogerieartikel», sagt YouGov-Handelsexpertin Bettina Arneth. Wenn man Frische-Produkte nicht berĂŒcksichtige, habe die Drogerie den klassischen Bioladen ein StĂŒck weit verdrĂ€ngt. 

Ein weiterer Grund fĂŒr den Erfolg sei das Einkaufserlebnis. «Aus GesprĂ€chen mit Konsumenten wissen wir: In SupermĂ€rkten und Discountern ist es oft hektisch. In Drogerien geht es weniger stressig zu, die AtmosphĂ€re ist anders», meint Arneth. Das Einkaufen mache mehr Spaß, die Kunden hĂ€tten mehr Platz und fĂŒhlten sich wohler.

Auch die Marktforschungsberatung Mafowerk hat das Thema untersucht. DafĂŒr wurden rund 1.000 Verbraucher reprĂ€sentativ befragt. Mehr als jeder Vierte (28 Prozent) kauft demnach einmal wöchentlich Lebensmittel im Drogeriehandel, weitere 9 Prozent mehrmals. FĂŒr immerhin 42 Prozent sind Lebensmittel der Hauptgrund, dort hinzugehen. Bei Vegetariern und Kunden unter 30 Jahren ist der Anteil höher. 47 Prozent der Befragten holen sich bestimmte ErnĂ€hrungsprodukte nur in DrogeriemĂ€rkten. Die Kette dm hat der Umfrage zufolge die meisten LebensmittelkĂ€ufer. 

«Nicht nur Idealisten kaufen heute Bio»

Das Angebot der Drogerien reicht von FrĂŒhstĂŒcksprodukten wie MĂŒsli und Brotaufstrichen ĂŒber Kaffee, Tee und Milchalternativen bis hin zu Nudeln, Bulgur und Linsen, Fleischersatz und Fertiggerichten. Zudem gibt es Backzutaten, Snacks wie NĂŒsse, SĂŒĂŸigkeiten, GetrĂ€nke wie Smoothies und Hafermilch sowie Sportnahrung wie Proteinriegel. dm bietet nach eigenen Angaben mehr als 1.500 Produkte im Bereich ErnĂ€hrung an, Rossmann und MĂŒller nennen keine Zahlen.

Nicht alles, was es im Supermarkt gibt, findet man jedoch in der Drogerie. So fehlen unter anderem frische Artikel wie Obst und GemĂŒse, aber auch Wurst, KĂ€se, Joghurt, Fleisch oder TiefkĂŒhlprodukte. Eva StĂŒber, Mitglied der GeschĂ€ftsleitung beim Handelsforschungsinstitut IFH Köln, sieht darin keinen Nachteil. «Die Menschen kaufen an mehreren Orten ein. Im Schnitt sind es 3,1 EinkaufsstĂ€tten. In Drogerien können sie ihre Grundversorgung im Trockensortiment decken, frische Artikel werden woanders gekauft.»

Zahlen des Marktforschers NIQ zeigen, dass ein reduziertes Angebot kein Hindernis darstellt. Von Januar bis April 2025 haben Drogerien beim Umsatz mit Bio-Lebensmitteln im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um knapp 21?Prozent zugelegt - und damit deutlich stÀrker als SupermÀrkte (+6,6) und Discounter (+7,6). Die Zahl der Haushalte, die Bio-Produkte in der Drogerie kaufen, lag zuletzt demnach fast 10 Prozent höher. «Nicht nur Idealisten kaufen heute Bio», sagt Thomas Montiel Castro, Bio-Experte bei NIQ. StÀdter griffen hÀufiger zu.

Viel Potenzial fĂŒr Bio-Lebensmittel bis 2030

Wenig deutet darauf hin, dass der Trend bald endet. Eine 2024 veröffentlichte Studie von Handelsexpertin StĂŒber sieht noch großes Potenzial fĂŒr Bio-Lebensmittel. Der Umsatz dĂŒrfte demnach bis 2030 noch krĂ€ftig steigen. VerhĂ€ltnismĂ€ĂŸig am stĂ€rksten profitieren voraussichtlich Drogerien. Laut Expertin StĂŒber machen sie den LebensmitteleinzelhĂ€ndlern zunehmend Konkurrenz: «Die Drogerien sind zu Nahversorgern geworden und genießen auch bei Lebensmitteln großes Vertrauen.» Dass sie zu kleinen SupermĂ€rkten werden, glaubt sie jedoch nicht. 

Die Drogeriemarktkette dm hat nicht vor, frische Lebensmittel in ihr Sortiment aufzunehmen. «Wir gehen nicht davon aus, dass unsere Kunden in einem Drogeriemarkt Frischware wie Obst und GemĂŒse, KĂŒhltheken oder tiefgekĂŒhlte Lebensmittel erwarten», sagt Sebastian Bayer, Marketing-GeschĂ€ftsfĂŒhrer von dm. FĂŒr ein erweitertes Angebot fehle es auch an FlĂ€chen. 

Die großen Filialisten dm, Rossmann und MĂŒller möchten ihr Lebensmittelsortiment dennoch weiter ausbauen, wie die Unternehmen auf Anfrage erklĂ€rten. dm hat noch andere PlĂ€ne. Voraussichtlich in der zweiten JahreshĂ€lfte sollen Kunden rezeptfreie Medikamente wie Schmerzmittel online kaufen können. 

YouGov-Expertin Arneth warnt: «Die Drogerien mĂŒssen ein bisschen aufpassen, die Kunden nicht mit weiteren neuen Sortimenten zu ĂŒberfordern. Irgendwann ist mehr nicht mehr mehr.» Die Ordnung und Struktur im Laden dĂŒrfe nicht verloren gehen.

@ dpa.de